Im Garten Sicherheit gewinnen

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Prien - Viertklassler aus den Schulen von Eggstätt bis Aschau werden ab sofort in einem zeitgemäßen Verkehrsgarten für das richtige Verhalten auf Straßen und Wegen geschult.

Gestern Vormittag wurde die neue Anlage an den Franziska-Hager-Schulen eingeweiht. Ab heute unterrichten dort Toni Schauer und Wolfgang Schlemer von der Priener Polizeiinspektion (PI).

Die Eröffnung des neuen Verkehrsgartens

Als "Neuanfang im Hinblick auf zeitgemäße Verkehrserziehung" bezeichnete Schauer gestern Vormittag vor zahlreichen geladenen Gästen das 330 Meter umfassende Wegenetz, das in die Grünanlage westlich der Schule eingebettet wurde. Der Verkehrsexperte der Priener Polizei hatte vor einem Jahr den entscheidenden Anstoß gegeben, den über 30 Jahre alten Übungsplatz zu ersetzen. 15.000 Schulkinder haben dort in der Vergangenheit von Polizeibeamten gelernt, beim Abbiegen die richtigen Zeichen zu geben und vieles mehr.

Wie sehr diese alte Anlage auf dem Platz, der unter anderem auch als Schulbushaltestelle dient, von der Zeit überholt worden war, schilderte Priens Bürgermeister Jürgen Seifert anschaulich. Als er sich vor Ort ein Bild machte und Schauer den Schulkindern gerade das richtige Linksabbiegen erklärte, fuhr eine Mutter mit ihrem Kind im Auto rechts ganz knapp an der Gruppe vorbei. Solch gefährliche Situationen seien keine Seltenheit gewesen.

Deshalb stieß Schauer auf viele offene Ohren. Aus den Gemeinderäten im Schulsprengel kam meist schnell grünes Licht zur anteiligen Kostenübernahme, bei Sponsoren fand der Beamte vielfältige Unterstützung. Gestern war es an der Zeit, dafür zu danken. Zum Beispiel dem Gewerbepark am Reitbach unter Federführung des Hagebaumarktes, der eine geräumige Hütte zur Aufbewahrung von Rädern, Verkehrszeichen und anderen Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung stellte. 16 neue Übungsfahrräder wiederum spendierten die Chiemsee-Schifffahrt und die drei örtlichen Banken.

In nur etwas mehr als vier Wochen Bauzeit entstand ein ziemlich realistisches Abbild heutiger Verkehrsverhältnisse - von der Ampelanlage in der Mitte, die das Straßenbauamt aus seinem Bestand zur Verfügung stellte, über eine "Baustelle" auf einer der Übungsstraßen, die mit Pylonen die Rad-Fahrbahn einengt, den Zebrasteifen, die Einbahn- und die Vorfahrtsstraße bis zum Kreisverkehr.

Auf dessen Miniinsel steht ein Straßenschild: "Schauer-Kreisel". Der Namensgeber selbst übte sich in Bescheidenheit angesichts der Würdigung seines Engagements. Schauer hatte nicht nur überall für den Neubau geworben, sondern bei der Umsetzung sogar im Blaumann mit angepackt, verriet Seifert. Auch sein Verkehrserziehungskollege engagierte sich überdurchschnittlich, deshalb steht an der zentralen, fest installierten Ampelanlage jetzt "Schlemer-Kreuzung".

Schauer hatte unterm Dach der grün-weiß gestreiften Zelte aus dem Bestand der Polizei, die angesichts des Regens zur Einweihung aufgestellt worden waren, mit Unfallzahlen eindringlich die Notwendigkeit dokumentiert. Allein im PI-Bereich werden jährlich rund 1000 Unfälle gemeldet, bei denen etwa 200 Personen verletzt werden und auch einige Tote zu beklagen sind. Angesichts solcher Fakten verflog die gute Einweihungsstimmung kurzzeitig, die Zuhörer wurden nachdenklich.

"Jeder Unfall, der verhindert werden kann, rechtfertigt eine solche Ausgabe", kommentierte Rosenheims stellvertretender Landrat Josef Huber die Kosten, die sich Seifert zufolge auf rund 100.000 Euro belaufen und damit am unteren Rand des anvisierten finanziellen Rahmens liegen.

Dass die Investition in die Sicherheit der Schwächsten im Straßenverkehr, also der Kinder, vergleichsweise niedrig blieb, lag zur Hauptsache an den Kommunen, aber auch an zahlreichen Sponsoren, darunter auch die Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei, die alle Verkehrszeichen - vom "Stopp-" bis zum "Vorfahrtsstraßen-" Schild - bezahlte und für die Vorsitzender Klaus Daiber, der Bernauer Bürgermeister, das gelungene Werk lobte.

Auch Monsignore Bruno Fink, der den Verkehrsgarten segnete, hob die Wichtigkeit zeitgemäßer Verkehrserziehung hervor, denn "der moderne Mensch lebt von seiner Mobilität".

Als der Dauerregen etwas nachließ, war es einer vierten Klasse aus Rimsting vorbehalten, die Straßen und Wege sowie die neuen, hellgrün lackierten Fahrräder in kindgerechten Größen zu testen. Schauer und Schlemer, beide mit angesteckten Mikros ausgestattet, dirigierten die Mädchen und Buben mittels Lautsprecherdurchsagen durch den Parcours, der geschickt um die Bäume herumgebaut wurde. Auch heute werden Mädchen und Buben anfahren, bremsen, abbiegen und Vorfahrt gewähren - dann schon nicht mehr zu Vorführungszwecken. Denn der Verkehrsgarten wird ab sofort intensiv genutzt. Alle Viertklassler kommen viermal im Schuljahr zum Üben nach Prien.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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