Lebendige Überseer Geschichte

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Während der Luise-Rinser-Lesung: Die Schülerinnen Lisa Schülein (von links), Ramona Mittermeier und Marina Bürger, Lehrerin Heike Sauer, Initiator Gustav Starzmann und Monika Hossfeld, ehemalige Chefsprecherin beim Bayerischen Rundfunk.

Übersee - Der Gasthof „D`Feldwies“ war Schauplatz für eine Lesung der besonderen Art. Auf dem Programm standen Werke von Luise Rinser, die einen einmaligen Blick auf die Überseer Geschichte bieten.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung vom Mittwoch:

Eine kulturelle Bereicherung

Ein Stück Überseer Geschichte aufleben ließ ein Leseabend mit Texten von Luise Rinser im Gasthof „D´Feldwies“. Die Schriftstellerin hatte von 1918 bis 1926 ihre Kindheit in Übersee verbracht und in einigen Erzählungen verarbeitet.

Gustav Starzmann, Initiator der Lesung und bis 2003 über 20 Jahre lang SPD-Mitglied des bayerischen Landtags, konnte zufrieden sein. Seine Idee, Hauptschüler an die Literatur heranzuführen, gleichzeitig die berühmte Schriftstellerin Luise Rinser (1911 bis 2002) aus der Vergessenheit zu holen und literarisch interessierten Gästen einen unterhaltsamen Abend mit Lokalbezug zu bescheren, ist aufgegangen. Alle Zuhörer in der voll besetzten Wirtshausstube waren begeistert.

Auch Bürgermeister Marc Nitschke freute sich über "die kulturelle Bereicherung" mit ihrem dreifachen Bezug zu Übersee: "Luise Rinser hat acht Jahre in Übersee verbracht, Überseer Schüler lesen ihre Texte und die Veranstaltung findet im Übersee eigenen Wirtshaus statt."

Luise Rinser wurde 1911 in Landsberg am Lech geboren und kam als Siebenjährige mit ihrem Vater, der Schulleiter in Übersee geworden war, ins Dorf. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr wohnte die Familie in der Lehrerwohnung. Aus ihren 13 Romanen, neun Erzählbänden, zwölf autobiografischen Werken, zehn Kinder- und Jugendbüchern sowie ungezählten Essays und Aufsätzen hatte Starzmann Texte aus Rinsers erster Erzählung von 1941, "Die gläsernen Ringe", und ihrer Autobiografie von 1981 "Den Wolf umarmen" ausgesucht. In beiden Werken tauchen immer wieder Szenen aus Übersee auf.

Aus der Verwurzelung Rinsers mit der Überseer Schule entstand die Idee, ebenfalls Hauptschüler in die Lesung miteinzubeziehen, worüber sich Schulleiter Hans Aderbauer "sehr dankbar" äußerte. Die ehemalige Chefsprecherin des Bayerischen Rundfunks, Monika Hossfeld, hatte mit den engagierten und begeisterten Schülern und Schülerinnen bei fünf Besuchen in der Schule die Texte einstudiert.

Aufgabe "bravourös" gemeistert

Lisa Schülein, Ramona Mittermeier und Marina Bürger erledigten ihre Aufgabe "bravourös", wie Starzmann lobte. Sie lasen über die Doppelfunktion von Rinsers Vater als Lehrer und Organist, die revolutionären Tendenzen nach dem Ersten Weltkrieg, Rinsers Bewunderung für das Naturmädel Vicki aus einem Bauernhaushalt und ihre Gefühle als Kommunionskind zum Glauben.

Mit eingebunden in die Lesung waren die Lehrerin Heike Sauer, Sprecherin Hossfeld und Dekan Konrad Kronast, die Geschichten vom Tod und einer "sich bewegenden Christusfigur" in der Kirche vortrugen. Die verbindenden Worte sprach Initiator Starzmann. Für die musikalischen Umrahmungen während der Lesung sorgten die Schülerinnen Maren Schultheiß (Geige) und Franziska Schönberger (Zither) sowie Lehrerin Elisabeth Gschwendner (Gitarre) und Rektor Aderbauer (Flöte).

Ein besonderes Schmankerl zum Abschluss hatte Karl Jobst mit einer selbst verfassten Geschichte parat. Sie handelte vom Zusammentreffen einer empörten Luise Rinser als Seniorin mit seinem grantelnden Vater in dessen Metzgerstube, wie es sich tatsächlich zugetragen hatte.

vd/Chiemgau-Zeitung

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