Meilenstein für den Tourismus

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Rosenheim/Landkreis - Die Kirchturmpolitik in Sachen Fremdenverkehr hat ein Ende: Die 46 Gemeinden des Landkreises Rosenheim, der Landkreis sowie die Stadt Rosenheim haben den Tourismusverband Chiemsee-Alpenland gegründet. **Video**

Damit gibt es zukünftig für die gesamte Region eine einheitliche Tourismusmarke. Beworben werden nicht mehr einzelne Orte, sondern Angebotsprodukte in den Bereichen Wasser, Alpen, Gesundheit sowie Kultur und Kongresse.

Lesen Sie hierzu: Grabenstätt tritt bis auf Weiteres nicht bei

Es ist die seit Jahrzehnten wichtigste Strukturreform für den Fremdenverkehr in der Region: Gestern wurde der neue Tourismusverband Chiemsee-Alpenland im Landratsamt Rosenheim aus der Taufe gehoben. Er wird ab 1. Januar 2010 die Aufgaben der Tourismusverbände Rosenheimer Land und Chiemsee übernehmen. Mit dabei sind auch 23 Landkreisgemeinden, die bisher touristisch nicht organisiert waren.

Archiv-Video: Unstimmigkeiten beim Tourismusverband

"Eine zukunftsweisende Entscheidung" nannte den Beschluss der stellvertretende Landrat Josef Huber, der den erkrankten Landrat Josef Neiderhell vertrat. Als "wichtiges Signal für den Tourismus in der Region" bezeichnete Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer diesen Schritt.

Chiemsee und Alpen: Mit diesen beiden Begriffen will ab 1. Januar 2010 der neue Verband den Tourismus in Stadt und Landkreis vermarkten.

Auslöser für die Neugründung war die anhaltende Talfahrt des bedeutenden Wirtschaftszweigs. 10.000 versicherungspflichtige Arbeitnehmer sind im Landkreis im Tourismus beschäftigt. Doch Kurkrise, Billigflieger und starke Konkurrenz jenseits der Grenze haben kräftige Spuren hinterlassen. Seit 1990 sinken die Zahlen ständig. 2008 wurden noch knapp vier Millionen Übernachtungen gezählt. Jetzt soll der neue Verband mit einer gemeinsamen Marke die Trendwende einleiten.

Damit die Sache ein Erfolg wird, nehmen die Beteiligten viel Geld in die Hand. Der Landkreis, der bislang im Jahr gerade mal 61.000 Euro Zuschüsse an touristische Organisationen gab, steuert künftig 625.000 Euro bei. Weitere 475.000 Euro kommen von den 46 Mitgliedsgemeinden, 100.000 Euro wendet die Stadt Rosenheim auf. Zusammen mit den Beiträgen von privaten Mitgliedern kommen so im Jahr rund 1,5 Millionen Euro zusammen.

"Wir sind finanziell gut aufgestellt", erklärte Huber, "wichtig wären nun gute Mittelklasse-Hotels". Um hier Abhilfe zu schaffen, erstellte im vergangenen Jahr eine Beratungsgesellschaft einen Hotel-Master-Plan. 32 mögliche Standorte wurden geprüft, einigen auch gute Chancen eingeräumt. Doch die Neubaupläne sind derzeit auf Eis gelegt: In Zeiten der Wirtschaftskrise sind Investoren vorsichtig geworden.

Die Tourismusexperten der Beratungsgesellschaft legten aber auch den Finger in die Wunde und zeigten die Defizite auf. Neben der "nicht mehr zeitgemäßen Angebotsstruktur im Beherbergungsbereich" und "zu wenigen international marktfähigen Betrieben" kritisierte das Gutachten die fehlende Dachmarke und die Zersplitterung der Kräfte auf viele Vermarktungsorganisationen.

"Ein Schritt, der lange fällig war"

Die beiden letzten Kritikpunkte soll nun der neue Verband wettmachen. "Das war ein Schritt, der schon lange fällig war", erklärte Huber: "Wir haben eine schöne Region, aber machen uns gegenseitig Konkurrenz, weil sich jeder selbst vermarktet." Dem Gast, der heute Herrenchiemsee besuche und morgen den Wendelstein, sei es egal, dass er dabei die Grenze zweier Verbände überschreite.

Generell werden zukünftig die Orte bei der Tourismuswerbung nicht mehr im Vordergrund stehen. Die Stärken der Region, die das Gutachten ebenfalls aufführt, sollen künftig unter den Themenbereichen Wasser, Alpen, Gesundheit und Kultur/Kongresse vermarktet werden. Dafür wird jeweils ein zuständiger Manager Produkte entwickeln und vertreiben. Sitz des neuen Verbandes wird das Chiemsee-Infocenter in Bernau-Felden sein, wo bislang der Chiemsee-Verband angesiedelt ist. Der neue Geschäftsführer wird derzeit noch gesucht.

Die Pläne für den Chiemsee-Alpenland-Verband gehen aber noch weiter. 2012 soll auch der Chiemgau-Tourismusverband, der die touristischen Interessen der 35 Gemeinden im Nachbarlandkreis Traunstein bündelt, integriert werden. Zwischen den beiden Verbänden gibt es aber Unstimmigkeiten: Der Chiemgau-Verband hat erst Anfang September ein neues Logo vorgestellt, das mit viel Geld und Aufwand entwickelt wurde und unter dem Motto "Chiemgau - Bayerns Lächeln" dem Fremdenverkehr im Landkreis Traunstein neuen Auftrieb geben soll. Unklar ist, wie dieses Logo in die Marke Chiemsee-Alpenland integriert werden kann. "Es gibt ein paar kleine Missstimmungen", bestätigte gestern Huber, doch am Willen beider Seiten, sich zusammenzuschließen, habe sich nichts geändert, versicherte er.

Dass noch Überzeugungsbedarf besteht, zeigte sich jetzt auch im Gemeinderat Grabenstätt. Die Kommune im Landkreis Traunstein ist als eine von sechs Chiemsee-Anliegergemeinden sowohl Mitglied im Chiemsee- wie auch im Chiemgau-Verband. Die Räte haben jetzt mit großer Mehrheit beschlossen, Chiemsee-Alpenland vorerst nicht beizutreten. Die Grabenstätter bemängelten vor allem fehlende Konzepte.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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Rubriklistenbild: © Berger

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