Neues Pflaster für fast neue Straße

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Prien - Die Bahnhofstraße bekommt vermutlich noch heuer einen neuen Belag. Granitsteine sollen das bestehende Betonpflaster ersetzen.

In Absprache und mit finanzieller Beteiligung der Anlieger sollen graue Granitsteine das Betonpflaster ersetzen, das beim Bau der Fußgängerzone vor ungefähr fünf Jahren verlegt worden war. Denn dieser Untergrund ist laut Bürgermeister Jürgen Seifert nicht der, der seinerzeit besprochen und genehmigt worden war. Zudem bestehe im westlichen, mit Tonfliesen belegten Bereich wegen eines Materialfehlers hohe Rutsch- und damit Verletzungsgefahr.

Der Gemeinderat habe den Umbau kürzlich in nichtöffentlicher Sitzung mit breiter Mehrheit beschlossen, berichtete Seifert bei einem Ortstermin mit der Chiemgau-Zeitung. Zuvor sei die Neugestaltung mit den Anliegern abgestimmt worden. Diese seien bereit, sich über das gesetzlich vorgegebene Maß hinaus an den Kosten zu beteiligen.

Wie viel der Umbau kosten soll, den die Gemeinde möglichst noch heuer durchführen möchte, bevor der "grüne Markt" an Freitagen in der Adventszeit dort abgehalten wird, ist noch unklar. Die Arbeiten seien noch nicht ausgeschrieben worden, sagte Christian Fellner vom Bauamt der Marktgemeinde.

Seifert nannte mehrere Gründe dafür, dass die knapp 100 Meter lange Fußgängerzone zwischen Bernauer und Hochriesstraße nur fünf Jahre nach ihrer Entstehung im großen Stil umgebaut werden soll.

Wesentlicher Knackpunkt ist Seifert zufolge der Umstand, dass die Bahnhofstraße beim Umbau vor fünf Jahren "nicht erstmalig endgültig hergestellt" worden sei. Übersetzt bedeutet diese rechtliche Formulierung: Die Fußgängerzone wurde nicht so gebaut, wie es mit den sieben Anliegern abgesprochen und vom damaligen Gemeinderat beschlossen worden sei. Das bestätigten auch Betroffene auf Nachfrage der Redaktion. Deshalb seien Seifert zufolge auch Widerspruchsverfahren von Anliegern gegen Vorabbescheide zur Übernahme von Kostenanteilen anhängig.

Konkret seien andere Beton-Pflastersteine verlegt worden, als vereinbart war. Zudem seien die rötlichen Tonfliesen am nördlichen Rand zur Bernauer Straße offenbar "zu lang oder zu heiß gebrannt worden" und deshalb, im Gegensatz zu Belägen auf anderen Gehwegen mit dem vermeintlich gleichen Material, vor allem bei Nässe sehr rutschig, was wiederholt zu Unfällen von Fußgängern geführt habe.

Bei der Umgestaltung macht sich die Gemeinde zunutze, dass ein Teil des Pflasters 2010 ohnehin schon aufgerissen werden musste, um einen Abwasserkanal zu reparieren, der bei den Arbeiten zum Neubau der Volksbank Raiffeisenbank (VR Bank) versehentlich zubetoniert worden war. Im Zuge der Reparatur hatte die Gemeinde auch eine etwa 60 Jahre alte, marode Trinkwasserleitung erneuert. Beim Ortstermin brachte Seifert seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass diese Leitung nicht schon beim Bau der Fußgängerzone ausgewechselt worden war.

Bei der Erneuerung soll Granitsteinpflaster verwendet werden, wie es beispielsweise am Rosenheimer Max-Josefs-Platz zu finden ist. Auch die künftige Passage entlang des VR Bank-Komplexes als Verbindung zur Seestraße soll mit identischen Steinen gepflastert werden.

Um Rollstuhlfahrern oder Frauen mit hochhackigen Schuhen den Weg an den Ritzen vorbei zu ebnen, soll am nördlichen Rand, entlang der Front mit Schaufenstern der ansässigen Geschäfte, ein 2,5 Meter breiter Weg aus großen Granitsteinplatten geschaffen werden.

Die nach Überzeugung der Gemeinde fehlerhaften Tonfliesen am nördlichen Ende der Fußgängerzone sollen ausgetauscht werden. Mit der Herstellerfirma will die Gemeinde noch über die Kosten dieser Einzelmaßnahme verhandeln.

Die Firma ist Fellner zufolge die einzige, die die in Prien weit verbreiteten Tonfliesen herstellt. Die ob ihrer rötlichen Färbung als "Herbstlaub" bezeichnete Produktlinie sei in den 1980er-Jahren eigens auf Wunsch der Marktgemeinde entwickelt worden und habe sich später zu einem sehr gefragten Artikel entwickelt.

Zur Aufwertung der Fußgängerzone sieht das Gesamtkonzept auch neue Leuchten und Ruhebänke vor. Seifert steht nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der Schön Klinik, damit im Erdgeschoss des alten VR Bank-Gebäudes nach dem Umzug des Kreditinstituts in den Neubau gegenüber Läden entstehen. Die Schön Klinik hatte den Altbau der Bank schon vor Jahren erworben.

Zur Belebung soll auch eine gastronomische Nutzung beitragen. Der "Bayerische Hof" plant, in der umgebauten Fußgängerzone einen kleinen Biergarten zu schaffen, bestätigte Hotelier Rolf Estermann auf Anfrage.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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