"Mückengipfel" trägt Früchte

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Die Menschen am Chiemsee wünsch sich Entlastung von der Mückenplage.

Grabenstätt - Das Wundermittel im Kampf gegen die Mücken heißt „Bti“. Jetzt soll eine Neuregelung für das Versprüchen des Mittels gefunden werden.

Nach wochenlangen Protesten angesichts der extremen Mückenplage in Grabenstätt und Übersee hatte ein führender Vertreter des bayerischen Umweltministeriums Ende Juli bei einem "Mückengipfel" an der Hirschauer Bucht Zugeständnisse gemacht (wir berichteten). Für die Zukunft soll eine Neuregelung der Bti-Bekämpfung gefunden werden.

Grabenstätts Bürgermeister Georg Schützinger zeigte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung optimistisch, dass für die Zukunft bessere Bekämpfungsmöglichkeiten genehmigt werden. Er erläuterte den Räten das Ergebnis der Besprechung in der Hirschauer Bucht - an einer Stelle, wo besonders viele Stanzen zustechen. Den "Mückengipfel" hatte CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Steiner initiiert. Neben ihm, Schützinger, und dessen überseer Amtskollegen Marc Nitschke hatten Vertreter des Umweltministeriums, der Regierung von Oberbayern, des Gesundheitsamtes Traunstein sowie des Abwasser- und Umweltverbandes (AZV) Chiemsee teilgenommen.

Der AZV hatte heuer für über 90000 Euro einen Bti-Einsatz durchgeführt. Das Mittel tötet die Mückenlarven in den überschwemmungsgebieten ab. Im Naturschutzgebiet am Mündungsdelta der Tiroler Ache zwischen Grabenstätt und übersee darf aber bisher kein Bti eingesetzt werden. Deshalb hatten die Plagegeister dort Einheimischen und Urlaubern so zugesetzt wie noch nie. Die betroffenen Kommunen hatten sich in der Vergangenheit wiederholt um eine Verbesserung der Bekämpfungsmöglichkeiten bemüht. Grabenstätt hatte sogar eine Petition im Landtag eingereicht. Bisher waren aber alle Vorstöße erfolglos geblieben.

Im Juni und Juli hatte sich die Lage dann zugespitzt. In Grabenstätt schrieben alle Schulkinder Briefe an Umweltminister Markus Söder mit toten Stanzen als "Beilage". Neue Unterschriftensammlungen liefen an.

Dr. Franz Heigenhauser, Leiter des Gesundheitsamtes, hatte in der Hirschauer Bucht berichtet, dass sich heuer fünfmal so viele Menschen wegen Insektenstichen in ärztliche Behandlung begeben mussten als in den Vorjahren. Auch die Zahl allergischer Reaktionen sei gestiegen .

Ministerialdirektor Wolfgang Lazik vom Umweltministerium sagte schließlich zu, dass heuer ein zweites Mal Bti ausgebracht werden dürfte, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Das sind ein bestimmter Pegelstand des Chiemsees und eine Mindestanzahl von Mückenlarven in Wasserproben. Bei dieser Bti-Aktion hätte das Mittel erstmals auch im Bereich zwischen dem Ort Grabenstätt und der dortigen Ortsumgehung ausgebracht werden dürfen.

Die Mückenplage sei heuer auch andernorts aufgrund der Witterungssituation extrem ausgefallen, berichtete Ministerialrat Franz Bichlmeier vom Umweltministerium. Seiner Einschätzung nach könne es sinnvoll sein, aus den bisherigen Erfahrungen ein langfristiges Konzept für die Zukunft zu entwickeln.

Der Grundstein dafür könnte bei einem Gespräch mit Umweltminister Söder gelegt werden, dass Schützinger zufolge im Herbst stattfinden soll. Das Verständnis der Bürger sei angesichts der Belastung und der massiv eingeschränkten Lebensqualität am Boden. Wenn Politiker, zuständige Stellen und Behörden nicht bald auch nach außen erkennbare, wirksame Schritte unternehmen, gebe es einen "Volksaufstand", hatten auch Nitsche und Tourismusvereinsvorstand Peter Stöger für ihre Gemeinde übersee beim Treffen in der Hirschauer Bucht unterstrichen.

Schützinger zeigte sich nun optimistisch, dass das Gespräch mit Söder positiv verlaufen wird und ein erneuter Antrag zur Ausbringung von Bti für die Zukunft Aussicht auf Erfolg hat.

Die Unterschriftenaktion des Verkehrsvereins Grabenstätt läuft noch bis Mitte September. Listen liegen in den Geschäften auf.

kem/db/Chiemgau-Zeitung

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