Mehr Wert mit Biosiegel

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Der Fischerjahrtag hatte traditionsgemäß mit einem Gottesdienst zur Ehren der verstorbenen Fischersöhne im Münster begonnen. Ein Kirchenzug mit Kurat Konrad Kronast führte mit der Fischerstandarte zum Kriegerdenkmal unter den Linden. Vorsitzender Lex legte zu Ehren der Toten einen Kranz am Denkmal nieder.

Fraueninsel - Die Berufsfischer am Chiemsee blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. In Zukunft soll mit einem Biosiegel der Wert der Fische noch gesteigert werden.

Eins ihrer besten Fangergebnisse bei Renken haben die 16 Berufsfischer am Chiemsee im vergangenen Jahr verbuchen können. Das wurde beim Fischerjahrtag auf der Fraueninsel deutlich. In der Versammlung appellierte der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, an die Fachverbände, den Wert der Fische mit einem Biosiegel zu steigern und sie als Bioqualität zu bezeichnen.

Nach der Fangstatistik aller Berufsfischer seien dem Chiemsee 2011 insgesamt 119000 Kilogramm Fische entnommen worden, gab Lex in der Jahreshauptversammlung im Hotel "Linde" bekannt. Damit seien die guten Erträge des Vorjahres sogar noch etwas übertroffen worden.

Die Chiemsee-Renke sei mit über 80 Prozent vom Gesamtfang wieder "Brotfisch" gewesen. "Mit 96960 Kilogramm lag der Renkenertrag 2011 auf recht hohem Niveau", erklärte Lex. Durch das gute Planktonwachstum im vorigen Jahr seien die Renken zu erstaunlichen Stückgewichten herangewachsen. Auch der Absatz sei "gut bis sehr gut" gewesen. Als Voraussetzung nannte der Vorsitzende jedoch vielseitige Vermarktungsangebote wie filetieren, räuchern und marinieren der Renke. Ferner seien auch die Fischpreise gut gewesen, besonders durch die Veredelung.

Allerdings werde es in diesem Jahr einen unerwarteten Dämpfer geben, so Lex weiter. So habe im Frühsommer ein geringes Planktonvorkommen den um diese Zeit erhofften Wachstumsschub der Renken verhindert. Ob Kieselalgen oder ein geringerer Phosphatanteil im Wasser Gründe dafür sind, wusste Lex nicht eindeutig zu erklären. Auf jeden Fall würden die zweieinhalb Monate der verbleibenden Renkenssaison die Fischer kaum an die Erträge der letzten Jahre kommen lassen.

Lex appellierte an die Fachberatung und Fachverbände, dafür zu sorgen, dass auch die Fische als Bioqualität mit einem "Biosiegel" oder als "Zertifizierung aus nachhaltiger Fischerei" bezeichnet werden. "Alles ist heute 'Bio, doch unsere wild gewachsenen Fische fallen da durch ein Raster. Aufgewachsen in Trinkwasserqualität - natürliches Plankton als Futter - werden sie nicht als 'Bioqualität gewürdigt."

Lex bezeichnete als wichtige Aufgabe der Genossenschaft, die verschiedenen Fischarten in einem guten Gleichgewicht zu halten und den Fischbestand insgesamt zu heben. Der Einsatz zwischen 75 bis 100 Millionen Renken jährlich sei eine Basis für einen gleichmäßigen Renkenertrag. So konnten bei der Laichfischerei im letzten Jahr 1600 Liter befruchtete Renkeneier in die Brutanstalt eingebracht werden. Nach dreineinhalb Monaten der Pflege des Eimaterials seien im Frühjahr 75 Millionen Renkenbrütlinge im Chiemsee eingesetzt worden. Lex bezifferte den Gesamtwert des Jungfischbesatzes mit den von den Züchtern angekauften Satzfische auf rund 440000 Euro.

Keine großen Sorgen haben die Fischer derzeit mit dem Kormoran, obwohl in dieser Brutsaison wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen gewesen sei. Nachdem 2001 noch 167 Nester gezählt worden, seien diese Schritt für Schritt auf einen Tiefstand von 59 Nestern gefallen.

Das Verhältnis mit den Angelfischern bezeichnete Lex als gut. Über 1100 Erlebnisscheine seien ausgegeben worden, deren Einnahmen zu 100 Prozent für den Jungfischbesatz verwendet werden. Allerdings müssen die Berufsfischer Schäden an den Netzen und Reusen in den ausgewiesenen Schonzonen hinnehmen.

th/Chiemgau-Zeitung

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