Neues Heim für zwei Segelclubs

Prien - Der lange, trockene Herbst spielt dem Markt Prien und seiner Tourismusgesellschaft PTG in die Karten. Seit gut einer Woche sind die Heizkörper in der neuen Halle der Stippelwerft in Betrieb.

Der Estrich ist inzwischen trocken. Im Februar sollen das Hafenmeisterbüro sowie die Räume für zwei Segelvereine bezugsfertig sein.

Im Oktober war es zwei Jahre her, dass der Markt Prien die alte Halle, in der Hafenmeister und Segelclub Prien Chiemsee (SCPC) zuhause waren, aus Sicherheitsgründen abgerissen hatte. Der etwa 60 Jahre alte Holzbau war einsturzgefährdet. Danach begannen langwierige Verhandlungen über Raum- und Kostenaufteilung eines Neubaus, die zeitweise auch sehr kontrovers geführt wurden. Lange Zeit stand eine Eigenbeteiligung des SCPC von 200.000 Euro im Raum. Erst vor gut einem halben Jahr, im April, gelang bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Durchbruch. Die Gemeinde tritt als alleiniger Bauherr auf.

Bürgermeister Jürgen Seifert hatte in der Bürgerversammlung kürzlich im großen Kursaal rückblickend resümiert, dass "verschiedene Interessen aufeinander geprallt" waren. Am Ende sei "alles gut" geworden, es entstehe eine komplett neue Infrastruktur, Hafenmeister und Vereine würden über größere Räume verfügen als zuvor.

Die Einigung im April kam noch rechtzeitig, um heuer die Arbeiten ausschreiben und mit dem Bau beginnen zu können. Inzwischen ist nicht nur der SCPC froh, dass sein Vereinsleben nicht mehr lange in Zelten stattfinden muss. Er bekommt mit dem Segelclub Harras Chiemsee (SCHC) einen neuen Nachbarn. Der SCHC hatte sein angestammtes Gelände vor Jahren räumen müssen, als der Pachtvertrag ausgelaufen war, und hatte seitdem ein provisorisches und sehr eingeschränktes Ausweichquartier in Bernau-Felden bezogen.

Nun bekommt der SCHC im ersten Stock einen knapp 80 Quadratmeter großen und dank dreier raumhoher Fenster hellen Aufenthaltsraum, direkt über dem gleich großen des SCPC. Der wiederum wird zusätzlich im Obergeschoss über einen Raum und an der Südseite der Halle über einen etwas größeren, auf zwei Ebenen verteilten Lagerraum verfügen als der Nachbar. Der SCHC hat sein Lager im Erdgeschoss schon nahezu komplett voll gestellt, weil er seine Boote und Zubehör aus Bernau abziehen musste.

Die Holzelemente der Fassade, unter anderem die Schiebetüren der Lager, sind farblich den benachbarten Hallen im gleichen Grünton angepasst, der sich in die Natur einfügt. Der in Nord-Süd-Richtung 30 Meter lange und 15 Meter breite Bau steht auf über 40 Pfählen, die bis zu zwölf Meter ins Erdreich getrieben wurden und der Halle auf dem wackligen Seetonboden Halt geben.

Vom Eingang an der Nordseite gelangt der Besucher links ins Hafenmeisterbüro von Dirk Schröder. Von dort führt eine Wendeltreppe in Aufenthalts-, Sanitär- und Umkleideräume des Personals.

Im Erdgeschoss rechter Hand des Haupteingangs reihen sich WC- und Sanitärräume aneinander, inklusive behindertengerechter Toilette und Dusche. Angedacht ist, den Zugang über Kunden-Chipkarten zu steuern.

In der hinteren, südwestlichen Ecke laufen die Fäden beziehungsweise Leitungen zusammen. Im Technikraum liegt nicht nur der Erdgasanschluss, sondern auch die Zentrale zur Stromversorgung der Liegeplätze.

Immerhin 274 Schiffe finden in der Saison laut Hafenmeister Dirk Schröder im Wasser ihre Plätze, bis zu 150 weitere können in Spitzenzeiten an Land untergebracht werden.

Die beiden Vereine SCPC und SCHC, die ihre Räume von der Gemeinde mieten, werden vor der neuen Halle auf der östlichen, dem Ufer zugewandten Seite Schröder zufolge zusätzliche Lagerflächen für ihre Boote bekommen. Sie beteiligen sich zwar an den Ausbaukosten des Neubaus, allerdings in einem "überschaubaren" finanziellen Rahmen, wie aus dem Rathaus auf Anfrage bestätigt wurde.

Der Neubau wurde im Vergleich zur alten Halle um sechs Meter nach Norden versetzt. So ist an der Südseite, wo auch die Slippanlage liegt, mehr Platz zum Rangieren vor der dortigen Halle.

Die Kosten für die Halle selbst, 925.000 Euro, hat die Gemeinde auf mehrere Haushaltsjahre verteilt. Dass Seifert in der Bürgerversammlung insgesamt von einer "Millioneninvestition" sprach, hängt mit zusätzlichen Maßnahmen im Umfeld zusammen, die der Marktgemeinderat im Rahmen des Nachtragshaushalts genehmigt hatte. Mit ihnen zusammen summieren sich die Kosten auf 1,1 Millionen Euro. Dafür wurde die Halle sauber und sicher erschlossen und auch Kabel und Leitungen zur Hütte des Ruderclubs professionell verlegt. Außerdem wurden Mittel zur Gestaltung der Außenanlagen bereit gestellt.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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