Mückenplage: Durchbruch erzielt

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Franz Bichlmaier (Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit), Lorenz Sanktjohanser und Dr. Franz Heigenhauser (beide vom Gesundheitsamt Traunstein), Bürgermeister Georg Schützinger aus Grabenstätt, Ministerialdirektor Wolfgang Lazik (Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit), MdL Klaus Steiner, Thomas Weimann (Abwasser- und Umweltverband Chiemsee), Bürgermeister Marc Nitschke aus Übersee und Altbürgermeister Peter Stöger aus Übersee (v.l.)

Chiemsee - Die von Mücken geplagten und zerstochenen Bürger am Chiemsee dürfen auf Erleichterungen hoffen: Gegen die Larven darf erneut Bti eingesetzt werden, in Grabenstätt erstmals auch an der Staatsstraße.

Im Rahmen eines Ortstermines in der Hirschauer Bucht hat Ministerialdirektor Wolfgang Lazik vom bayerischen Umweltministerium am Dienstag zugesagt, dass der Abwasser- und Umweltverband (AZV) Chiemsee in diesem Jahr ein zweites Mal in den Kommunen am Bayerischen Meer Bti ("Bacillus thuringiensis israelensis") gegen die Larven einsetzen dürfe. Und vor allem: Erstmals überhaupt dürfe jetzt das Mittel in Grabenstätt auch an der Staatsstraße - in einem Zentrum der Mückenschwärme - ausgebracht werden.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner hatte den Ortstermin angesetzt - an einer Stelle mit besonders vielen Mücken. Hatte er vor dem Gespräch noch nicht gewusst, ob sich das Ministerium zu Zugeständnissen bereit erklärt, so war er dann - wie er gestern gegenüber der Chiemgau-Zeitung sagte - "sehr zufrieden". Steiner sprach von einem "Durchbruch" im Ringen um besseren Schutz für die von Mücken geplagten Bürger.

Der aus Übersee stammende Steiner weiß, welche Tücken und Lücken die bisherige Jagd auf die Stechmücken hat. In einem Schreiben an Staatsminister Dr. Markus Söder hatte er die Situation erläutert. Die Bekämpfung der Plagegeister mit dem Mittel Bti sei aufgrund der extremen Wettersituation in diesem Jahr "völlig unzureichend". Steiner forderte, dass eine mehrmalige Ausbringung von Bti auch auf bestimmten Naturschutzflächen zukünftig möglich sein müsse und dass die Verantwortlichen vor Ort selbst über den Einsatz entscheiden dürfen.

Söder zeigte Verständnis für die Anliegen des Chiemsees und entsandte Wolfgang Lazik, Amtschef des Bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministeriums, zu dem Lokaltermin in die Hirschauer Bucht. Mit ihm kamen die Bürgermeister Georg Schützinger und Marc Nitschke aus Grabenstätt und übersee, Altbürgermeister Peter Stöger aus übersee, Dr. Franz Heigenhauser vom Gesundheitsamt Traunstein sowie weitere Vertreter des Ministeriums, der Regierung von Oberbayern, des Abwasser- und Umweltverbandes Chiemsee und vom Tourismus.

"Die Fälle von ärztlichen Behandlungen, insbesondere bei Kindern nach Stechmückenstichen, haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund das Fünffache erhöht", erklärte Dr. Heigenhauser. Gemäß der Devise "Menschenschutz geht vor Naturschutz" zeigte sich Ministerialdirektor Wolfgang Lazik grundsätzlich einverstanden, in Bezug auf die Ausbringung von Bti Zugeständnisse zu machen. So vereinbarte die Runde mit Vertretern der Fachbehörden und den Betroffenen, dass heuer im Bedarfsfall ein zweites Mal Bti ausgebracht werden darf. Erstmals einbezogen werden darf der Grabenstätter Bereich an der Staatsstraße.

Für 2010 soll es ein neues Bekämpfungskonzept geben. Ein Antrag wird bereits jetzt vorbereitet. Vorgesehen ist, dass auch Teile von Naturschutzflächen nach gründlicher Prüfung und nach Erstellen eines Gutachtens für eine Bti-Aktion in Betracht kommen. Grundlage zukünftiger Maßnahmen soll nicht mehr wie bisher auch der Chiemsee-Pegelstand, sondern nur noch die Anzahl der Larven sein. Schließlich sagte Wolfgang Lazik zu, dass noch im September eine weitere Besprechung mit den betroffenen Gemeinden erfolgen werde.

hö/pü/Chiemgau-Zeiung

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