Nicht nur eine Kostenfrage

Prien - Längst ist der mehr als 30 Jahre alte Verkehrsübungsplatz an den Franziska-Hager-Schulen von der Realität des modernen Straßenverkehrs überholt worden - darüber sind sich die Räte quer durch alle Fraktionen einig.

Dennoch war in der Sitzung des Priener Marktgemeinderats am Mittwochabend kein gemeinsamer Nenner für die geplante Neugestaltung des Areals zu finden. Drei Varianten hatte die Bauverwaltung im Auftrag des Gremiums ausgearbeitet und zur Beratung vorgelegt. Die Entscheidung wurde vertagt.

Im November hatte der Marktgemeinderat beschlossen, sich Vorschläge mit unterschiedlichen Lösungsansätzen ausarbeiten zu lassen, um dann eine Entscheidung zu treffen (wir berichteten). Drei Varianten stellte Christian Fellner dem Gremium in der Sitzung am Mittwochabend vor.

Bei der "Variante 0" soll zunächst die mehr als 30 Jahre alte Deckschicht abgefräst und der Platz neu asphaltiert werden. Anschließend wird eine neue Markierung nach neuesten Anforderungen der Straßenverkehrsführung aufgebracht. Die bestehende Holzhütte - in der Fahrräder, Verkehrsschilder und andere Utensilien für den Verkehrsunterricht aufbewahrt werden - wird ersetzt und neu ausgestattet. Da der Platz auch zum Teil als Busparkplatz genutzt wird, sollen in Abstimmung mit der Polizei eine mobile Ampel sowie eine Schrankenanlage für Sicherheit und Abgrenzung vom Verkehr während des Unterrichts sorgen. Dafür müssen zusätzliche Leitungen verlegt werden.

Für diesen Vorschlag kalkuliert die Bauverwaltung Gesamtkosten von rund 78000 Euro. Als größten Kostenfaktor stellt sie das Abfräsen und Neuasphaltieren mit rund 30000 Euro dar.

Als Nachteil dieser Ausführung stellten Bauverwaltung und Bürgermeister Jürgen Seifert heraus, dass mit Markierungen auf dem Asphalt die Lebenswirklichkeit im Straßenverkehr - zum Beispiel durch fehlende Verkehrsinseln oder Kreisverkehranlagen - nicht widergespiegelt werde. Außerdem könnten die Schulbusse während des Verkehrsunterrichts nicht mehr auf dem Platz parken; einen Ersatzplatz gebe es nicht. Zu berücksichtigen sei auch, dass durch das ständige Befahren die Markierung des Verkehrsübungsplatzes in regelmäßigen Abständen erneuert werden müsste - was zu erhöhten Unterhaltskosten von rund 6000 Euro im Vierjahresabstand führe.

Die Variante 1 beschreibt den Neubau eines Verkehrsübungsplatzes auf der Wiese zwischen der bestehenden Anlage und dem Pausenhof der Mittelschule. Den Vorteil dieses Lösungsansatzes sieht die Bauverwaltung in der Trennung von Busparkplatz und Verkehrsübungsplatz. Auch in diesem Fall ist die Hütte zu ersetzen und die technische Anlage zu erneuern. Die Gesamtkosten bezifferte Fellner mit rund 115000 Euro.

Mit höheren Kosten würde Variante 2 zu Buche schlagen: ein Neubau auf der Wiese südlich des Pausenhofes. Für die Anlage an diesem Standort seien Mehrarbeiten gegenüber der Variante 1 notwendig, erklärte Fellner. Der Kostenansatz: rund 125000 Euro.

Abschließend wies Fellner darauf hin, dass der Hauptschulverband - egal, für welche Variante sich der Gemeinderat entscheidet - zustimmen müsse. Allerdings sollten die Kosten für eine Asphaltierung (Variante 0) zu Lasten des Hauptschulverbandes gehen.

Ein wesentliches Kriterium für die Entscheidungsfindung ist nach Ansicht von Bürgermeister Seifert, der Empfehlung der Polizei zu entsprechen und die Lebenswirklichkeit des Straßenverkehrs auf dem neuen Verkehrsübungsplatz abzubilden.

Die kalkulierten Kosten sind für Alfred Schelhas (SPD) nicht unbedingt ausschlaggebend für die Wahl einer Variante. Möglicherweise könnte sogar der gesamte Busparkplatz auf die Ostseite des Bahnhofs verlegt werden. Da sollte aber der Arbeitsgruppe Ortsentwicklung nicht vorgegriffen werden. Deren Vorschläge sollten vor einer Entscheidung im Gemeinderat zunächst abgewartet werden.

In puncto Kostenkalkulation war Dr. Herbert Reuther (CSU) anderer Ansicht. Ihn interessiere die Auslastung des Platzes, denn die Frage der Kosten für eine Baulösung hänge doch von der Organisation des Unterrichts ab.

Bürgermeister Seifert verwies in diesem Zusammenhang auf ständig anfallenden Pflichtunterricht auf dem Übungsplatz. Übers Jahr üben dort rund 350 Schüler, auch aus Nachbarorten, ergänzte Eleonore Pelzl (Verein Mehr Demokratie für Prien/Fraktion Miteinander für Prien), die auch im Hauptschulverband vertreten ist.

Auch für Thomas Ganter (SPD) ist die Auslastung des Übungsplatzes ein wichtiges Kriterium für einen Lösungsansatz. Sein Alternativvorschlag: auslagern statt zubetonieren. Zusätzliche Flächen zu versiegeln, wie bei der Variante 1 vorgesehen, ist auch für Felicitas Bauer (BfP) wie auch für Fraktionskollegin Dr. Claudia Trübsbach kein Lösungsansatz. Letztere griff den Vorschlag von Schelhas auf, Planungsvorschläge der Ortsentwicklungsgruppe abzuwarten.

Bei zwei Gegenstimmen entschied sich das Ratsgremium mehrheitlich, das Thema zu vertagen. Für eine der nächsten Sitzungen soll zur Entscheidungsfindung der Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Prien, Toni Schauer, eingeladen werden. Mit Unterstützung von Kollegen gibt Schauer auf dem Übungsplatz rund 100 Stunden Verkehrsunterricht pro Schuljahr.

ul

Quelle: rosenheim24.de

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