Bernau plant neue Ortsmitte

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Bernau - Die Gemeinde Bernau will einen großen Bereich an der Chiemseestraße aufwerten. Ausgangspunkt soll der Rathaus-Bau an der Einmündung der Widholzerstraße werden.

Die Aufwertung erfasst den Bereich der Chiemseestraße, der der weite Teile des alten Sportplatzes und des Kurparkes sowie weitere Flächen miteinschließt.

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Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einige Vorgaben für die beabsichtigte Aufstellung eines Bebauungsplanes erlassen und sich zum Beispiel für weitere Stellplätze auf dem alten Sportplatz ausgesprochen. Was umstritten war: Die Ausfahrt vom Parkplatz auf die Widholzerstraße bleibt bestehen. Bereits Mitte letzten Jahres hatte das Gremium beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen, der den großen, westlichen Teil des alten Sportplatzes, den nördlichen Teil des Kurparkes sowie eine Reihe von bebauten, gemeindlichen Grundstücken westlich der Chiemseestraße umfasst. Zeitgleich zu den Vorbereitungen für den Bau des Rathauses, die der Gemeinderat vorantreibt, entwickelt er die Planung für den gesamten Bereich.

Große Chancen sehen die Architekten für das Rathaus, Peter Schweiker und Bernhard Schellmoser von der Werkgemeinschaft Rosenheim. Schweiker sagte, dass die Gemeinde mit ihren Flächen in diesem Bereich - auch mit den Erbbaugrundstücken an der Chiemseestraße - ein "Riesen-Potenzial" für eine Entwicklung des Gebietes besitze. Schellmoser meinte, dass die Kommune in wohlüberlegten Schritten eine "tolle, neue Ortsmitte" schaffen könne.

Mit 17:3 Stimmen beschloss der Gemeinderat, den - bislang immer noch als Provisorium eingerichteten - Parkplatz auf dem alten Sportplatz um zwei Reihen mit 16 bis 18 Stellplätzen für die Mitarbeiter im Rathaus zu erweitern. Wie viele Abstellmöglichkeiten die Gemeinde genau schaffen muss, steht noch nicht fest. Als Faustformel gilt, dass sie einen Stellplatz pro 30 bis 40 Quadratmeter Nutzfläche im Rathaus anlegen muss. Doch dessen Ausgestaltung ist erst in allen Einzelheiten festzulegen.

Rainer Wicha (CSU) betonte, dass Parkraum im Bereich der Chiemseestraße "dringend" nötig sei. In der Karwoche zum Beispiel sei der Parkdruck vor allem am Edeka-Markt sehr groß gewesen. Wicha meinte, dass sich der Gemeinderat zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf genau zwei zusätzliche Reihen auf dem Parkplatz an der Kastanienallee festlegen sollte, sondern statdessen als Ziel ausgeben sollte, dass zu einem späteren Zeitpunkt "genügend" Parkraum entsteht.

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) stellte sich gegen eine Erweiterung des Parkplatzes auf dem alten Sportplatz. Diese Grünfläche dürfe nicht immer noch mehr "einstranguliert" werden. Zu überlegen sei vielmehr, zusätzliche Stellplätze auf der anderen Seite der Chiemseestraße auf Höhe der Erbbaugrundstücke anzulegen.

Die beiden Architekten Schweiker und Schellmoser hatten in ihrem Vortrag über den Bau des Rathauses und die Gestaltung des Umfeldes einen, wie sie sagten, "städtebaulichen Vorschlag" geäußert: Sie regten an, die Ein- und Ausfahrt von der Widholzerstraße zum Parkplatz auf dem alten Sportplatz aufzulassen und den Verkehr künftig ausschließlich über die Kastanienallee zu regeln. Der Vorteil: In diesem Falle wäre die "grüne Verbindung" vom Kurpark und dem künftigen Rathaus zum alten Sportplatz "deutlich verbessert" - und damit dann nicht mehr beeinträchtigt von einer asphaltierten Parkplatzein- und -ausfahrt.

Dieser Vorschlag fand jedoch im Gemeinderat keine Mehrheit: Mit elf zu neun Stimmen beschloss das Gremium nach längerer Debatte, die neben der Kastanienallee zweite Ein- und Ausfahrt beizubehalten.

Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) sprach sich mit Nachdruck dafür aus, diesen, wie er sagte, "Rüssel" zu beseitigen. Er verwies vor allem auch darauf, dass in diesem Bereich ein Geh- und Radweg geplant sei. Kinder, die künftig mit ihrem Rad auf dem Weg zur Schule oder von ihr zurück auf dem Heimweg sind, laufen seiner Ansicht nach Gefahr, in "Kreuzungssituationen" mit dem Autoverkehr zu kommen. "Die Achse vom Bahnhof zur Schule muss für die Kinder sicher sein."

Im weiteren Verlauf der Diskussion kritisierte Bernhofer, dass die Gemeinde seit Jahren den Autoverkehr in Bernau "präferiert". Eine Parkplatzein- und -ausfahrt, die nur von wenigen Autofahrern benutzt werde, sei eine "blanke Verschwendung" von Fläche, eine "Versiegelung", die nicht nachvollziehbar sei.

Bürgermeister Klaus Daiber erläuterte, dass der künftige Weg südlich der Parkplatzzufahrt verlaufen werde - und dass sich damit Auto- und Radfahrer nicht kreuzen werden. Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) hingegen plädierte für eine "weitestmöglich grüne Verbindung" vom Kurpark zum alten Sportplatz.

Dritter Bürgermeister Alexander Herkner (SPD) sprach sich gegen eine Auflassung der Ein- und Ausfahrt von beziehungsweise auf die Widholzerstraße aus. Schließlich bringe der Verkehr über die Kastanienallee schon jetzt eine Gefährdung insbesondere durch die "Irrsinns-Parker" an deren Einmündung in die Chiemseestraße. Solange sich an dieser Gefahrenstelle keine Verbesserung ergebe, komme eine Auflassung der zweiten Parkplatzein- und -ausfahrt an der Widholzerstraße nicht infrage.

Zwei weitere Zielsetzungen für die Überplanung des gesamten Bereiches an der Chiemseestraße brachte der Gemeinderat einstimmig auf den Weg: Zum einen schafft die Kommune einen Geh- und Radweg über den alten Sportplatz. Zum anderen hält sie künftig auf dieser Grünfläche einen Bereich zur Aufstellung eines Festzeltes frei.

Mit einer Gegenstimme von Eduard Wierer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) beschloss das Gremium, im Bebauungsplan ein Baufenster für einen Musikpavillon vorzusehen. Wierer kritisierte, dass die Gemeinde zuerst mit dem Verkehrsverein - Wierer ist dessen Vorsitzender - reden müsste und dann erst das Baufenster anordnen sollte. Zum Hintergrund: Der Verein besitzt Grund im Kurpark. Daiber verwies auf ein Gespräch, das stattgefunden habe. Er gehe davon aus, dass der Verkehrsverein "keine Probleme macht".

pü/Chiemgau-Zeitung

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Quelle: rosenheim24.de

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