Von der Haupt- zur Mittelschule

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Prien - Aus Bayerns Haupt- sollen Mittelschulen werden. Im Landkreis Rosenheim erfüllen bisher nur zwei Hauptschulen die Voraussetzungen.

Lesen Sie hier den Bericht aus der Chiemgau-Zeitung:

Modell schon umgesetzt

Aus Bayerns Haupt- sollen Mittelschulen werden. Mit dieser Reform will die Politik die Schüler besser und differenzierter aufs Berufsleben vorbereiten. Im Landkreis Rosenheim erfüllen bisher nur zwei Hauptschulen die Voraussetzungen und sollen deshalb ab September die Modellschulen geben: die größte in Kolbermoor und die Franziska-Hager-Hauptschule in Prien.

Prien - Während sich andernorts im Landkreis zwei oder mehr kleinere Hauptschulen zu Verbünden zusammenfinden müssen, um alle politisch geforderten Angebote gemeinsam darstellen zu können, kommt der Franziska-Hager-Schule der Umstand zugute, dass hinter ihr bereits seit langem ein Schulverband aus mehreren Kommunen steht: Prien, Bernau, Aschau, Frasdorf, Rimsting, Breitbrunn, Gstadt, Chiemsee und Eggstätt.

Ein Vorteil dieser Zusammenarbeit ist es, dass die Schülerzahlen im Gegensatz zu anderen Hauptschulstandorten relativ stabil sind. So kamen die Schließungen der Teilhauptschulen (fünfte und sechste Jahrgangsstufe) in Aschau, Bernau und Eggstätt in jüngerer Vergangenheit dem Standort Prien zugute. 477 Mädchen und Buben gehen derzeit in der Marktgemeinde in die Hauptschule. In fünf Jahren werden es nach Berechnungen des Schulamts auf der Grundlage der Geburtenzahlen noch 414 sein und damit immer noch genug, um den Standort zu sichern.

Diese Zahlen nannte Schulrat Michael Herzig jetzt im kleinen Kursaal. Alle Gemeinderäte aus dem Schulsprengel waren zu seinem Referat über die Mittelschule eingeladen. Die Stuhlreihen waren übersichtlich besetzt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Kommunalpolitiker wissen, dass in Prien die Weichen ohnehin schon gestellt sind. Herzig sprach von einer "komfortablen Situation", weil alle Merkmale der Mittelschule "schon nahezu perfekt erfüllt sind".

Die Kommunalparlamente müssen zwar jetzt per Beschluss ihren Willen zur Umwandlung in eine Mittelschule bekunden. Das dürfte aber lediglich eine Formalie sein. Der Priener Marktgemeinderat hat sie in seiner jüngsten Sitzung bereits einstimmig erledigt.

Die Politik fordert von künftigen Mittelschulen im Wesentlichen dreierlei: Mittlere-Reife-(M-)Züge, Ganztagsangebote und berufsorientierte Zweige. Alle drei Bedingungen erfüllt die Franziska-Hager-Schule bereits. Die mittlere Reife kann seit Jahren erworben werden, entsprechende M-Klassen gibt es durchgängig von der siebten bis zur zehnten Jahrgangsstufe.

Ab dem nächsten Schuljahr wird es auch schon in der fünften Klasse eine so genannte gebundene, also verpflichtende Ganztagsklasse geben, bestätigte Rektor Hans-Joachim Reuter auf Anfrage. 2007 war dieses Angebot ab der sechsten Klasse geschaffen worden und jedes Schuljahr um eine Jahrgangsstufe erweitert worden. Für diese Ganztagsklassen können nur jeweils gut 20 Kinder berücksichtigt werden.

Neben diesem relativ neuen, verpflichtenden, gibt es in Prien seit langer Zeit auch ein freiwilliges Ganztagsangebot mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung.

Der dritte wesentliche Baustein der Mittelschule ist die weitere Spezialisierung der Kinder, je nach Begabung, auf die Bereiche Technik, Wirtschaft und Soziales. In der siebten Klasse bekommen die Schüler Unterricht in allen drei Fachgebieten, ab der achten Klasse müssen sie sich für eines entscheiden, das sie dann vier Wochenstunden haben.

Herzig ging in seinem Vortrag auch auf die so genannte modulare Förderung als Bestandteil des Mittelschulkonzepts ein. Gemeint ist die Vertiefung des Stoffs der Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe in kleinen Lerngruppen. In Deutsch und Mathe wird dies Reuter zufolge in Prien bereits praktiziert.

Mit der Mittelschule wird neben normalem und qualifizierendem Hauptschulabschluss sowie der mittleren Reife ein vierter, "theorieentlastender" Abschluss angeboten. Er ist für die Schüler der Praxisklasse gedacht, die in der Marktgemeinde seit über zehn Jahren mit beachtlichem Erfolg angeboten wird.

Schulsozialarbeit und berufsvorbereitende Praktika, die eventuell noch erweitert werden sollen, komplettieren die Anforderung an eine Mittelschule, die in Prien bereits erfüllt sind.

Bei aller Freude über die nahezu perfekten Voraussetzungen ist Reuter wie auch Bürgermeister Jürgen Seifert klar, dass das örtliche Raumangebot in der Hagerschule mit Blick auf die zahlreichen Spezialangebote äußerst knapp bemessen ist.

Von Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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