Eine Patientin der ersten Stunde berichtet

Die Magersucht besiegt

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Kathrin Seyfahrt war 1985 eine der ersten Patientinnen in der Schön Klinik Roseneck. Jetzt berichtete sie auf Initiative von Oberarzt Dr. Christian Ehrig vor 70 Patienten über ihren erfolgreichen Kampf gegen die Magersucht.

Prien - Kathrin Seyfahrt war 1985 als eine der ersten Patientinnen in die neu eröffnete Schön Klinik Roseneck gekommen. Ihre Essstörung war unübersehbar:

Die damals 30-Jährige brachte bei einer Größe von 1,68 Meter nur 38 Kilo auf die Waage. Heute, 27 Jahre später, steht eine gesunde und selbstbewusste Frau in der Klinik. "Es gibt so viel Wichtiges zu tun. Für Kalorienzählen bleibt mir keine Zeit", erzählt sie und berichtet aus Entwicklungshilfeprojekten, die ihr Verein "Wunschträume" in Westafrika fördert. Oberarzt Dr. Christian Ehrig hat Kathrin Seyfahrt eingeladen, anderen Patientinnen der Klinik Mut zu machen, dass es Wege aus der Magersucht gibt.

Ihre eigene Erfahrung mit der Krankheit machten den Vortrag von Seyfahrt in der Schön Klinik Roseneck besonders glaubwürdig. Sie sprach über Ängste, die auch aktuelle Patienten quälen: Muss ich hier um jeden Preis zunehmen? Kann ich mich auf die Therapien einlassen? Ihr jahrelanger erfolgreicher Kampf gegen die Erkrankung kann dabei Vorbild sein. Als Kathrin Seyfahrt die Essstörung überwunden hatte, richtete sie den Blick von sich auf andere. Sie half in Selbsthilfegruppen magersüchtigen Frauen und Männern und schrieb mehrere Bücher über ihren Weg aus der Magersucht.

Das Interesse für Afrika ergab sich fast zufällig. Als Seyfahrt noch viel zu wenig wog, hatten Freunde sie mit dem Satz konfrontiert: "Du siehst ja aus wie ein Biafra-Flüchtling". "Biafra" stand damals für eine afrikanische Hungersnot, für ausgemergelte Menschen. Und für ein Spiegelbild, in dem sich die junge Frau ein Stück weit wiedererkannte. Sie dachte dann erstmals darüber nach, eine Therapie zu beginnen.

Später, Ende der 90er Jahre, beschäftigte sich die Journalistin dann für eine einstündige Radio-Reportage mit dem Gegensatz zwischen Wohlstandshunger und Hungersnöten in den Entwicklungsländern. Ihr Weg führte sie nach Äthiopien. Es sollte die erste von mittlerweile mehr als 30 Reisen nach Afrika werden, denn die dortige Armut ließ sie nicht los. "Aus der Perspektive einer hungernden afrikanischen Familie ist es schon pervers, dass wir in Europa Geld für Diäten ausgeben", sagt Kathrin Seyfahrt heute nachdenklich.

Vor neun Jahren gründete sie einen gemeinnützigen Verein, der Mädchen- und Frauenprojekte in Westafrika unterstützt. Die Spenden, um die sie bei den Vorträgen in der Schön Klinik Roseneck und woanders bittet, unterstützen die karitative Arbeit. "Wunschträume e.V." fördert in Burkina Faso ein Schulzentrum für 1200 Kinder, eine Kranken- und Sozialstation sowie ein Ausbildungszentrum für Frauen.

Aus der Dankbarkeit, die eigene Erkrankung hinter sich gelassen zu haben, engagiert sich Seyfahrt für andere. Ihren vor allem weiblichen Zuhörerinnen gab sie in ihrem Vortrag in der Schön Klinik Roseneck eine wichtige Botschaft mit: "Hungern im Reichtum ist keine Lösung. Der Schritt aus der Magersucht lohnt sich."

Ihr Vortrag beeindruckte auch die Therapeuten und Ärzte. "Niemand ist so glaubwürdig wie eine ehemalige Patientin, deshalb haben wir Frau Seyfahrt eingeladen zu berichten", sagte Dr. Christian Ehrig. Der Oberarzt bedankte sich bei seiner ehemaligen Patientin für ihren eindrucksvollen Einblick in einen starken, selbstbewussten Lebensweg.

Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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