Jedi-Ritter im Lego-Look

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Von der realen in die virtuelle Welt und wieder zurück wechselten die Schüler an den Stationen.

Prien (ch-z) - An einer Vielzahl von Stationen in der Waldorfschule stießen an einem Medien-Erlebnistag die reale und die virtuelle Welt aufeinander, oft mit überraschenden Ergebnissen für die Tester.

Trotz Kettenhemd und orientalischer Hitze springt der junge Mann von Dach zu Dach. Er stürzt nicht, er rollt sich gekonnt ab, richtet sich sofort wieder auf und setzt seine Mission fort. Die Kollegen kämpfen dagegen mit der Schwerkraft und mangelnder Kondition, der Schweiß rinnt und nur die blauen Matten dämpfen den einen oder anderen Sturz. Ort des ungleichen Wettkampfes: Die Turnhalle der Waldorfschule, an der die Schüler der zehnten und elften Klassen echte Turner und virtuelle Krieger gegeneinander antreten lassen.

Die Schüler hatten sich zusammen mit ihren Lehrern richtig ins Zeug gelegt, um erleb- und erfühlbar zu machen, was den Reiz der virtuellen Welt der Computer-Spiele ausmacht und ob Spaß am Spiel programmierbar ist. Die Chiemgau-Zeitung hatte gleich zu Beginn einen engagierten Führer an der Seite, Sonny Kaspar aus der zehnten Klasse.

Während im Eingangsbereich die Besucher über ein schmales Seil balancieren und dabei an die Grenzen ihrer Körperbeherrschung stoßen, heißt es im ersten Stock: "Sie müssen nur die Schuhe ausziehen." Man steht auf einem weißen Kissen aus Gummi und wackelt mal nach links und dann nach rechts. Man balanciert gerade über eine riesige Straßenschlucht, von Hochhaus zu Hochhaus und muss außerdem einem angriffslustigen Hund ausweichen - das zumindest sieht der Wackelnde auf dem Bildschirm vor ihm.

Wer nicht balancieren will, der kann auch zu Hula-Hoop-Reifen die Hüften schwingen. Sieht aber ähnlich aus. Während an einer weiteren Station Lichtschwert schwingende Jedi-Ritter im Lego-Look die Welt vor dem Bösen retten, sieht der Tisch mit Teddy, Püppchen, Eisenbahn und Co. beinahe anachronistisch bis exotisch aus. Neben den jubelnden Kindern an der Play-Station sieht man mit Blick auf den Tisch in seine eigene Kindheit. Wann war die doch gleich, dass muss mindestens hundert Jahre her sein...

Vor hundert Jahren konnte man sich aber auch noch nicht durch die Welt klicken, chatten und sich Gefahren aussetzen, die richtig ins Geld gehen können. Christian Pfaffinger von der Polizeiinspektion Prien ist Experte auf diesem Gebiet und macht immer wieder auf diese Gefahren aufmerksam. Da sind schon sehr interessante Gespräche entstanden, weiß er im Rahmen des Medien-Erlebnistages zu berichten. Ob die illegal runtergeladenen Musikstücke oder der über das Handy verbreitete Schnappschuss der schlafenden Banknachbarin, die Gefahr, mit bestehenden Gesetzen in Konflikt zu geraten, sei groß, warnt Pfaffinger die Jugendlichen immer und appelliert an deren Vernunft. Auch auf die Gefahren in so genannten Chatrooms weist er immer hin.

Im dritten Stock steht eine Vielzahl von Computern genau dafür zur Verfügung. Da wird geschwatzt, geflirtet und diskutiert, was das Zeug hält, natürlich alles anonym. Wer chattet, dem rät Pfaffinger, immer einen "Nick-Namen" zu wählen, der weder Alter noch Geschlecht verrät, und nichts Persönliches auszuplaudern.

Nach dem Rundgang mit sportlichen und virtuellen Ausflügen zum Fußball, Basketball und Bogenschießen weiß man wieder um den Wert der körperlichen Fitness und des Teamgedankens. Auch wenn die Reaktionsfähigkeit und die Fingerfertigkeit zweier Playstation-Spieler, die zwei ganze Mannschaften über den Bildschirm flitzen lassen, einem doch Respekt abnötigen, bleibt die Frage, wie wohl die Freizeitgestaltung der übernächsten Generation aussehen mag.

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