"Mir san ned aus Zucker"

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Vier von sechs Damen, die bei der Priener Polizeiinspektion Dienst tun: Yvonne Dinkel, Daniela Pohl, Nicole Wanner und Sandra Wilhelm (von links).

Prien - Vor genau 20 Jahren wurde die bayerische Polizei weiblich. Auch Frauen durften ab diesem Zeitpunkt die grüne Uniform tragen.

Es dauerte zehn Jahre, bis auch in der Priener Inspektion (PI) die erste Polizistin ihren Dienst antrat. Inzwischen gehört ein halbes Dutzend Frauen zur Truppe. Für sie wie wohl auch für die allermeisten Bürger gehören feminine Ordnungshüter inzwischen längst zur Normalität.

Yvonne Dinkel denkt lange nach. Und trotzdem fällt ihr kein Vorfall ein, bei dem sie benachteiligt gewesen oder gar in Gefahr geraten wäre, weil sie eine Frau ist. Die Hauptkommissarin war vor zehn Jahren die erste weibliche Beamtin in der Priener Inspektion. Inzwischen zur Dienstgruppenleiterin aufgestiegen, war ihr der Beruf wohl in die Wiege gelegt worden.

Auch der Vater von Daniela Pohl war Polizist. Die Hauptmeisterin räumt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung mit falschen Vorstellungen auf. Die Verbrecherjagd im Fernsehen hat mit der Wirklichkeit fast nichts zu tun. Serien wie "Großstadtrevier" und "Notruf Hafenkante" kämen der Realität noch am nächsten. Ein Großteil der Arbeit müsse am Schreibtisch erledigt werden. Draußen, im Einsatz, könne es Vor -und Nachteile haben, Frau zu sein. "Manchmal können wir die Leute einbremsen. Sie trauen sich nicht so, aggressiv zu werden", erzählt Pohl und ihre Kolleginnen nicken bestätigend.

Was nicht heißt, dass die Priener Polizistinnen Konflikte nur diplomatisch oder psychologisch lösen. "Wir können auch hinlangen, wenn es sein muss", verrät Dinkel lächelnd. Und Pohl fügt hinzu: "Mir san ned aus Zucker und teilen ganz gut aus, wenn es sein muss."

Zwar sind die Frauen in der über 40-köpfigen Truppe von PI-Chef Rudi Kick in der Unterzahl, fühlen sich aber im Kollegenkreis voll akzeptiert und empfinden den Dienst in Uniform als normal und selbstverständlich. "Wir haben morgens das gleiche Gefühl wie andere, die sich in einem Supermarkt an die Kasse setzen", beschreibt es Sandra Wilhelm.

Gleichwohl ist ihnen bewusst, dass ihr Beruf im Freundeskreis immer noch polarisiert, hat Nicole Wanner festgestellt - und zwar "in beide Richtungen". Aber viel öfter wecke er Interesse und Neugier statt Unverständnis, hat die Obermeisterin erfahren.

Wie Pohl weiß sie als Mutter eines Kindes die Vorteile zu schätzen, vor allem Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Im Bekanntenkreis seien Beruf und Familie oft viel schwerer unter einen Hut zu bekommen, weiß Wanner, die in der Privatwirtschaft gearbeitet hat, bevor sie sich umorientierte. Polizistin zu sein erfüllt sie mehr als reine Schreibtischarbeit. "Kein Tag ist gleich, man erlebt immer was Anderes."

Und Wilhelm sieht den Job als Spiegelbild des wahren Lebens, der auch viele witzige Momente bescheren kann, zum Beispiel "wenn einer sein Auto nicht mehr findet, weil er vergessen hat, wo er es geparkt hat", lacht Pohl.

Ihren Beruf finden die Priener Polizistinnen unisono nicht gefährlicher als andere Jobs, obwohl er belastender sein kann, zum Beispiel Einsätze bei schweren Verkehrsunfällen. "Mitfühlen ist gut, mitleiden darf man nicht", beschreibt Wilhelm den Umgang mit Extremsituationen.

Aber bei den allermeisten Gelegenheiten geht es ihnen nicht anders als ihren männlichen Kollegen. "Die Leute können nichts mehr untereinander klären. Die Verantwortung wird abgegeben", bedauert Pohl. Oft denken sich die Priener Polizistinnen, wenn sie zum Beispiel versuchen, nachbarschaftliche Streitereien zu schlichten: "Habt ihr keine anderen Sorgen?"

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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