Paradebeispiel für Integration

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Prien - Vor vier Jahren gründeten Eltern behinderter Kinder einen Verein. "Leben mit Handicap" entstand mit der Vision, den jungen Leuten ein weitgehend eigenständiges Leben zu ermöglichen.

In einem Jahr wird dieser Traum Wirklichkeit sein: Dann soll das Wohnheim nahe des großen Kursaals mit 30 Appartements fertig sein.

Martin und Christoph, zwei der künftigen Bewohner, betonierten den Grundstein samt Inhalt unter den Augen von Ehrengästen ein. Fotos berger

Dass der Bau ein "außergewöhnliches" Projekt ist, ging nicht nur aus der Rede von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand hervor. Das dokumentierte auch die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste bei der Grundsteinlegung (wir berichteten bereits kurz). Politiker wie die CSU-Landtagsabgeordneten Annemarie Biechl und Klaus Stöttner oder Bezirksrätin Eleonore Dambach erhoffen sich Signalwirkung weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Zum einen soll die Beharrlichkeit des Vereins "Leben mit Handicap", allen voran Vorsitzender Günter Bauer, anderen zeigen, was machbar ist. "Solche Träume haben viele. Das hier ist eine Botschaft, was möglich ist", sagte Hillenbrand. Zum anderen "muss das, was heute passiert, beispielhaft sein für die Integration", sagte Stöttner.

Auch der Marktgemeinderat Prien hatte die Verwirklichung des Vorhabens "in unserer Mitte" von Anfang an unterstützt, zu Beginn auch gegen einige Widerstände, erinnerte Bürgermeister Jürgen Seifert. Dass das Wohnheim nicht weit vom Zentrum Priens entsteht, soll auch dazu beitragen, die 30 künftigen Bewohner in die Gesellschaft zu integrieren. "Wir können uns gegenseitig nicht nur helfen, sondern auch bereichern", ist Seifert überzeugt.

Nicht nur die Chiemgau-Zeitung, auch Informationen über den Verein "Leben mit Handicap" hatte Vorsitzender Günther Bauer in den Grundstein-Zylinder gepackt.

Landrat Josef Neiderhell, der seit der Vereinsgründung, damals noch als Raublinger Bürgermeister, "Leben mit Handicap" unterstützt hat, beschränkte sich bei der Grundsteinlegung auf einige kurze Sätze, "damit es schnell geht". Seine Prognose, dass Anfang September 2012 Einweihung gefeiert werden soll, ließ nicht nur die künftigen Bewohner lächeln, sondern die übrigen knapp 100 Gäste applaudieren.

Erst dreieinhalb Wochen vor der Grundsteinlegung war der Spatenstich erfolgt (wir berichteten). Als der Zylinder mit der tagesaktuellen Ausgabe der Chiemgau-Zeitung, Infos über den Verein "Leben mit Handicap" und einigen Utensilien mehr nun zu den Klängen der Blaskapelle Bernau einzementiert wurde, war bereits die Bodenplatte des L-förmigen Gebäudes mit einer Grundfläche von 660 Quadratmetern deutlich erkennbar.

Auf drei Vollgeschossen sollen nach den Plänen von Architekt Heiner Maluche vom Münchener Büro RPM jeweils zehn nahezu baugleiche Appartements sowie Gemeinschaftsräume entstehen, obendrauf in einem zurückgesetzten Terrassengeschoss ein großer Veranstaltungsraum, der auch eine Begegnungsstätte werden soll.

4,5 Millionen Euro wird das Gesamtprojekt kosten. Allein ein Drittel davon bringen die Eltern der künftigen Bewohner mit ihren Einlagen in eine eigens gegründete Kommanditgesellschaft auf. 2,5 Millionen Euro steuert die Regierung als zinsgünstiges Förderdarlehen aus dem Wohnungsbauprogramm des Freistaats bei.

Die Initialzündung zur Verwirklichung der "Vision" des Vereins, wie es Dritter Vorstand Günter Jegg formulierte, hatten 2008 die Leser des Oberbayerischen Volksblatts und seiner Regionalausgaben gegeben, als sie bei der Weihnachtsaktion 200.000 Euro spendeten. Genauso viel steuerte auch die Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim bei.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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