Landkreis beantragt staatliche Realschule

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Prien - Der Kreistag sowie zwei zuständige Ausschüsse haben nach positiven Signalen aus dem Kultusministerium einstimmig die Gründung einer staatlichen Realschule in Prien beantragt.

In Prien wird es möglicherweise zum Schuljahr 2012/2013 eine staatliche Realschule geben. Nach positiven Signalen aus dem Kultusministerium beschlossen der Ausschuss für Kultur, Sport, Fremdenverkehr und Schulangelegenheiten, der Kreisausschuss und der Rosenheimer Kreistag haben am Mittwoch, 4. Mai,  einstimmig in einer gemeinsamen Sitzung, die Errichtung einer zweizügigen staatlichen Realschule am Standort Prien zu beantragen.

Landrat Josef Neiderhell: "Mobile Klassenzimmer können nicht ausgeschlossen werden."

Landrat Josef Neiderhell erwartet an den Realschulen eine Schülerflut bei den Anmeldungen zum kommenden Schuljahr. Er schloss nicht aus, dass mobile Klassenzimmer an verschiedenen Realschulstandorten aufgestellt werden müssen. Weil auch in Prien viele Schüler aus dem Landkreis unterrichtet werden, geht seiner Meinung nach die Bedeutung der Realschule weit über den Status einer kommunalen Realschule hinaus. Auch die Prognosen für die Zukunft rechtfertigen den Einstieg des Staates. Nach Angaben des Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Oberbayern-Ost Peter Peltzer sei der Bedarf für 28 bis 30 Klassen nachweisbar. 25 Klassen begründete Peltzer mit den Geburtenzahlen und die übrigen durch Zuzüge bzw. Rückgänge vom Gymnasium.

Die Zustimmung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zur Gründung einer staatlichen Realschule in Prien hätte konkrete Auswirkungen auf den Haushalt des Landkreises, denn er würde sich dauerhaft Personalkosten sparen. Seit der vollständigen Übernahme der 1976 vom Markt Prien gegründeten kommunalen Realschule im Jahr 1990 versuchte der Landkreis mehrfach vergeblich, eine Verstaatlichung zu erreichen. Zuletzt wurde im Herbst vergangenen Jahres ein Antrag abgelehnt. Die Hartnäckigkeit von Landrat Josef Neiderhell in dieser Sache scheint sich jetzt aber auszuzahlen. Das Kultusministerium signalisierte erstmals die Bereitschaft, am Standort der kommunalen Realschule Prien ab dem Schuljahr 2012/2013 eine zweizügige staatliche Realschule zu errichten.

Dies hätte zur Folge, dass diese weiterführende sechsstufige Schule zum übernächsten Schuljahr bis auf insgesamt 30 Klassen anwachsen würde. Zwei Klassen je Jahrgang, also zusammen 12 würden vom Freistaat verwaltet und die übrigen drei kommunalen Züge mit 18 Klassen blieben in der Verantwortung des Landkreises. Derzeit ist die Klassenzahl auf 24 beschränkt. Für die Übergangszeit, also für das kommende Schuljahr ist angedacht, dass der Staat einige Lehrer an die Priener Realschule schickt und deshalb ein Zug als vorläufige staatliche Realschule gelten würde.

Die zusätzlich notwendigen Räumlichkeiten können voraussichtlich auf dem Gelände der Realschule verwirklicht werden. Trotz des im Schuljahr 2004/2005 errichteten Erweiterungsbaus besteht an der Schule ein erheblicher Bedarf an zusätzlichen Klassenzimmern und Fachräumen. Landrat Neiderhell sieht hier den Landkreis in der Pflicht: Es müsse angebaut werden. Der Bau der bereits jetzt benötigen Räumlichkeiten war bisher wegen des anhängigen Verstaatlichungsantrages zurückgestellt worden.

Aus dem heutigen Beschluss geht klar hervor, dass der Landkreis weiterhin für den Sachaufwand, also für die Gebäude, die Ausstattung und die Lehrmaterialen zuständig ist. Das Einverständnis des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vorausgesetzt, wird der Landkreis die notwendigen Gelder zur Durchführung der Baumaßnahme ab dem kommenden Haushaltsjahr bereitstellen. Der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt Gerhard Kippes schätzte die Neubaukosten für zehn Klassenzimmer und Fachräume sowie für Verwaltungsräume auf fünf bis sechs Millionen Euro. Hinzu kommen noch Umbaukosten. Ulrich Wieczorek von der Kreisfinanzverwaltung ergänzte, dass der staatliche Zuschuss derzeit etwa 35 Prozent der förderfähigen Kosten betrage.

Eine weitere wichtige Voraussetzung zur Verwirklichung der staatlichen Realschule ist ein Kooperationsmodell zwischen der Franziska-Hager-Mittelschule und der künftigen Staatlichen Realschule Prien. Diese ist notwendig, weil eine staatliche Realschule normalerweise dreizügig sein soll. Ministerialbeauftragter Peltzer und der Leiter des Staatlichen Schulamtes Rosenheim Wolfgang Tauber stellten in der Kreistagssitzung eine ganze Reihe von Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen beiden Schulen vor. Gemeinsamkeiten können beispielsweise Wahlfachgruppen, Intensivierungskurse, Prüfungsvorbereitungen oder auch das Mittagessen umfassen. Peltzer sieht das Modell positiv, auch die Mittelschule könne nur gewinnen. Auf Nachfrage stellte der Ministerialbeauftragte klar, dass alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten des Kooperationsmodells wahrnehmen können, auch die der kommunalen Realschule. Der Schulverband Prien als Sachaufwandsträger sowie die Schulleitung der Franziska-Hager-Mittelschule signalisierten bereits ihr Einverständnis und auch der Leiter der Realschule Karl Lau meinte in der heutigen Sitzung, er sei zuversichtlich und schaue positiv in die Zukunft. Zustimmen muss außerdem noch der Elternbeirat der Franziska-Hager-Mittelschule.

Die Anträge auf Einrichtung einer zweizügigen staatlichen Realschule sowie eines Kooperationsmodells werden in der kommenden Woche beim Staatsministerium für Unterricht und Kultus eingereicht.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Rubriklistenbild: © dpa

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