"Nur zwei Freunde auf ,Facebook'?"

Prien - Ein wichtiger Punkt bei der Tagung der Beiräte in Prien war das Thema Mobbingopfer im Netz. Stephanie Pickl zählte einige Möglichkeiten auf, die Opfer auf Online-Plattformen haben, um sich zu schützen.

Bei einem Treffen im November 2010 hatten sich die Elternbeiräte derPriener Schulen über Sucht und Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche ausgetauscht. Besonders das Thema Computerkonsum wurde diskutiert. In der Franziska-Hager-Schule tagten die Beiräte nun erneut, um die Diskussion weiterzuführen. Nach einem Rundgang durch das 2009/2010 generalsanierte Schulgebäude, bei dem Schulleiter Hans-Joachim Reuter durch die Räume führte, ging das Wort an Stephanie Pickl.

Die Jugendsozialarbeiterin der Volksschule Grassau präsentierte Fakten rund um das Thema "Social Communities". Pickl erklärte, dass es Kindern und Jugendlichen an Erfahrung im Umgang mit der Vielfältigkeit des Mediums Internet fehle. Sie sollten beim Erkunden des "World Wide Web" nicht alleine gelassen werden.

Am Beispiel ihres eigenen Profils auf der bei Studenten beliebten Webseite "studiVZ" erklärte sie Aufbau und Hintergründe einer solchen Online-Plattform. "Es gibt viele Einstellungen, die die Privatsphäre schützen, oft aber nicht bekannt sind", so Pickl.

So sollten Jugendliche beispielsweise darauf achten, ein Foto einzustellen, auf dem sie nicht in der Nahaufnahme erkennbar sind - mit modernen Methoden "scanne" das Netzwerk "Facebook" inzwischen Bilder ab, um Personen zu erkennen.

Für eine rege Diskussion sorgte das Thema Mobbingopfer im Netz. Pickl zählte einige Möglichkeiten auf, die Opfer auf Online-Plattformen haben, um sich zu schützen. Dazu ergänzte Gitti Plank, Leiterin der offenen Jugendarbeit und Schulsozialarbeiterin in Prien: "Im Unterschied zu einer verbalen Beleidigung gibt es für Mobbing im Internet sozusagen mehr Zeugen, Beleidigungen werden stärker geahndet."

Winfried Lackner, Vorsitzender des Elternbeirats am Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) und Sprecher der Priener Elternbeiräte, fügte hinzu: "Das ist auch für Lehrer wichtig, denn auch diese werden gemobbt."

Bereits während des Vortrags von Pickl kam die Frage auf, ab wann Kinder Zugang zu Online-Netzwerken erhalten sollen. "Ich stelle fest, dass es bereits in der vierten oder fünften Klasse für Kinder sehr wichtig ist, ein Profil in einer ,Community' zu haben - für sie ist das einfach cool", berichtete Pickl.

Silvia Fischer von der Realschule Prien mahnte, dass Kinder und Jugendliche in den Netzwerken Freunde regelrecht sammeln würden. Es sei die Aufgabe der Eltern, dies mit den eigenen Kindern anzusprechen. "Wie viele Freunde braucht man eigentlich? Das sind keine echten Freunde", so Fischer.

"Es ist mittlerweile eine Beleidigung, wenn ein Schüler zu einem anderen sagt, der hat doch nur zwei Freunde auf ,Facebook'," sagte Viktoria Puchstein, stellvertretende Leiterin der Franziska-Hager-Mittelschule.

"Wir müssen an dem Thema dranbleiben, wegdiskutieren geht nicht", bilanzierte abschließend Rektor Reuter. Das Internet sei für Kinder und Jugendliche enorm wichtig. "Am besten, man spricht das Thema mit den Kindern offen an. Was schaust du dir an? Auf welcher Seite bist du unterwegs?", fasste Pickl zusammen.

Die Priener Elternbeiräte waren sich am Ende der Diskussion einig darüber, dass die Thematik sehr umfangreich und noch lange nicht das letzte Wort darüber gesprochen sei.

hä/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser