Mehr Bedarf als Platz in der Krippe

Prien - Seit September gibt es in Prien eine zweite Kinderkrippe - im Dachgeschoss des Waldorfkindergartens. Doch die Krippe ist schon lange ausgebucht!

Seit September ist das "Burgschloss" im "Haus für Kinder Marquette" nicht mehr Priens einzige Kinderkrippe. Seitdem werden auch im Dachgeschoss des Waldorfkindergartens 16 Mädchen und Buben unter drei Jahren vormittags betreut. Die Krippengruppe war schon ausgebucht, lange bevor der Betrieb begann - und ist es auch schon für Herbst 2012.

Es ergab sich fast von selbst. Als die Leiterin einer nachmittäglichen Spielgruppe für Mutter und Kind im Waldorfkindergarten diese nicht mehr fortführen konnte, war es für die Vorstandschaft des Trägervereins und die Kindergartenleitung fast zwangsläufig, eine Krippe zu schaffen. Die Nachfragen waren über die Jahre immer mehr geworden, erinnert sich Vorstandsmitglied Markus Blüml im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Schon bevor der Marktgemeinderat im Sommer den Bedarf für zehn (rechnerische) Vollzeitplätze anerkannte und damit rund 20.000 Euro Betriebskostenzuschuss pro Jahr bewilligte, waren alle Plätze ausgebucht. Einen gleich großen Anteil, der 40 Prozent der Gesamtkosten entspricht, trägt das Land, die restlichen 20 Prozent müssen die Eltern aufbringen - so will es das Gesetz bei solchen Betreuungseinrichtungen. In der Regel bedeutet das Blüml zufolge eine monatliche Belastung zwischen 200 und 400 Euro.

Im Dachgeschoss des Waldorfkindergartens wurde für die Krippe der Mehrzweckraum umfunktioniert, kleinkindgerechte Spielsachen wurden ebenso angeschafft wie eine Kommode für den Wickelraum. Und in einer Ecke wurde unter der Decke des hohen Raums eine zweite Ebene eingezogen. Dort können sich die Kleinen ausruhen.

Die Mädchen und Buben fühlen sich dort oben offensichtlich wohl, wozu Gruppenleiterin Nicola Gerl sowie die beiden Erzieherinnen Claudia Blaschek und Jana Boßler wohl ebenso beitragen wie die helle Einrichtung. Der Platz im Dachgeschoss stand auch Pate bei der Namensfindung - die Krippe ist die "Sternschnuppengruppe". Das zusätzliche Stockwerk war erst vor etwa sechs Jahren draufgesetzt worden, weil der Platzbedarf eine dritte Gruppe erforderlich und sinnvoll machte.

So wie die Marktgemeinde, die mit der Verdreifachung der Krippenplätze auf 36 durch den angestrebten Neubau des Marquette der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen will, so weiß auch Theresia Christian-Rieser, die Leiterin des dreigruppigen Waldorfkindergartens, dass immer mehr Eltern auf solche Betreuungsplätze angewiesen sind, weil beide Elternteile arbeiten müssen, um finanziell über die Runden zu kommen, oder die Mutter allein erziehend ist.

Manche Mädchen und Buben werden an fünf Tagen in der Woche in die Obhut der Erzieherinnen gegeben, andere nur an zwei Tagen. Von 7.30 bis 12.30 Uhr gilt das Angebot montags bis freitags. Dass die Betreuungszeiten dem individuellen Bedarf der Eltern angepasst sind und die Öffnungszeiten daher nur zum Teil ausgeschöpft, erklärt, warum auf den zehn Plätzen 16 Kinder berücksichtigt werden können.

Weil ihre Schützlinge in der Regel erst um die zwei Jahre jung sind, achten Gerl und ihre Kolleginnen besonders auf feste "Rituale" im Tagesverlauf, um Vertrautheit zu schaffen. Deshalb nehmen sie sich viel Zeit fürs gemeinsame Frühstück oder anschließende Singen. Die Gruppenleiterin versteht die "Sternschnuppen" als erweitertes Zuhause, in denen die Kleinen "kontinuierlich in ihren Entwicklungsschritten gefördert werden".

Rein bürokratisch gesehen ist die Krippe im bisherigen Mehrzweckraum des Kindergartens aber nur ein Provisorium, der Landkreis hat den Betrieb auf zwei Jahre befristet genehmigt. Die Mädchen und Buben aus den drei Kindergartengruppen weichen für ihre Bewegungsspiele in den Turnraum der benachbarten Waldorfschule aus.

Bis 2013, da sind sich alle Beteiligten einig, soll eine dauerhafte räumliche Lösung gefunden werden. Blüml und Christian-Rieser setzten auch auf das Engagement der Elternschaft bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in näherer Umgebung des Kindergartens.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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