Lichtquellen im Wandel

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Die länglichen Energiesparlampen sollen nach dem Willen der EU die runden Glühbirnen ersetzen.

Prien - Zum 1. September tritt ein europaweites Handelsverbot für Glühbirnen in Kraft. Die EU will dadurch den jährlichen Ausstoß von Treibhausgasen um bis zu 23 Millionen Tonnen verringern.

Noch lassen sich die Verbraucher nur schwer von den energiesparenden Alternativ-Produkten überzeugen und tätigen vielerorts Hamsterkäufe, um die Glühbirne so lange wie möglich behalten zu können. Eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung bei den örtlichen Elektrohändlern hat das bestätigt.

Der Umsatz an Glühbirnen sei seit Bekanntwerden des Handelsverbotes um das Dreifache gestiegen, berichtet Peter Van Rossum, Fachverkäufer für Elektrogeräte im Hagebaumarkt. "Die Menschen decken sich mit Glühbirnen ein, als hätte das letzte Stündlein für jegliche Lichtspender geschlagen." Van Rossum kann da Entwarnung geben: Es würden zunächst nur die 100-Watt- und die matten Glühbirnen vom Markt genommen. Nächstes Jahr folgten dann die 75- und 2011 die 60-Watt-Birnen. 2014 werde die gesamte Regelung noch mal überprüft, wobei Erfahrungen und neue technische Entwicklungstrends berücksichtigt würden. Bis 2016 sollen dann alle konventionellen Glühbirnen vom Markt und durch neue Techniken ersetzt sein.

Die EU-Kommission hofft, dass dadurch jährlich deutschlandweit bis zu drei Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben werden. Die Glühbirne kann nur fünf Prozent der verbrauchten Energie zur Lichterzeugung nutzen, der Rest geht in Wärme verloren. Energiesparlampen seien zwar teurer, hätten aber mit zirka 15000 Stunden eine 15-mal längere Lebensdauer. Dieses Händlerversprechen könnten natürlich nur qualitativ hochwertige Markenfabrikate halten, und darum lohne es sich, bei Energiesparlampen durchaus acht bis zehn Euro zu zahlen, so ein Priener Elektroverkäufer.

Die teuren Birnen zahlten sich aus, weil man durch den 80 Prozent niedrigeren Stromverbrauch und die längere Lebensdauer letztendlich Geld einspare - laut EU-Kommission bis zu 50 Euro in einem Haushalt pro Jahr. Brüssel berichtet weiter, dass 20 Prozent der Elektrizität weltweit in Beleuchtung umgesetzt werden und hofft durch den Umstieg auf energiesparende Lampen, diesen Energieverbrauch bis 2025 zu halbieren.

Wilhelm Zischg, der Verkaufsleiter des Elektronikgeschäfts Stiebler, beobachtet ebenfalls Hamsterkäufe von Glühbirnen. Er führt das vor allem auf das Umstellungsproblem vieler, großteils älterer Menschen zurück. Die Meisten seien schlichtweg schlecht über die änderungen informiert und hätten sich damit nicht genügend auseinandergesetzt, meint auch Annerose Kopp, Verkäuferin im Elektrogeschäft Langl. Einige Kunden ließen sich aber jetzt auch ausführlich beraten, um eine passende Alternative zur Glühbirne zu finden.

Das meistgebrachte Argument gegen die Energiesparlampen ist die verzögerte Entwicklung der vollen Lichtqualität, was vor allem in Räumen wie dem Treppenhaus, wo kurzzeitig Licht gebraucht wird, nervig sein kann. Es gebe aber inzwischen, so Van Rossum, auch schon Lampen, die sofort 80 Prozent der Lichtstärke haben und in etwa 35 Sekunden, ihre volle Leuchtkraft entfalten.

Ein anderer Kritikpunkt ist die Lichtfarbe der Energiesparlampen. Das Licht sei härter. Bei stufenlos dimmbaren Energiesparlampen sei der Lichtunterschied zur herkömmlichen Glühbirne kaum wahrnehmbar, erklärt Van Rossum. Dennoch werde sich die Lichtfarbe in Zukunft verändern. Lampen werden weißer oder gelber scheinen, vermutet Kopp.

Eine Schwierigkeit der Quecksilber enthaltenden Energiesparlampen ist ihre Entsorgung. Man darf sie nicht in den Haushaltsmüll werfen, sondern muss sie zum Werstoffhof oder gegen geringe Kosten ins Elektrofachgeschäft bringen. Das stellt ein Problem dar, weil nur geschätzte 20 Prozent der Leute ihre Energiesparlampen richtig entsorgen, so Zischg.

Eine mögliche Alternative ist die Halogenlampe. Diese ist allerdings bei weitem nicht so effizient wie ihre stromsparenden Konkurrenten. Sie kann nur etwa 27 Prozent der Energie in Licht umwandeln und gibt somit auch viel Wärme ab. Halogenlampen sind laut Zischg vor allem für "Spot-", aber nicht für Flächenbeleuchtung geeignet, weil die Lichtausbeute nicht so groß sei.

Er hält das Handelsverbot für Glühbirnen für durchaus sinnvoll, aber etwas verfrüht, da die Entwicklung der Energiesparer noch nicht so weit fortgeschritten sei, dass die Glühbirne vollends ersetzt werden könne. Gerade bei den Schmucklampen seien oft gar keine Alternativen vorhanden. Eine Spezialfirma, die solche vertreibt, ist aber laut Van Rossum mit der Entwicklung energiesparender Schmucklampen beschäftigt und wird wahrscheinlich demnächst solche auf den Markt bringen.

Die Zukunft der Lichtspender sehen alle örtlichen Händler in den LED-Lampen. Sie sind noch sparsamer als herkömmliche Energiesparlampen und enthalten kein Quecksilber. Noch sind ihre Herstellung und der Verkauf relativ teuer. Die Technik wird sich aber sicherlich in den nächsten Jahren rasant weiterentwickeln und viele Neuerungen auf dem Elektromarkt bringen. So muss niemand Angst haben, in Zukunft im Dunkeln zu sitzen.

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