Lebensraum See und Seeufer

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Der "Brotfisch" der Chiemseefischer ist die Renke.

Chiemsee - Der Chiemsee und die zahlreichen Seen der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, die Seeoner Seen sowie die Zu- und Abflüsse des Chiemsees zählen zu den Feuchtgebieten von internationalem Rang.

Ihre Besonderheiten werden in einem Kapitel des "Natur- und Kulturführers Chiemsee" beschrieben. Dies ist ein Auszug daraus.

Ihre wertvollsten Teile sind Schutzgebiete nach EU- und nationalem Recht. Sie sind in unterschiedlichen Kategorien des Landschafts-, Biotop- und Naturschutzes geschützt.

Durch ihre reichliche Ausstattung mit Nahrung, Schutz vor Störungen und ausreichend großen Gebieten zum Aufziehen von Jungen werden sie den Ansprüchen an den Lebensraum für viele Tierarten gerecht.

Dennoch: Auch in diesem Gebiet gibt es Arten, die existenziell bedroht sind und inzwischen auf den Roten Listen vom Aussterben bedrohter Tiere geführt werden.

Die Ursachen sind meist sehr komplex, gehen oft weit in die Geschichte zurück oder haben etwas mit der heutigen Intensität der Landbewirtschaftung und -nutzung zu tun.

Andererseits gibt es auch Wildtiere, die längst aus den heimischen Landschaften verschwunden waren, aber durch Wiedereinbürgerung wieder langsam heimisch werden. Dazu gehört der Biber, der seit kurzem wieder an der Prienmündung und anderen Stellen am Chiemsee seine Burgen baut. Weil es den Rahmen sprengen würde, werden nachfolgend nur beispielhaft einige Fischarten angesprochen.

Da die Fische der Seen seit altersher intensiv genutzt werden, ist die Zahl der je im Chiemsee und der Alz nachgewiesenen Arten bemerkenswert. 33 sind eindeutig nachgewiesen und für das frühere Vorkommen weiterer 15 Arten gibt es Hinweise.

Von den 33 Arten werden heute eine, nämlich die Mairenke, in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht), sieben in die Kategorie 2 (stark gefährdet) und fünf in die Kategorie 3 (gefährdet) der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tiere aufgeführt. Es bleibt zu hoffen, dass die derzeit beobachtete Wasserverbesserung anhält und sich die gefährdeten Bestände erholen können.

Bei den Fischen im Chiemsee handelt es sich nicht mehr um eine natürliche Fischfauna, sondern um eine von den Berufsfischern durch standortfremde Arten wie Zander, Seesaibling und Aal alljährlich beeinflusste. Verschiebung des natürlichen Artenspektrums sind dadurch entstanden.

Gerade dem Aal wird von Experten nachgesagt, dass er als Laichräuber bei bodennah lebenden Fischarten zur nicht unerheblichen Konkurrenz bodenständiger Arten geworden ist. Genaue Untersuchungen hierzu stehen jedoch aus.

Wegen der großen Vielfalt kann an dieser Stelle nur stichwortartig und beispielhaft auf einzelne Fisch- undVogelarten eingegangen werden.

Die Seeforelle, auch Chiemseelachs genannt, ist seit jeher heimisch im Chiemsee wie auch in den anderen tiefen, nährstoffarmen Seen des Alpen- und Voralpengebietes. Sie ging im Chiemsee stark zurück, was teilweise auf die Wasserverschmutzung und die Zerstörung der Laichplätze im Unterlauf der Tiroler Ache zurückgeführt wird. Heute werden gelegentlich zwei bis drei Kilo schwere Exemplare gefangen. Trotz größter Bemühungen, diesen etwa 20 Jahre alt werdenden Fisch wieder im Chiemsee heimisch zu machen, sind die Erfolge sehr bescheiden.

Als halbdomestizierter Vogel ist der Höckerschwan auch am Chiemsee und den benachbarten Seen als Brutvogel mit etwa 200 Exemplaren weit verbreitet. Durch die stark ausgeprägte Territorialität der Schwäne während der Brutzeit sowie durch Verluste in strengen Winterhalbjahren blieb ihr Bestand seit Jahren auf der gleichen Höhe.

Der Singschwan ist etwas kleiner als der Höckerschwan und hat einen geraderen, weniger geschwungenen Hals. Als regelmäßiger Wintergast kommt er, ähnlich wie Sterntaucher und Prachttaucher, alljährlich aus dem hohen Norden.

Im Gegensatz zum Höckerschwan sind Singschwäne sehr ruffreudige Vögel mit einem umfangreichen Stimmrepertoire. Charakteristisch für ihren Ruf ist ein tiefer, nasaler Posaunenklang. Beim Rufen ist der Hals gewöhnlich lang gestreckt und der Kopf angehoben.

Aus der großen Vielfalt der am Chiemsee vorkommenden Entenvögel seien hier nur zwei Arten angesprochen: die Krickente und die Kolbenente. Die kleinste unter den vorkommenden Entenarten, die Krickente, ist mit 35 bis 36 Zentimeter kaum länger als eine Stadttaube. Sie kommt als seltener Brutvogel am Chiemsee vor. Ähnlich wie die auch nicht häufige, aber unverkennbar und schön gezeichnete Kolbenente. Sie ist etwa Stockenten groß und zählt zu den Tauchenten. Sie kann bis zu 30 Sekunden unter Wasser bleiben. Das Männchen ist im Prachtkleid mit seiner fuchsroten Kopffärbung und dem karminroten Schnabel leicht zu erkennen. Das Weibchen besitzt ein unscheinbares, bräunliches Gefieder.

Mehr im brandneuen Natur- und Kulturführer Chiemsee, der ab sofort unter www.chiemgauerverlagshaus.de sowie im Buchhandel erhältlich ist.

re/Chiemgau-Zeitung

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