Vier Monate Haft auf Bewährung für alkoholkranke Diebin

Mein und Dein vertauscht

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Prien/Chiemgau - "Eine Flasche Melissengeist und etliche Miniflaschen Wein hatte ich schon intus", erklärte die 65-jährige Rentnerin dem Richter auf die Frage nach dem Motiv für ihre Taten.

Am 14. Oktober 2011 hatte sie abends gegen 18 Uhr einen Buchsbaum aus dem Anwesen an einer Straße in Priens Süden ausgegraben und mit dem Fahrrad zu sich nach Hause transportiert. Nicht dass sie daran Mangel hätte: In ihrem Garten um das eigene Haus hätte sie schon genügend Sträucher.

Zu ihrem Pech ist das Anwesen Videoüberwacht. So war sie alsbald identifiziert. Knapp eine Woche darauf wurde sie von einer Polizeibeamtin, die sie auf dem Video wiedererkannt hatte, auf der Straße mit ihrem Fahrrad in Prien angehalten. Jedoch anstatt die Polizistin mit zur Wache zu begleiten, riss sie sich los und radelte davon.

Nur wenige Tage darauf ließ sie in einem Lebensmittelladen in Bernau eine der von ihr geliebten 0,2 Liter-Weinfläschchen mitgehen. Wert: 1,98 Euro. Und das, obwohl sie genug Geld dabei hatte, um zu bezahlen. Auch dieses Mal, so berichtete sie, hatte sie vorher bereits eine mittlere Flasche Melissengeist und einige kleine Fläschchen Wein getrunken.

Dr. Stefan Gerl, Gutachter für psychiatrische Forensik aus dem Inn-Salzach-Klinikum, berichtete, dass die Angeklagte seit 35 Jahren alkoholkrank sei. Bereits seit zehn Monaten unterziehe sie sich derzeit einer ambulanten Behandlung, was ihre ernsthafte Absicht unterstreiche, in Zukunft abstinent zu leben. Die Frage nach einer krankhaften Kleptomanie wies er zurück. Diese Bezeichnung könne nicht als soziopathologisches Krankheitsbild gelten. Es handle sich dabei eher um verschiedenste Ursachen soziologischer Natur. Keinesfalls könne hier das Fehlen einer Einsichts- und Steuerungsfähigkeit zugestanden werden. Allenfalls eine gewisse alkoholische Enthemmung unterhalb der Erheblichkeitsgrenze sei erkennbar.

So wurden die sieben Vorstrafen wegen Diebstahls nicht zum Beweis einer Schuldunfähigkeit wegen sogenannter "Hangtaten", sondern wirkten sich er-schwerend aus.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft konnte sich wegen des umfassenden Geständnisses kurz fassen. Zwar sei letztlich kein Schaden entstanden. Der Busch sei zurück gepflanzt und das Weinfläschchen habe das Geschäft gar nicht verlassen. Jedoch gehe es nicht an, dass die Angeklagte im betrunkenen Zustand "Mein und Dein" nicht mehr unterscheiden könne. Dass dies kein Einzelfall sei, beweise die Vorstrafenliste: ausnahmslos Diebstähle. Sie forderte eine Gesamtstrafe von vier Monaten Haft, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne - vorausgesetzt die Angeklagte würde die psychiatrische Behandlung konsequent fortsetzen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl unterstrich das umfassende Geständnis seiner Mandantin, den geringen und bereits wieder gut gemachten Schaden und deren Bereitschaft, ernsthaft an ihren Problemen zu arbeiten um ihre Sucht und die daraus folgenden Straftaten zu unterbinden. Er meinte, es könne mit einer Geldstrafe sein Bewenden haben. Anderenfalls würde eine geringe Strafe von zwei Monaten durchaus ausreichen. Selbstverständlich solle diese dann zur Bewährung ausgesetzt werden.

Richter Oliver Mößner verurteilte sie zu vier Monaten Haft, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dazu erlegte er ihr auf, die begonnene Therapie fortzusetzen und 500 Euro Buße an die Diakonie zu bezahlen, wo sie derzeit auch am Gesprächskreis für Alkoholabhängige teilnimmt.

au/Chiemgau Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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