Forscher bekräftigen ihre These vom Meteoriteneinschlag - Versammlung

Impakt: Neue Erkenntnisse vorgestellt

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In seiner Funktion als stellvertretender Landrat nahm Josef Konhäuser (Zweiter von links) das Chiemgauer Impakt-Gestein "Chiemit" und die dazugehörige Widmungsurkunde von Professor Dr. Dr. Kord Ernstson (links), Dr. Michael Rappenglück (Zweiter von rechts) vom Institut für Interdisziplinäre Studien (INFIS) und der Historikerin Barbara Rappenglück (rechts) entgegen.

Grabenstätt - Die Forscher des Impaktes (Einschlages) sind sicher: Der Tüttensee ist das Ergebnis eines Meteoriteneinschlags vor rund 2500 Jahren.

Mit neuen Forschungen, die sie nun in der Jahreshauptversammlung des Vereins Chiemgau Impakt in Grabenstätt vorstellten, versuchen sie ihre Gegner, die von ihrer Theorie bislang nichts halten, zu überzeugen.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung erhielt der stellvertretende Landrat und Vereinsvorsitzende Josef Konhäuser von Professor Dr. Kord Ernstson, Dr. Michael Rappenglück und der Historikerin Barbara Rappenglück vom Chiemgau Impact Research Team (CIRT) symbolisch ein Exemplar des Impakt-Gesteins "Chiemit", das dem Landkreis per Urkunde gewidmet wurde. Das nach der Fundregion benannte Gestein bestehe aus seltenen Kohlenstoffmodifikationen, die härter als Diamant seien "und unter bis zu 50 Kilobar Druck und Temperaturen von 2500 bis 4000 Grad entstanden sind", versicherten die Forscher. Derartige Drücke und Temperaturen könnten in Südostbayern nur durch einen Meteoriteneinschlag hervorgerufen worden seien.

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Im vergangenen Jahr lag das Hauptaugenmerk der Forscher auf der wissenschaftlichen Auswertung, der Dokumentation, dem Publizieren und der engen Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftlern, unter anderem in Russland, so Archäoastronom Dr. Michael Rappenglück. "Wir waren keineswegs untätig, wir sind nur seltener ins Feld gegangen", fügte seine Frau, die Historikerin Barbara Rappenglück, an. Sie hatte den Chiemgau-Impakt eingangs mit dem griechischen "Mythos von Phaethon" in Verbindung gebracht, demzufolge Phaethon einst "im Keltenland" auf die Erde gestürzt sei. "Die großen Schnittmengen und Übereinstimmungen sind verblüffend", stellte die Historikerin klar und verwies darauf, dass solch ein großes Impakt-Ereignis "auf jeden Fall in ganz Eurasien zu beobachten gewesen war".

Neue wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass auch die um Kienberg zu beobachtenden "Donnerlöcher" in einem engen Zusammenhang mit dem Einschlag eines Kometen oder Asteroiden zur Bronzezeit/Keltenzeit in Südostbayern stehen. "Des Rätsels Lösung sind enorme Kräfte der Druckwellen, der Schockwellen des Chiemgau-Impaktes", sagte der Geophysiker und Geologe Ernstson. Das Phänomen sei vergleichbar mit schwersten Erdbeben, bei denen "der Erdbebenschock lockere, wasserhaltige Gesteine im Untergrund verflüssigt und unter hohem Druck, teilweise explosionsartig nach oben drückt". In Teilen des elliptischen Streufelds des Impaktes, das sich über den Chiemgau und die Inn-Salzach-Region erstrecke, "sind 200 Kilo schwere Gesteinsblöcke bis zu einen Meter in das Lehmmaterial hochgepresst worden". Perforierte Nagelfluhplatten und zertrümmertes Geröll im Lehm seien ebenfalls darauf zurückzuführen, so Ernstson. Die in der Folge durch das Grundwasser ausgeschwemmten Hohlräume lassen die Donnerlöcher laut dem Professor irgendwann einbrechen.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung konnte Kassier Alfred Dufter von einem erfreulichen Kassenstand berichten. Da Kassenprüfer Peter Wöhrl "keinen Grund zur Beanstandung" fand, wurde die Vorstandschaft einstimmig entlastet.

"Wir sind im vergangenen Jahr wieder einen bedeutenden Schritt vorangekommen", freute sich Konhäuser. Vielleicht könne man mit den neuen Erkenntnissen und Argumenten auch jene Wissenschaftler erreichen, die sich auf die Theorie der eiszeitlichen Toteislöcher festgelegt haben und den Meteoriten-Einschlag im Chiemgau strikt verneinen, so Konhäuser.

mmü/Chiemgau-Zeitung

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