Landkreis Rosenheim ehrt Frasdorfer Tanzlmusi

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Frasdorf - Den Kulturpreis des Landkreises Rosenheim hat in diesem Jahr erstmals ein Volksmusikensemble erhalten.

Landrat Josef Neiderhell ehrte die Frasdorfer Tanzlmusi am Freitagabend in der Lamstoahalle in Frasdorf. Der Kultursonderpreis wurde zwei Mal vergeben und den Kulturförderpreis erhielten die Brüder Thomas und Christian Reif. Die Laudationes hielt der Kulturreferent des Landkreises, Klaus Jörg Schönmetzler.

Lesen Sie auch:

Frasdorfer Tanzlmusi erhält Kulturpreis

In seiner Begrüßung lobte Landrat Neiderhell die umfassende Kulturszene im Landkreis. Es sei faszinierend, was die Kultur, was die Kunst hergebe. Wir leben nicht nur in einem sehr schönen Landkreis, es gebe ein Kulturgut, für das alleine es sich schon lohne, hierher zu ziehen. Als Hausherrin begrüßte Frasdorfs Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller die zu Ehrenden und die Gäste in der vollbesetzten Lamstoahalle. Die Frasdorfer Tanzlmusi würdigte sie als eine von vielen Persönlichkeiten, die Frasdorf weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt gemacht hätten.

Vor 45 Jahren, am 23. Juni 1966 trat die neugegründete Frasdorfer Tanzlmusi bei einem alpenländischen Kirchenkonzert in der Wallfahrtskirche St. Florian erstmals auf. Das Ensemble brachte eine neue Farbe in die Volksmusik, sagte Laudator Schönmetzler. Statt die bis dahin für solche Gruppen typischen Instrumente wie Geige, Gitarre, Zither, Hackbrett und Harfe zu spielen, präsentierte sich das Frasdorfer Sextett mit Flügelhörnern, Tuba, diatonischer Harmonika, Harfe und Bass. Inspiriert von Tobi Reiser und später gefördert von Wastl Fanderl erarbeitete Franz Osterhammer als Mitgründer ein Repertoire von neu instrumentierten Jodlern und anderen Volksweisen. Bald war die Frasdorfer Tanzlmusi bei zahlreichen überregionalen Gastspielen zwischen Bayern und Südtirol zu erleben. Auftritte in Funk und Fernsehen sowie Schallplatten- und CD-Produktionen machten sie weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Schönmetzler meinte dazu: Franz Osterhammer und seine Leute schrieben ein kleines Kapitel Musikgeschichte, denn Musikanten aus ganz Oberbayern hatten Gefallen an dem wunderbaren Klangbild gefunden. Das Frasdorfer Ensemble sei Vorbild für viele neue Gruppen geworden. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Mit dem Kulturförderpreis des Landkreises Rosenheim wurden diesmal ebenfalls Musiker geehrt. Die Brüder Thomas und Christian Reif gingen beide nach ihrem Abitur am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim ans Salzburger Mozarteum. Christian, Jahrgang 1989, studiert dort „Dirigieren“ und Thomas, 1991 geboren, lernt Geige. Beide spielen in verschiedenen Orchestern und Ensembles. Zudem treten sie oft gemeinsam auf. Für ihre anspruchvollen Leistungen wurden ihnen schon mehrmals Preise im Rahmen von „Jugend musiziert“ auf Regional-, Landes- und Bundesebene verliehen. Darüber hinaus gab es verschiedenste Auszeichnungen, Meisterkurse oder Förderpreise, unter anderem im Rahmen der Austrian Master Classes. Klaus Schönmetzler ist sich sicher, dass sich beide für eine internationale Profi-Laufbahn rüsten. Christian Reif sagte, es sei eine Ehre, ausgezeichnet zu werden. Er bedankte sich auch im Namen seines Bruders bei Freunden, der Familie und vor allem bei seinen Eltern: Musik sei immer mit Freude gemacht worden. Der Kulturförderpreis ist mit je 2.500 Euro ausgestattet.

Die Laientheaterspielgruppe des Trachtenvereins „Immergrün“ Altenbeuern und der Kunstverein Bad Aibling fielen durch einmalige, viel ehrenamtliches Engagement verlangende Projekte auf. Sie konnten nur funktionieren und ihre enorme Energie und Strahlkraft entfalten, weil zum einen eine ganze Dorfgemeinschaft sich damit identifizierte und aktiv zum Gelingen beitrug und weil zum anderen ein städtischer Kunstverein nicht nur die eigenen Freunde und Mitglieder aktivierte, sondern zahlreiche weitere Kulturträger und Initiativen mit ins Boot holen konnte, lobte Schönmetzler. Die Aufführung des Stücks „Der Jäger von Fall“ in Neubeuern und das Kunstprojekt „Vor-Abriss“ in Bad Aibling belohnte der Landkreis mit dem mit je 1.500 Euro dotierten Kultursonderpreis.

Der „Vor-Abriss“ war das bislang größte und arbeitsintensivste Projekt des seit 61 Jahren bestehenden Kunstvereins Bad Aibling. Die 35 Räume des leerstehenden und zum Abriss vorgesehenen Bad Aiblinger Rathauses boten drei Wochen lang Kultur pur. 55 ausgewählte Künstlerinnen und Künstler brachten nicht nur eine kaum überschaubare Zahl von Bildern, Graphiken und Skulpturen bei, sondern auch eine Reihe speziell entwickelter Rauminstallationen oder Fassadenmalereien. Ergänzt durch ein umfangreiches Rahmenprogramm wurde die Aktion zu einem einzigartigen Ereignis im regionalen Kulturleben. Viele tausende Besucher bescherten dem Kunstverein eine überwältigende Resonanz. Dessen Vorsitzender Benno Kretschmann meinte selbstbewusst, er denke, dass der Verein den Preis verdient habe.

Nur der intensive und ehrenamtliche Einsatz von mehreren hundert Beteiligten ermöglichte, im Sommer vergangenen Jahres, die von der Laientheaterspielgruppe des Altenbeurer Trachtenvereins „Immergrün“ gestaltete Freilicht-Aufführung von Ganghofers „Der Jäger von Fall“ zu verwirklichen. Dank der Mitwirkung zahlreicher weiterer Vereine und Gruppen gelang eine ebenso aufwändige wie liebevoll gestaltete Inszenierung auf zwei Spielorten, die das Publikum von Anfang an ins Bühnengeschehen einbezog. Die detailreiche Hauptszenerie mit unter anderem zwei Almhütten, einer Brücke über die Bürgl-Schlucht und einem künstlichen Wasserfall sowie die lebendige Charakterisierung der Figuren verwandelte Ganghofers klischeebehaftetes Stück in ein Theaterereignis von unvergesslicher Bildkraft. Hans Schmid, der Vorsitzende des Trachtenvereins sagte nach der Übergabe der Urkunde durch Landrat Neiderhell: Ihr habt uns damit eine Mordsfreud’ gemacht. Rückblickend meinte Schmid, das Stück habe in der Gemeinde für einen enormen Schub beim Zusammenhalt gesorgt.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von den Preisträgern, der Frasdorfer Tanzlmusi sowie den Brüdern Thomas und Christian Reif.

PM Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser