Neuer Kreisverkehr erhält vier Äste

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Vier Äste erhält der neue Kreisverkehr, den das Straßenbauamt Rosenheim in Bernau an der Autobahnausfahrt errichtet.

Bernau - Der neue Kreisverkehr, den das Straßenbauamt in Bernau an der Ein- und Ausfahrt der Autobahn München-Salzburg errichtet, erhält nicht nur drei, sondern vier Äste.

In Abstimmung mit der Behörde in Rosenheim hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend die Planung abgesegnet. Die Entscheidung war jedoch umstritten: Mit 12:9-Stimmen gab das Gremium einem vierten Ast grünes Licht.

Einig waren sich die Gemeinderäte grundsätzlich in der Bewertung des Bauvorhabens der Behörde: Höchst erfreulich sei, so der Tenor im Rat, dass der Kreisverkehr nach Jahren der Planung nun endlich kommt. So war aus dem Straßenbauamt zu hören, dass nun das erforderliche Geld in den öffentlichen Kassen vorhanden sei und der Kreisverkehr in diesem Jahr gebaut werden könne (wir berichteten).

Das Straßenbauamt verschiebt die Staatsstraße ein Stück weit nach Norden. Der Kreisel erhält vier Äste. Drei gehen in Richtung Prien, Autobahn und Bernau. Und über den vierten zweigen künftig die Zufahrt zum Pendlerparkplatz und die Straße nach Bichling, Gröben und Hötzing ab. Bislang sind sie unmittelbar an die Staatsstraße 2092 angebunden. Dieser vierte Ast verläuft zuerst einige Meter parallel zur Staatsstraße, ehe er in einer Linkskurve auf die Straße nach Bichling einschwenkt. Die Pendlerparkplätze werden beiderseits - ein Teil auf der jetzigen Staatsstraße - errichtet.

Das Straßenbauamt hält einen vierten Ast für sinnvoll. Denn in diesem Fall erhöht sich nach Angaben aus der Behörde die Verkehrssicherheit. Die Gemeinde - in ihrem Verantwortungsbereich liegen sowohl der Pendlerparkplatz als auch die Gemeindeverbindungsstraße nach Bichling - teilt die Einschätzungen. Nachdem sich der Gemeinderat laut Bürgermeister Klaus Daiber bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung grundsätzlich für einen vierten Ast ausgeprochen hatte, bekräftigte das Gremium nun diese Entscheidung und legte die Einzelheiten fest.

Der Pendlerparkplatz ist und bleibt in der Verantwortung der Gemeinde. Ihre Zielsetzung: Sie plant, ihn neu anzuordnen und zu vergrößern. Während die Autofahrer auf der bislang an der Staatsstraße zur Verfügung stehenden Fläche rund ein Dutzend Fahrzeuge abstellen können, sieht die Kommune in ihrer Planung vor, nun 28 Stellplätze zu schaffen. Im Rahmen der Vergrößerung des Pendlerparkplatzes rechnet sie mit Kosten in Höhe von rund 55000 Euro. Nach Angaben von Daiber erhält sie eine Förderung in Höhe von voraussichtlich 55 Prozent. Die Gemeinde müsse somit unterm Strich etwa 25000 Euro für die Vergrößerung des Pendlerparkplatzes aus der eigenen Kasse nehmen.

Drei Varianten für einen vierten Ast standen in der Sitzung zur Debatte. Der Gemeinderat entschied sich - mit knapper Mehrheit - für den dritten Entwurf. Daiber sprach von der "besten Lösung". Der Radweg müsse nur geringfügig verlegt werden. Das angrenzende Biotop werde vom neuen Pendlerparklatz sogar noch weniger betroffen als vom alten. Und vor allem, so der Bürgermeister: Die Neuanlage bringe erheblich mehr Stellplätze.

Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) stellte sich gegen das Projekt und glaubte nicht, dass an dieser Stelle ein Bedarf für so viele Pendlerparkplätze gegeben sei. Mit einer großen Anlage locke die Gemeinde vielmehr weitere Pendler in den Ort. Und damit ziehe sie dann Verkehr nach Bernau. Bernhofer warnte, Steuergelder zu verschwenden und einen teuren Pendlerparkplatz anzulegen. Eine große Zahl von nicht benötigten Stellplätzen für 55000 Euro zu schaffen, so Bernhofer, "ist schon fast ein Fall für den Bundesrechnungshof".

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) regte an, nicht den Pendlerparkplatz an der Autobahneinfahrt, sondern stattdessen den am Bahnhof zu vergrößern und die Autofahrer dann zum Umsteigen in den Zug zu bewegen. Daiber forderte Genghammer auf, "nicht so weltfremd zu sein". Überall an den Ein- und Ausfahrten der Autobahn seien heutzutage solche Pendlerparkplätze.

Als viel zu hoch bewertete Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) den Aufwand für den vierten Ast. Der Moosbach etwa müsse auf kürzester Entfernung zweimal überschritten werden. Hansjörg Decker (Bernauer Liste) kritisierte, dass sich der Bau des Kreisverkehrs mit dem vierten Ast zu einem "Mords-Projekt" entwickle. In Frage stellte er unter anderem auch, ob denn tatsächlich ein so hoher Aufwand betrieben werden müsse, um auch die Straße nach Bichling an den Kreisverkehr anzubinden. Schließlich sei der Verkehr dorthin nur "sehr gering".

Eduard Wierer (Überparteiliche Wählergmeinschaft) kritisierte mit Blick auf den vierten Ast, dass "Steuergelder aus dem Fenster hinausgeworfen" werden. Alexander Herkner (SPD) erinnerte hingegen daran, dass "Bernau endlich den Kreisel bekommt". Und er forderte mit Nachdruck, die Gelegenheit zu ergreifen, über den vierten Ast am Kreisverkehr die Abzweigung nach Bichling und die Situation der Radfahrer zu verbessern.

pü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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