Neue Regeln beim Bauen

+
Neue Richtlinien für‘s Bauen sind in Prien gefragt.

Prien - Immer wieder entzünden sich in Gemeinderat und Bauausschuss Diskussionen über gestalterische Fragen zu einzelnen Anträgen. Seit eineinhalb Jahren sind die gesetzlichen Vorgaben gelockert.

Die "Priener Baufibel" regelt zwar Einiges, ist aber 26 Jahre alt und gilt als nicht mehr zeitgemäß. Jetzt soll ein neues Regelwerk geschaffen werden.

In fünf Anträgen und Voranfragen ging es in der jüngsten Bauausschusssitzung im Rathaus um Wohnhäuser. Und zum ersten Mal in seiner Zeit im Gremium (seit 2002) sei für keines der Vorhaben auf der Tagesordnung ein "normales" Dach vorgesehen, stellte Georg Fischer (CSU-Fraktion/parteilos) fest. Wobei die Frage, was "normal" ist für Prien, gleich eine neue Debatte auslöste. Während Fischer ("Wir sind halt nicht in der Toskana oder einer Zeltstadt") und Joachim Bensemann (FW) sogenannten Toskana-Dächern wenig abgewinnen können und den traditionellen Satteldächern den Vorzug geben, hielten Bürgermeister Jürgen Seifert und Alfred Schelhas ("Die Italiener haben die Baukunst nach Oberbayern gebracht") entgegen, dass italienische Einflüsse schon seit Jahrhunderten in der hiesigen Architektur zu finden seien. Diese Entwicklung reiche bis in die Zeit der Freskenmaler zurück.

Diese Diskussion lässt ahnen, wie schwierig gestalterische Fragen einzuordnen sind, weil auch die jeweilige Lage eines Bauwerks im Ort maßgeblich sein kann und Geschmäcker naturgemäß verschieden sind. Vor 26 Jahren hat sich die Marktgemeinde eine eigene Baufibel verordnet, um Grundsätze festzulegen. Inzwischen haben sich Zeiten und Gesetze geändert.

Schon seit vielen Jahren wird über eine neue Satzung nachgedacht, die das alte Regelwerk ersetzen und heutigen Gegebenheiten Rechnung tragen soll. Im Juli wird dem Bauausschuss nun zunächst in einer nichtöffentlichen Sondersitzung ein Entwurf einer Ortsgestaltungssatzung vorgestellt. Er stammt aus dem gleichen Münchener Planungsbüro, das vor Jahren auch schon den neuen Flächennutzungsplan für die Marktgemeinde entwickelt hatte.

Entfacht hatte sich die Debatte in der jüngsten Ausschusssitzung an einem Antrag für ein neues Einfamilienhaus mit Toskanadach an der Kranzhornstraße - ganz einfach deshalb, weil es der erste Tagesordnungspunkt war. Der Bau wurde letztlich einstimmig genehmigt, nachdem Seifert angemerkt hatte: "Wir befinden hier nicht über Geschmäcker" und "Eine solche Grundsatzdiskussion gehört in die Sondersitzung". Der nächste Tagesordnungspunkt - Abriss und Neubau eines Wohnhauses am Weißgerberweg im historischen Ortsteil Gries, fiel weg. Der Eigentümer hatte seinen Antrag zurückgezogen, weil im Vorfeld mehrere Ausschussmitglieder Ablehnung signalisiert hatten - wegen eines sehr steilen Dachs in der Planung, das nach ihren Dafürhalten nicht ins Gries passen würde. Das Gries ist neben dem Zentrum und Ernsdorf einer der Bereiche, für die mit einer neuen Gestaltungssatzung Eckpunkte festgelegt werden sollen, weil in diesen alten, über Jahrhunderte gewachsenen Gebieten, auch oftmals keine Bebauungspläne greifen, mit denen bestimmte Grenzen festgesetzt werden könnten.

Neben der Festlegung von Dachformen gibt es noch weitere Punkte, die geregelt werden sollen, weil durch die Neufassung der Bayerischen Bauordnung, die vor eineinhalb Jahren in Kraft getreten ist, die gesetzlichen Vorgaben gelockert wurden. Mit speziellen Satzungen können Kommunen aber Reglementierungen für ihren jeweiligen Hoheitsbereich erlassen.

Unter anderem sollen in der Marktgemeinde Vorgaben für Werbeanlagen und zur Fassadengestaltungen (Farbe, Schaufenster) geschaffen werden.

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser