Musikgenuss zugunsten der Erdbebenopfer

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Prien - Unentgeltlich spielten sechs Solisten des Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks im kleinen Kursaal zugunsten der Erdbebenopfer in Japan.

Und so kamen die Konzertbesucher in einen einzigartigen Kunstgenuss. Das Konzert stand unter der Schirmherrschaft des japanischen Generalkonsuls in München.

Bereits beim Lesen des Programms war der Besucher des Benefizkonzerts nicht nur überrascht, sondern beinahe ehrfürchtig gestimmt. Und dies lag, von den herausragenden Stücken abgesehen, an der Vita der Musiker. Die Liste ihrer Auszeichnungen ist ebenso lang wie die ihrer internationalen Engagements neben Professuren an Musikhochschulen.

So auch der Bratschist Jürgen Weber, der Professor an der Münchner Musikhochschule ist und Meisterkurse in ganz Europa, den USA und Japan gibt. Doch vor gut einem Jahr erkor er Prien als Wohnsitz. Zuvor hatte er mit seiner Frau, Harumi Yoshida-Weber, in Starnberg gelebt. "In Prien gefällt es uns viel besser", sagt die zierliche Japanerin. Und: "Ich habe meinen Mann nicht in meinem Heimatland kennengelern, sondern in Prien." Hier habe sie am damaligen Goethe-Institut Deutsch gelernt. Eine Mitschülerin, die im Orchester des Bayerischen Rundfunks spielte, habe sie mit Jürgen Weber "verbandelt".

Zugunsten der Erdbebenopfer in Japan spielten sechs Solisten des Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks.

Von Harumi Yoshida-Weber stammte auch die Idee zu diesem Benefizkonzert für Erdbebenopfer in Japan. Sie wollte ihren Landsleuten unbedingt helfen. Und ihr Mann erklärte sich dazu bereit, mit einigen seiner Kollegen ohne Gage in Prien zu konzertieren."Die Erdbebenopfer in Japan benötigen noch für lange Zeit Hilfe", sagte Harumi Yoshida-Weber zu den Besuchern. Dies bekräftigte Yoshie Funaki Kobayashi als stellvertretende Generalkonsulin des japanischen Generalkonsulats in München: "Mit vereinter Hilfe werden wir den Weg des Wiederaufbaus beschreiten."

Priens Bürgermeister Jürgen Seifert: "Wir sind heute zusammengekommen, um den Menschen in Japan zu zeigen: ,Ihr seid nicht allein, die ganze Welt ist in Gedanken bei euch'." Der Bürgermeister appellierte an die Besucher, eifrig zu spenden. Er ging auch gleich mit gutem Beispiel voran und übergab Funaki Kobayashi 500 Euro. Diese wird den Gesamterlös aus dem Konzert an das Japanische Rote Kreuz weiterleiten.

Für ihre Spendenbereitschaft wurden die Besucher mit einem Konzert belohnt, das in Prien wohl einmalig war: Spitzenmusiker aus einem Spitzenorchester spielten virtuos Werke berühmter Komponisten.

Im Klavierquartett g-moll Köchelverzeichnis 478 von Wolfgang Amadeus Mozart brillierte Oliver Triendl am Flügel und führte ein eindrucksvolles Zwiegespräch mit Florian Sonnleitner an der Violine, Jürgen Weber an der Bratsche und Hanno Somons am Violoncello. Im nachfolgenden Streichquintett in B-Dur, op. 6 Nr. 1, von Joseph von Eybler kamen Mathias Schessl mit Bratsche und Heinrich Braun am Kontrabass hinzu. In diesem Stück gab die Violine das Thema vor.

Das Sextett D-Dur, op. 110 von Felix Mendelssohn-Barhody ergänzte wiederum der Pianist. Mendelssohn hatte das Sextett im Alter von 15 Jahren komponiert. Gleichwohl es die Züge von jugendlicher Nachahmung anderer Künstler aufweist, waren alle Sätze, vom lebendigen Vivace über das ergreifende Adagio bis zum heiteren, leichtfüßigen Menuett ein einziger Genuss.

Als "gigantisch" bezeichnete Kirchenmusiker Rainer Schütz das Konzert, gleichwohl er der Akustik im kleinen Kursaal und dem ausgedienten Steinway-Flügel schlechte Noten gab. Auch der ehemalige Studiendirektor Friedrich Freyberger vom Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG), der im Orchester von Schütz Cellist ist, zeigte sich überwältigt vom Konzert. Und LTG-Schülerin Anna Fichtl, die bei sämtlichen Schulkonzerten am Klavier glänzt, war stolz darauf, dem Pianisten Oliver Triendl als "Umblätterin" der Noten zur Seite stehen zu dürfen.

Die Zuhörer dankten den Musikern mit minutenlangem Applaus und Bravo-Rufen. Sie waren sich allesamt einig, ein einmalig schönes Konzert erlebt zu haben. Neben der Initiatorin, Haromi Yoshida-Weber, war dieser Genuss der Kulturreferentin der Marktgemeinde, Dr. Claudia Trübsbach, und Marlene Anner von der Priener Tourismus GmbH als Mitorganisatorinnen zu verdanken.

Gertie Falk (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © Berger

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