Paten als Motivatoren für Schüler

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Prien - Es gibt Schüler, die drohen den Sprung ins Berufsleben nicht zu schaffen. Für solche Fälle gibt es an der Franziska-Hager-Mittelschule Paten.

Es gibt Schüler, die drohen auf der Strecke zu bleiben, ihren Abschluss und den Sprung ins Berufsleben nicht zu schaffen. Oft sind sie Opfer der äußeren Umstände und können selbst gar nichts oder nicht viel dafür, dass sie kein Selbstwertgefühl haben und ihre Noten schlecht sind.

Für solche Fälle gibt es an der Franziska-Hager-Mittelschule Paten. Derzeit sind es 15 Damen und Herren, die sich um einzelne Schützlinge kümmern. Wenn es nach der Schulsozialarbeiterin geht, dürften es viel mehr sein.

Maria (alle Schülernamen von der Redaktion geändert) hat sich in den vergangenen Monaten sage und schreibe 75-mal mit ihrer Patin getroffen. Sie wollte es wissen. Und der Erfolg ist der Mühe Lohn. Maria hat sich "massiv verbessert", wird den "Quali" demnächst schaffen und hat seit Kurzem auch schon einen Lehrvertrag in einem örtlichen Hotel in der Tasche.

Die intensive Betreuung der Neuntklasslerin durch Susanne Pühler aus Breitbrunn ist allerdings ein Extrembeispiel, was den zeitlichen Aufwand einer Patenschaft angeht. In der Regel treffen sich Pate und Schützling einmal pro Woche, wie zum Beispiel der frühere Lehrer am Ludwig-Thoma-Gymnasium, Dr. Horst Jena, und sein Patenkind Hans. Auch er hat nicht zuletzt dank der Unterstützung des Pädagogen im Unruhestand schon eine Lehrstelle im Einzelhandel sicher - und die "Eins" in Mathe macht auch Jena stolz.

Dabei geht es bei den Patenschaften gar nicht in erster Linie um die Noten. Hauptaugenmerk legen die ehrenamtlichen Betreuer meist auf die Motivation der jungen Leute, berichteten sie einhellig bei ihrem jüngsten Treffen beim "Schützenwirt" in Eichental im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Aus der eigenen Erfahrung heraus jungen Menschen zu helfen, ihre Stärken zu entdecken und zu nutzen, ihr Selbstwertgefühl zu heben und sie auf dem Sprung aus dem schulischen ins berufliche Leben - sinnbildlich - an der Hand zu nehmen, darum geht es in erster Linie.

Schon seit 2006 gibt es das Patenprojekt "Jugend in Arbeit" unter dem Dach der Rosenheimer "Aktion für das Leben". Die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem Stützpunkt Rosenheim, das dortige Jobcenter und der Landkreis Rosenheim unterstützen die Initiative finanziell. Seit Anfang dieses Jahres betreut Kerstin Stock das Patenprojekt. Gemeinsam mit Maren Welkener, Schulsozialarbeiterin an der Franziska-Hager-Mittelschule, ist sie auf der Suche nach Verstärkung für das 15-köpfige Team. Jüngster Neuzugang ist Andrea Almer, die eine Achtklasslerin unter ihre Fittiche genommen hat. Und auch zum Treffen im "Schützenwirt" war ein neuer Interessent gekommen.

Trotzdem sind Stock und Welkener auf der Suche, denn die Schulsozialarbeiterin kennt eine Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten, die nach ihrer Überzeugung mit einer Patin oder einem Paten einen persönlichen und schulischen Sprung nach vorne machen könnten. Zudem ist mittelfristig geplant, das Angebot auf Jugendliche und junge Erwachsene auszudehnen, die noch keinen dauerhaften Berufsweg gefunden haben.

In der Praxis gibt es freilich Paten, die ihre Schützlinge sogar über mehrere Jahre begleiten, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, helfen, Bewerbungen zu schreiben und sogar mitgehen, wenn ein Vorstellungsgespräch ansteht und der Schützling die Begleitung braucht und möchte. Günther Bauer kümmert sich beispielsweise immer noch um sein Paten-"Kind", obwohl es nun schon fast das zweite Lehrjahr geschafft hat.

Manchmal reicht schon die pure Präsenz eines Paten, in eine vermeintlich festgefahrene Lage eines Mittelschülers Bewegung zu bringen, hat Hans Bernholt bei seinem Schützling beobachtet. "Wenn ein Pate auftaucht, wird die ganze Familie wach." Oft ist es allerdings nicht zielführend, den Jugendlichen bei ihm oder ihr zuhause zu betreuen, weil Eltern und Geschwister Eifersucht entwickeln oder diese Umgebung den Schüler hemmt. Elterliche Gefühle, da waren sich im "Schützenwirt" alle einig, dürfen und sollen Paten nicht entwickeln. Auf Vorschlag aus der Runde wollen sich die Initiatoren auf die Suche nach einem Raum sozusagen auf "neutralem Boden" machen, wo ohne störende Einflüsse konzentriert gearbeitet werden kann.

Außerdem wird als Ergänzung zu den quartalsweisen Treffen ein monatlicher Stammtisch im "Schützenwirt" gebildet zum ungezwungenen Austausch. Unterstützung leisten die 15 ehrenamtlichen nicht nur untereinander. Auch die Lehrer der Mittelschule seien jederzeit hilfsbereit, stellen zum Beispiel den Paten auch Lehrmaterial zur Verfügung, wenn das gewünscht wird.

Stock kündigte für die nächste Zukunft zudem ein Fortbildungstreffen in Bad Aibling an, wo die Priener von erfahrenen dortigen Paten Tipps zum Umgang mit pubertären Begleiterscheinungen und zur Motivation ihrer Schützlinge bekommen. Die Motivation der Paten selbst brachte Dr. Horst Jena auf den Punkt: "Ich habe in meinen Leben Glück gehabt. Jetzt möchte ich denen helfen, die es brauchen."

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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