Neue Löschgruppe soll Historisches schützen 

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Die Löschgruppe erhält einen eigenen Wagen

Herreninsel - Derzeit verbesseren die Feuerwehr Prien und die Schloss- und Gartenverwaltung den Brandschutz für die historischen Baudenkmäler.

Gemeinsam heben sie eine Löschgruppe aus der Taufe, die im Notfall sofort an Ort und Stelle ist und erste Maßnamen ergreift, ehe die Feuerwehren vom Festland auf der Insel eintreffen.

Seit dem Bau des Schlosses hatte die Insel über eine kleine eigene Löschgruppe verfügt. Inselbewohner und Mitarbeiter der Schlossverwaltung waren im Notfall zur Stelle. Ende der 90er Jahre löste sich diese Gruppe auf - auch wegen Überalterung. Nach Jahren der Unterbrechung wollen die Feuerwehr Prien - ihr obliegt seit 1982 der Brandschutz auf der Herreninsel -und die Schlossverwaltung an diese Tradition anknüpfen und wieder eine Truppe aufbauen.

Das Konzept haben Stefan Pfliegl, der Kommandant der Floriansjünger, und Josef Austermayer, der Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, schon vor einiger Zeit ausgearbeitet. Und auf dem langen Weg der Umsetzung haben sie mittlerweile schon eine große Strecke zurückgelegt.

16 Bedienstete der Verwaltung sowie die beiden Pächter vom "Schlosshotel" und vom Souvenirladen im Königsschloss stehen künftig in der neuen Löschgruppe Herrenchiemsee der Feuerwehr Prien zur Verfügung. Einige von ihnen bringen als Feuerwehrmänner in ihren Heimatgemeinden bereits wertvolle Vorkenntnisse mit, die meisten anderen müssen aber von Grund auf angelernt werden. Die Schulung übernimmt die Feuerwehr Prien. Angefangen hat alles bereits im Frühjahr.

Schon abgeschlossen sei, wie Pfliegl im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ausführt, die Feuerwehrgrundausbildung. Nach der Theorie folge nun in den nächsten Wochen und Monaten noch die Praxis. Der Kommandant hofft, dass er Anfang nächsten Jahres, vielleicht schon im Januar, das große Ziel erreicht: dass die neue Löschgruppe dann einsatzfähig ist.

Ihren Standort hat die Löschgruppe künftig in den riesigen Stallungen auf der Insel. Im westlichen Teil des Gebäudekomplexes sind nach wie vor die Pferde für die Kutschen untergebracht, im östlichen nun die Löschgruppe. In einem Raum können sie sich auf ihren Einsatz vorbereiten, zwei Garagen stehen zur Verfügung. Freistaat und Schlossverwaltung haben die Löschgruppe auch schon ausgestattet: Nicht nur die Kleidung, die die 18 Mann brauchen, haben sie besorgt, auch Schläuche und anderes technisches Material. Und vor allem: Ein Einsatzfahrzeug steht schon in der Garage.

Der Freistaat Bayern hat ein gebrauchtes "Tragkraftspritzenfahrzeug" aus dem Bestand der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg zur Verfügung gestellt. Die Übergabe an die Feuerwehr Prien erfolgte Ende September. Das Fahrzeug wird jetzt für den Einsatzdienst vorbereitet - und dann können die 18 Mitglieder die abschließende, praktische Ausbildung - zum Beispiel an der tragbaren Pumpe, die im Auto ist - angehen.

"An die 40000 Euro" ausgegeben

Der Freistaat und die Schlossverwaltung haben für die Einrichtung der Löschgruppe Herrenchiemsee tief in die Tasche gegriffen. Austermayer schätzt die Ausgaben auf "an die 40000 Euro".

Der Brandschutz auf der Herreninsel obliegt weiter der Feuerwehr Prien. Wenn ein Feuer auftritt, gilt also nach wie vor der gleiche Notfallplan: Zuerst werden die Floriansjünger der Marktgemeinde alarmiert, dann die Feuerwehren in Breitbrunn, Gstadt und Eggstätt.

Wenn's einmal brennen sollte, ist die Löschgruppe schnell da

Wenn's ernst wird, dann brauchen die Feuerwehrleute, wie die Erfahrung laut Pfliegl zeigt, 22 bis 25 Minuten, bis sie auf der Herreninsel sind. Und dort steht ihnen nach wie vor das von ausgebildeten Feuerwehrmännern zu bedienende Löschfahrzeug (LF) 16 zur Verfügung, das über einen Wassertank verfügt und dann im Rahmen einer Brandbekämpfung wertvolle Dienste leistet.

Ein großes Feuer löschen kann die neue Gruppe nicht. Ihre Aufgaben liegen künftig in einem anderen Bereich: Als Erste, die am Brandort eintreffen, bringen sie etwa Menschen in Sicherheit, sie "evakuieren" den Unglücksort, wie Austermayer sagt. Soweit ihre technischen Mittel reichen, starten sie einen Erstangriff auf das Feuer. Vor allem aber treffen sie Vorkehrungen, dass dann die Feuerwehren, die vom Festland kommen, mit geballter Kraft den Brand schnell und wirkungsvoll bekämpfen und beenden können.

Und noch eine Aufgabe fällt der Löschgruppe zu: Sie nimmt sogleich Ortseinsicht - und kann dann im Falle eines Fehlalarmes gleich Entwarnung geben. Auf diese Weise entlastet sie die Feuerwehr Prien. Denn Pfliegl macht keinen Hehl daraus, dass in der Vergangenheit die Zahl der Brandmelder auf der Herreninsel zugenommen hat -und mit ihnen auch die der Fehlalarme.

Gernot Pültz

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