448 Meter Ufermauern fehlen noch

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Die Balken zeigen den jeweils höchsten Pegelstand der Prien pro Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1901 bis in dieses Jahr. 2002 (rot markiert) war in dieser Zeit das zweitstärkste Hochwasser nach 1924. Dahinter folgen die Jahre 1940, 1954, 1977 und 1981.

Prien - Am 12. August 2002 erlebte Prien ein Hochwasser nie gekannten Ausmaßes. Jetzt soll der Hochwasserschutz weiter verbessert werden.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Marktgemeinde wurde Katastrophenalarm ausgelöst. 650 Feuerwehrleute kämpften gegen die Wassermassen. Die Schäden gingen trotzdem in die Millionen. In den Folgejahren wurden Mauern erhöht und Wälle gebaut. Seit einigen Jahren aber ist es ruhig geworden um den Hochwasserschutz.

Nicht nur Feuerwehrmänner, auch Anwohner in Westernach werden am zehnten Jahrestag in zwei Monaten mit Schrecken an den 12. August 2002 zurückdenken. Sie traf es damals besonders hart, viele Häuser liefen voll. Die Prien, gerade mal etwas mehr als 30 Kilometer lang, hatte nachhaltig gezeigt, warum sie beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim in der Kategorie Wildbach eingestuft ist.

Die Behörde hat im Zusammenspiel mit der Kommune in den Jahren nach der Kastastrophe einiges getan, um den Schutz ihrer Bürger vor Hochwassern zu verbessern. Ausgangspunkt aller Baumaßnahmen war das sogenannte HQ 100, also eine Flut, wie sie statistisch gesehen nur alle 100 Jahre in diesem Ausmaß vorkommt. Dann würden 175 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Ort rauschen, 2002 waren es sogar etwas weniger. Das schwerste Hochwasser seit Beginn der Aufzeichnungen 1901 traf den Ort 1924.

In den 1930er-Jahren entstanden in der Folge viele der heutigen Schutzmauern. Inzwischen sind sie an vielen Stellen marode und zu niedrig. Drei Abschnitte wurden seit 2002 erneuert und aufgestockt: 66 Meter an der Griesbrücke, 188 Meter im Zuge des Neubaus von drei Wohnblöcken nahe des Friedhofs und schließlich 110 Meter nahe der Prienbrücke an der Ortseinfahrt flussaufwärts - allesamt auf der Ostseite des Wildbachs. Sie sind so konstruiert, dass bei einem 100-jährlichen Hochwasser noch etwa ein Meter Spielraum bis zur Oberkante der Mauern bliebe.

Auch mit anderen Mitteln und an anderen Stellen versucht das Wasserwirtschaftsamt, die Prien in Zaum beziehungsweise in ihrem Bett zu halten. Im Eichental wurde auf einer Länge von 300 Metern ein Wall aufgeschüttet, der verhindern soll, dass die Fluten von dort in den Ort fließen. In Westernach wurden Deiche auf einer Länge von 260 Metern instand gesetzt und erhöht, in Neugarten geschah das gleiche auf einer Länge von 300 Metern. Diese Wälle sind so hoch, dass sie bei einem 100-jährlichen Hochwasser gerade ausreichen, damit die Prien nicht über ihre Ufer tritt. Schließlich wurde 2008 noch der Friedhofsteg erneuert. Die heutige Fußgängerbrücke ist höher als der Vorgänger.

Neuralgischer Bereich ist bis heute die eng bebaute Ortsmitte. Bei einem 100-jährlichen Hochwasser würde die Prien an zwei Stellen über die Ufer treten, erläuterte Klaus Schmalzl vom WWA im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: hinter dem Alten Rathaus auf der Ost- und schräg gegenüber an der Straße "An der Prien" auf der Westseite des Wildbachs. Der zuständige Projektleiter bei der Rosenheimer Behörde hat für die Sanierung und Erhöhung der Ufermauern im Ortskern fertige Entwurfspläne in der Schublade.

204 Meter Mauer von der Prienbrücke bis zum Anschluss an die bereits erhöhte Mauer hinter der Marien-Apotheke und weiter hinter der Griesbrücke bis zur ebenfalls neuen Mauern nahe des Friedhofs sowie 244 Meter auf der anderen Prienseite bis hinter die Brücke ins Gries sind auf dem Papier fertig. Nach heutigem Stand schätzt Schmalzl die Gesamtkosten - ohne Grundstückserwerb - auf 2,9 Millionen Euro.

Schon bei den bisherigen Mauersanierungen und -erhöhungen war es so, dass das WWA, also der Freistaat, die finanziellen Lasten der Instandsetzung der maroden Schutzmauern trug, die Kommune die Aufstockung als "Verbesserung des Hochwasserschutzes". Dies wäre auch bei den beiden ausstehenden Uferabschnitten so, weshalb den Markt Prien Schmalzl zufolge der weitaus geringere Anteil der Kosten träfe. Die Kommune müsste allerdings signalisieren, dass sie weiter in den Hochwasserschutz investieren will, damit das WWA seinerseits entsprechende Mittel in seinen Jahresetat einplanen kann.

Die Arbeiten selbst wären kein einfaches Unterfangen. Wie schon in Friedhofsnähe würden Bohrpfähle zur Stabilisierung der alten Mauern ins Flussbett getrieben und eine neue innen drauf gesetzt. Dabei müsste mit dem Platz sparsam umgegangen werden, denn jede Verengung des Prienbetts bedingt einen entsprechend höheren Wasserstand. Nach Schmalzls Plänen würde das Prienbett nur etwa 30 Zentimeter enger, was bei einer Gesamtbreite von weit über zehn Metern nicht wesentlich ins Gewicht fällt.

Bestandteil des Gesamtplans ist auch noch ein sogenannter Wildholzrechen, eine Konstruktion aus wuchtigen Stahlpfählen, die ins Flussbett gerammt werden und verhindern, dass Baumstämme bis in den Ort mitgerissen werden und die Brücken treffen. Das war 2002 ein kritischer Punkt. Bäume prallten an die Pfeiler der Brücke am Alten Rathaus und mussten von einem Bagger geborgen werden.

Standort für einen Wildholzrechen sollte Schmalzls Plänen zufolge im Eichental etwa 100 Meter flussaufwärts der steilen, alten Treppe des früheren Trimmpfades sein, weil dort die benachbarte Wiese als sogenannter Retentionsraum genutzt werden könnte. Bisher scheitert das am fehlenden Grund. Hier sei die Kommune gefragt, zu verhandeln, sagte der WWA-Mitarbeiter.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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