OVB-Leser helfen behinderten Menschen

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Die kleine Isabella ist eine schlechte Esserin. Doch Gruppenleiterin Katharina Wachter weiß, wie sie mit ihren Patienten umgehen muss.

Gars/Au - Auch in diesem Advent hat das Oberbayerische Volksblatt (OVB) wieder die Weihnachtsspendenaktion gestartet. Die Leser der Heimatzeitung können hier behinderte Menschen unterstützen, so zum Beispiel den Kindern vom Franziskushaus in Au.

Lesen Sie hier den originalsrtikel des Oberbayerischen Volksblatts und seinen Regionalausgaben:

Mitleid verboten

Gars/Au - Mit wie viel Liebe und Engagement sich die Mitarbeiter des Franziskushauses in Au um die ihnen anvertrauten Kinder kümmern, zeigt der Bericht von Katharina Wachter. Eins können aber auch die engagierten Mitarbeiter nicht: Die bedrohliche Wohnsituation ändern. Das können nur die Spenden der Leser der Heimatzeitung.

"Wir mussten lernen, uns auf die Krankheit einzulassen", erzählt Katharina Wachter. Die 28-Jährige ist seit Februar Gruppenleiterin der intensiv-pädagogischen Wohngruppe des Kinderheims Haus Maria. Darin leben geistig schwer behinderte Kinder, fast alle mit der Diagnose Autismus. Fast alle können nicht sprechen und tragen Windeln. "Unser erstes Ziel ist die Begleitung der Kinder, dann erst kommt die Förderung".

Stefan (12) wird gerne geschaukelt. Er musste ins Kinderheim, weil sich Nachbarn über die nächtlichen Schreiattacken beschwerten.

Wachter ist Chefin eines Teams von 14 Betreuern, die sich rund um die Uhr um die kleinen Bewohner kümmern. Ihr Team sei sehr jung, alle unter 30 Jahre alt, Mütter seien keine dabei. Wachters Theorie: "Leute mit Kindern fällt unsere Art der Betreuung sehr schwer." Um den autistischen Kindern jede Art von Reizüberflutung zu ersparen, verwehrt ihnen das Heim nämlich grelles Spielmaterial, Ausflüge an überfüllte Orte, Fernseher oder Computer. Mit seinem - überaus erfolgreichen Behandlungskonzept - ist das Franziskushaus in Au mittlerweile zu einer bayernweit führenden Einrichtung auf dem Gebiet Autismus geworden.

Trotz der sehr guten sozialpädagogischen Arbeit steht das Kinderheim vor dem Aus. Das Haus ist zu klein und genügt den Ansprüchen der Aufsichtsbehörden nicht mehr. Die Erweiterung ist aus Denkmalschutzgründen nicht möglich - ein Neubau muss her. Und der ist teuer. Deshalb hoffen Betreuer und Kinder auf die Großzügigkeit der Leser des Oberbayerischen Volksblatts, dass mit seiner Spendenaktion einen Neubau mitfinanzieren will.

Der Arbeitstag beginnt für Katharina Wachter und ihre Kolleginnen um 6.15 Uhr: Die sieben Kinder der Gruppe St. Dorothea werden geweckt. Anschließend werden sie gewaschen, dann gibt es Frühstück. Für gesunde Menschen mag dieser Ablauf eine Selbstverständlichkeit sein - für Autisten und deren Betreuer bedeutet er eine absolute Stresssituation. Nach dem Frühstück müssen die Kinder wieder in ihr Zimmer und eine sogenannte Ruhephase verbringen. Denn: Jeder Reiz kann die Kinder aus der Ruhe bringen. "Und wenn eines schreit, geraten schnell alle außer Kontrolle."

Wachter und ihre Kollegen versuchen daher, gestresste Kinder "vorher abzufangen." Wenn sie dennoch beißen, schreien oder schlagen, sollen sogenannte Verschlussphasen helfen, die Kinder wieder in ihr seelisches Gleichgewicht zu bringen.

Gerade für die Einschlusszeiten, aber auch für ein weiteres probates Mittel in Notsituationen - den Ganzkörperanzug - müssen die Mitarbeiter bei den Eltern der Kinder oft lange werben. "Solche Maßnahmen sind einfach auch zum Schutz von uns oder den anderen Kindern wichtig", erklärt Wachter.

Wenn die Kinder nach der Schule am Nachmittag wieder zurück sind, wenn nach Essen und einer weiteren Ruhephase das sogenannte Freispiel auf dem Plan steht, geht es für die Heimbetreuer erneut darum herauszufinden: "Wie können wir jedes Kind individuell beschäftigen, ohne es zu überfordern?" Das Problem: "Jedes Kind hat eine Konzentrationsdauer von etwa zwei Minuten." Die Kinder spielen nicht miteinander und einem Fortschritt könne genauso schnell wieder ein Rückschlag folgen.

Aber macht die Arbeit mit diesen Kindern denn überhaupt Spaß? Wachter: "Und wie! Es gibt so viele tolle Momente mit ihnen! Etwa wenn sich eines an uns herankuschelt und uns damit zeigt, dass es uns kennt und mag!" Außerdem könnten die Betreuer im Kinderheim die Kleinen dauerhaft begleiten: "Wir sind einfach ganz nah dran an den Kindern."

Um 19.15 Uhr gehen in der Wohngruppe dann die Lichter aus. Wenn die Kollegen der Nachtschicht ihren Dienst antreten und die Tagschicht das Kinderheim verlässt, dann, sagt Wachter, seien negative Gefühle wie Wut oder Trauer ohnehin längst verpufft. Als studierte Pädagogin spricht sie natürlich vom "Wertschätzungs- und Integrationsgedanken den Behinderten gegenüber". Mitleid? "Nein! Mit Mitleid würde unsere Arbeit sicher nicht funktionieren!"

zip/Oberbayerisches Volksblatt

OVB-Weihnachtsaktion ‘09

Leser helfen behinderten Menschen

Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling

Spendenkonto 76844

BLZ 711 500 00

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