Freiwillig zehn Cent mehr pro Liter Milch

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Die Unterzeichnung der freiwilligen Selbstverpflichtung

Chieming - Gastronom Heinz Wallner vom „ Gasthof zur Post-Oberwirt “ in Chieming zahlt freiwillig zehn Cent mehr pro Liter Milch an die Milchbauern in Chieming

Bei einem Pressegespräch mit Unterzeichnung der Vereinbarung stellten Wallner und der Geschäftsführer von den Milchwerken Berchtesgadener Land, Bernhard Pointner, das Projekt vor in der Hoffnung, viele Nachahmer in der heimischen Gastronomie zu finden. Es werde nichts heißer diskutiert als der Milchpreis und die dramatische Situation der Milchbauer, sagte Wallner. Er suchte das Gespräch mit Politikern und Milchbauern und bekam so einen genaueren Einblick, wie es um die Milchbauern steht. Er selbst halte nichts davon, wenn Politiker aus der Region bunte Plastikkühe nach Brüssel bringen. Die Bauern seien der älteste Berufsstand in der Region und sie seien nach wie vor zur Versorgung und somit zum Erhalt der Menschheit unerlässlich.

Im Verlauf des Gesprächs mit den Milchbauern wurde er, wie er sagte, in seiner Ansicht bestärkt, dass der Einzelne sehr wohl etwas bewirken könne. Der Gastronom hat dann die Molkereien aufgefordert, eine Möglichkeit zu erarbeiten, dass es mit ihm Preisverhandlungen nach oben geben kann, mit dem Ziel, den Mehrerlös direkt an die Chieminger Milchbauern auszuzahlen.

Zuerst für Irritation gesorgt

Pointner räumte ein, zunächst irritiert gewesen zu sein, als der Außendienstmitarbeiter zu ihm kam und sagte, er habe da einen Wirt am Chiemsee, der für die Milchprodukte mehr bezahlen wolle. In der kurzen Vorbereitungszeit von wenigen Tagen konnten noch keine absolute Abrechnungsmodalitäten erarbeitet werden, wie allen Chieminger Milchbauern dieser Mehrerlös zu gute kommen kann, führte Pointner aus. Doch daran werde gearbeitet, um dies auch steuerrechtlich abzusichern.

Die Milchwerke in Piding verarbeiteten 216 Millionen Kilogramm Milch zu Premiumprodukten und da sei Verbraucheraufklärung ein äußerst wichtiger Bereich, um das Bewusstsein der Verbraucher zu wecken, sagte Pointner. Im weiteren Verlauf der Diskussion meinte MdL Klaus Steiner, dass es bei der freiwilligen Selbstverpflichtung um eine konkrete Maßnahme gehe, die aus Gesprächen mit Betroffenen resultiere. Die Milchabsatzsteigerung brauche viele kleine Mosaiksteinchen. Mit dieser Aktion werde die Situation der Landwirtschaft ins Bewusstsein der Verbraucher gebracht. Insgesamt sei die Milchmengensituation verheerend, könne aber nur über eine EU-weite Abstimmung geändert werden.

Aktionismus mit „Kuh Veronika“ abgelehnt

Da helfe es nicht, wenn erst jetzt aus Aktionismus die „Kuh Veronika“ für faire Milchpreise von heimischen Politikern nach Brüssel gefahren werde und sie vorher Maßnahmen zur Entlastung der Landwirtschaft ablehnten, meinte der VSU-Kreisvorsitzende aus Übersee. Der Kreisvorsitzende vom Bund Deutscher Milchviehhalter Berchtesgadener Land , Georg Mayer, meinte, dass diese Absatzförderung durchaus zu begrüßen sei.

Doch könne die Situation am Milchmarkt nur durch eine effektive Mengenbegrenzung verbessert werden. Leider sei es mit vielen Berufskollegen so wie mit vielen Verbrauchern, die ihre Forderungen nicht in die Tat umsetzten. Die Verbraucher sagten, sie seien bereit, für heimische Produkte mehr zu bezahlen und vor dem Regal entschieden sie sich dann doch für Billigprodukte. Und von den Berufskollegen werde die Milchmengenbegrenzung gefordert und trotzdem jede Möglichkeit der Produktion genutzt. Hier sei die Politik gefordert, um dies abzuändern, so Mayer abschließend. mp

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