Meinungen um Rathaus gehen auseinander

Bernau - Nach wie vor auf keinen gemeinsamen Nenner kommen die Bürger in der Debatte über den Standort für ein neues Rathaus. Auch eine Podiumsdiskussion half nicht weiter.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die Ortsentwicklung, die die Chiemgau-Zeitung am Mittwoch im Gasthof "Kampenwand" veranstaltete, schieden sich die Geister an den drei Möglichkeiten, die Gemeindeverwaltung in den Bereichen an der Chiemsee-, Aschauer- oder Rottauer Straße anzusiedeln. Auf dem Podium saßen die Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat und Bürgermeister Klaus Daiber. Die Diskussion moderierte Dirk Breitfuß von der Chiemgau-Zeitung.

In der seit vielen Jahren geführten Auseinandersetzung um den besten Standort trifft der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung eine richtungsweisende Entscheidung: Am Donnerstag, 14. Juli, berät das Gremium die Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Chiemseestraße - und zwar dem Vernehmen nach in der Absicht, dort dann auch das Rathaus zu errichten. Im Falle einer Einleitung des Verfahrens geht die "Tendenz" laut Daiber dahin, "einen Standort in diesem Bereich zu suchen".

In einer Klausur im Mai hatte der Gemeinderat Fragen der Ortsentwicklung beraten. Unter anderem setzte er auch Arbeitsgruppen ein, die vor kurzem bereits Ergebnisse präsentierten (wir berichteten). Am Mittwochabend erhielten nun die Bürger die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzuklinken.

Den rund 100 Gästen im Gasthof "Kampenwand" erläuterte zunächst einmal Martin Straßer von der Planungsgruppe "Straßer + Partner" in Traunstein die Ergebnisse der Klausurtagung (ein eigener Bericht folgt). Dann bezogen die Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat Stellung (siehe untenstehenden Artikel).

In der Diskussion meldeten sich zahlreiche Bürger zu Wort. Viele von ihnen wiederholten ihre Meinungen, die sie schon im Rahmen der Bürgerversammlung im Februar über den Neubau des Rathauses geäußert hatten.

Allgemeinarzt Dr. Rupert Althaus, der eine Praxis im neuen Ärztehaus an der Einmündung der Kastanienallee in die Chiemseestraße betreibt, sprach sich für eine Aufwertung der Chiemseestraße aus. "Wir brauchen eine Einkaufsstraße." Nach dem Bau des Ärztehauses müsse man den eingeschlagenen Weg einer Belebung fortsetzen.

"Wir brauchen uns nicht wundern"

Zahnarzt Michael Schwarz - er hat seine Praxis an der Chiemseestraße - sagte, dass in diesem Bereich vor Jahr und Tag schon einmal viel Leben geherrscht habe. Dann aber habe man zugelassen, dass in Bernau Aldi und andere Lebensmittelkonzerne große Märkte bauen und beziehen - mit der Folge, dass dann die kleinen Geschäfte an der Chiemseestraße hätten schließen müssen. "Wir brauchen uns nicht wundern, dass wir kein Zentrum haben", sagte der Zahnarzt. Er forderte eine Umkehr: "Wir müssen im Ort wieder näher zusammenrücken. Wir müssen den Ort mit unseren täglichen Gewohnheiten gestalten" - was in seiner Lesart heißt, "hier einzukaufen und zum Doktor zu gehen".

Peter Kasperczyk kritisierte die Informationspolitik der Gemeinde als "halbherzig". Weder über die Größe noch über die Kosten des Rathauses habe der Bürger bislang klare Aussagen erhalten. Daiber antwortete ihm: "Wir gehen davon aus, dass wir zirka 850 bis 1000 Quadratmeter Fläche brauchen." Die Kosten eines neues Rathauses an der Chiemseestraße schätzte der Bürgermeister insgesamt auf 3,2 bis 3,5 Millionen Euro. Wenn das Vorhaben nicht "unten", sondern "oben" - also an der Aschauer Straße - verwirklicht werde, dann liegen die Ausgaben "nicht weit weg".

"Wir brauchen eine positive Entwicklung in der Chiemseestraße", sagte Norbert Klauck, der Vorsitzende des Gewerbevereines in Bernau. Wenn das Rathaus dort gebaut und das Umfeld gestaltet werde, dann ergebe sich ein "Impuls". Peter Leitner meinte, dass ein Rathaus allein nicht zu einer Belebung führe. Vielmehr müsse man versuchen, in diesem Bereich vor allem auch "touristisch etwas auf die Beine zu stellen". So regte er an, einen kleinen Pavillon im Kurpark zu schaffen und die Tourist-Info dann vom Haus des Gastes dorthin zu verlagern.

"Riesengroßes Potenzial"

Apothekerin Heidi Jungbeck hat das Ärztehaus an der Chiemseestraße gebaut. Der Boden in diesem Bereich sei zwar schlecht, "aber alles ist machbar", sagte sie in Anspielung auf die Betonpfeiler im Untergrund, die ihrem Gebäude Halt geben. Und Jungbeck weiter: "Die Kosten sind kalkulierbar." Das Ärztehaus sei bislang "keinen einzigen Millimeter gesunken", trat sie anderslautenden Gerüchten mit Nachdruck entgegen. Bernau habe ein "riesengroßes Potenzial" - gerade in der Chiemseestraße. Der Bau eines Rathauses wäre eine "Initialzündung" für eine weitere Entwicklung.

Wolfgang Schnaiter sprach sich dafür aus, einen "Kulturpunkt" auf dem "Schuhmann-Grundstück" an der Chiemseestraße zu schaffen - mit der Folge, dass dann aber dort ein Rathaus keinen Platz mehr hätte. Im Kurpark fehlen seinen Angaben zufolge nicht nur öffentliche Toiletten. Vor allem platze der Musikpavillon aus allen Nähten.

Als "sehr unfair" bezeichnete Ex-Gemeinderat Herbert Hartl die Informationspolitik. "Wir haben drei Standorte für ein Rathaus", so Hartl. Aber nur einer - und zwar der an der Chiemseestraße - werde betrachtet, während die anderen beiden "unter den Tisch gekehrt werden". Wenn das künftige Rathaus an der Aschauer Straße angesiedelt werde, dann "kommt man mit zwei Millionen Euro zurecht".

Sepp Seiser sprach sich für ein Rathaus an der Rottauer Straße aus. Schließlich müsse man auch an das "Oberdorf" denken - nicht, dass man im Falle eines Neubaus an der Chiemseestraße eines Tages sagen müsse, "heroben tut sich gar nix mehr".

Albert Osterhammer, der Dirigent der Blaskapelle, regte an, den Bürger den Standort für das Rathaus festlegen und einen der drei möglichen Bereiche auswählen zu lassen. Einer "informativen Abstimmung", wie sie Osterhammer vorschlug, konnte der Bürgermeister jedoch nicht viel abgewinnen. In diesem Falle laufe die Gemeinde Gefahr, ein Ergebnis zu bekommen, das "nicht repräsentativ ist".

pü/Chiemgau-Zeitung

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