Meteoritenwanderweg eingeweiht

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Diplom-Geologe Andreas Neumair vom CIRT-Team, Bürgermeister Georg Schützinger und stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser (von links) betrachten die Informationstafeln rund um den Tüttensee. Foto keil

Grabenstätt - Als einen "hervorragenden Lehrpfad, gerade auch im Hinblick auf die Heimatkunde", bezeichnete Kreisheimatpfleger Christian Soika den offiziell eröffneten Meteoritenwanderweg am Tüttensee.

Organisator des Wanderweges und der Beschilderung ist das Chiemgau-Impakt-Research-Team (CIRT). Zahlreiche Interessierte waren am Strandbad zugegen als Vizelandrat und CIRT-Vorsitzender Sepp Konhäuser, Grabenstätts Bürgermeister Georg Schützinger und sein Vachendorfer Amtskollege Rainer Schroll zur Schere griffen, um symbolisch das obligatorische Band zu durchtrennen. Die Ausarbeitung und Gestaltung der Tafeln übernahm Professor Kord Ernstson aus Würzburg.

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Nach den Worten von Hans-Peter Matheisl von CIRT beschreibt dieser in Deutschland neben dem "Steinheimer Geologischen Wanderweg" einzigartige Lehr- und Wanderweg auf insgesamt acht zweisprachigen Tafeln mit zahlreichen Illustrationen den Prozess, der bei einem Meteoriteneinschlag abläuft und vermittelt somit auch für den Laien leicht verständlich die mögliche Entstehung des Tüttensee-Kraters.

Die aufgestellten Tafeln, die nicht in der Folge der Nummerierungen erwandert werden müssen, schildern unter anderem die andauernde Auseinandersetzung über die Entstehung des Tüttensees mit der alten Ansicht der Geografen und Geologen zur Toteissenke und dem neuen Modell des Meteoritenkraters. Gezeigt werden auch die ganz besonderen Gesteine des Tüttensee-Areals, die nach Meinung des CIRT-Teams beim Einschlag entstanden sind.

Deshalb vergleicht CIRT das Chiemgau-Impaktstreufeld auch mit anderen Meteoritenkrater-Streufeldern auf der Erde sowie mit den Besonderheiten des Ringwalls des Tüttenseekraters auf Schildern entlang des Tüttensee-Rundwanderweges. Auf einem Poster bei der Seewirtschaft fasst das CIRT-Team nochmals seine These von einem einmaligen Naturereignis und seinen Besonderheiten zusammen.

Während der Chiemgau-Impakt weltweit Annerkennung finde, gebe es immer wieder "Seitenschläge" von deutschen Experten, erklärte Konhäuser den Besuchern. Dabei würden auch wissenschaftliche Arbeiten internationaler Experten in Frage gestellt. So zitierten CIRT-Gegner aus einer Arbeit von Josef Gareis aus dem Jahr 1978 derart aus dem Zusammenhang gerissen, dass der Eindruck entstehe, der Autor habe schon damals die Toteistheorie bestätigt, dabei sei gerade in Bezug auf den Tüttensee das Gegenteil der Fall, meinte Matheisl. Diplom-Geologe Andreas Neumair vom CIRT-Team ergänzte, er habe die Arbeit von Gareis ausgewertet und sei dabei auf folgende Kernaussagen gestoßen. In seiner Arbeit beschreibe der Autor die vorhandene Struktur demnach so: "Es entstand in Form einer acht die doppelte Tüttensee-Ringterrasse. Innerer Aufbau und Form der Terrasse, vor allem der Kartenverlauf, sprechen gegen eine Entstehung durch glaziale (eiszeitliche) oder fluvioglazale, also beispielsweise auf Schmelzwasserflüsse zurückzuführende Prozesse. Die Hohlform des Tüttensees ist umgeben von einem 50 Meter breiten Wall mit vollkommen ebener Krone." Zum Wall selbst schreibt Gareis: "Gegen eine Ablagerung von Moränen spricht das Substrat, das am inneren Hang des Walles erschlossen ist." In der Fußnote finde sich der bemerkenswerte Satz "Der Böschungswinkel von stellenweise über 60 Grad verbietet die glaziale (eiszeitliche) Genese". Dieses Beispiel solle eigentlich nur die Arbeitsweise "unserer" Kritiker aufzeigen, meinten Neumair, Konhäuser und Matheisl übereinstimmend, ebenso wie die einzige Bohrung des Landesamtes für Umwelt, die ohne detaillierte Informationen einfach an einer x-beliebiger Stelle gesetzt worden und deren Ergebnis dann gleich an die überregionale Presse gegangen sei, beschwerte sich Matheisl.

"So wird uns mit reiner Polemik die Erforschung dieses Phänomens auf alle Fälle erschwert und der neutrale Interessierte wissentlich mit falscher Information versorgt", meinte Matheisl verärgert: "Die Kritiker wollen gar nichts sehen, egal wie viele Beweise wir erbringen."

Abschließend gab Konhäuser noch bekannt, dass in Kürze auch in Vachendorf und Chieming Vitrinen mit Funden aufgestellt würden. Zugleich erinnerte er an das Museum in der Grabenstätter Schlossökonomie, das immer mehr Zuspruch finde.

kem/Chiemgau-Zeitung

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