Peking: Kaufhaus gibt Geweih-Lüster in Auftrag

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Der gelernte Koch Reinhard Deyerl hat umgesattelt und als Designer seine Arbeit ganz den Geweihen geweiht - so wie diesem Riesenlüster, der am Freitag nach Peking transportiert wird.

Chieming - Jagdtrophäen sind des Jägers ganzer Stolz und gelten momentan als angesagte Dekoartikel. Den europäischen Trend will jetzt auch ein Kaufhaus in Peking verkörpern.

Bei dem Geweih-Designer Reinhard Deyerl in Arlaching hat das Kaufhaus einen Riesengeweih-Lüster für 50.000 Euro in Auftrag gegeben.

Das spektakuläre Objekt, an dem Deyerl über 500 Stunden gearbeitet hat, hat gerade noch so Platz in der Werkstatt des 50-jährigen Designers. "Ich musste alles wegräumen, um Platz zu schaffen", sagte Deyerl der Chiemgau-Zeitung. Rund 400 Hirschgeweihe waren notwendig, um das über zehn Meter lange und rund sechs Meter breite Prunkstück nach den Wünschen des Agentur-Auftraggebers anzufertigen.

Bei den Geweihen handelt es sich nach Aussagen Deyerls ausschließlich um Abwurfstangen aus bayerischen und österreichischen Gehegen, deren 1800 Geweihspitzen in Handarbeit geschliffen, gewachst und poliert werden mussten, um einen hellen, edlen Touch zu erzielen.

Die bearbeiteten Geweihe wurden dann auf gebogenen Hartholzriegel festgeschraubt. Deyerl: "Es war nicht ganz einfach, denn die Stangen mussten einigermaßen gleich groß sein". Das Prunkstück wird am kommenden Freitag in vier Teile zerlegt und in Kisten per Luftfracht nach Peking verschickt, wo es als Blickfang ein Designermöbel-Kaufhaus schmücken soll. Deyerl wird in zwei Wochen in die chinesische Metropole reisen, um sein mit Scheinwerfern beleuchtetes Kunstwerk persönlich aufzuhängen. Für die Montage, die mit einem großen Aufwand verbunden ist, muss ein Gerüst aufgebaut werden. Immerhin wiegen allein die Geweihe eine Tonne.

Allein für die Luftfracht muss der Auftraggeber weitere 25.000 Euro aufbringen. Da das Kaufhaus Ende September eröffnet werden soll, hätte der preiswertere Schiffstransport zu lange gedauert, so der engagierte Designer zur Chiemgau-Zeitung.

Reinhard Deyerl stammt aus Niederbayern und lebt seit vielen Jahren im Chiemgau. Der gelernte Koch hat vor drei Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt und sich als reiner Autodidakt dem Geweih-Design verschrieben. "Die Form und das Material hat mich von klein auf fasziniert." Die Anfangszeit sei "sehr, sehr hart" gewesen, erinnert sich Deyerl, der sich nebenher als Zimmerer und Handwerker seinen Lebensunterhalt verdiente. Mittlerweile arbeitet er viel mit bekannten Innenarchitekten zusammen und fertigt "Schönes und Wildes aus Geweih und Horn" für den gehobenen Objektbereich und anspruchsvollen Privatbereich.

Jedes seiner Stücke, die in seiner Werkstatt mit angrenzenden Ausstellungsräumen am Chiemseeufer in Arlaching entstehen, ist ein Original. "Das Design meiner Arbeit besteht einzig darin, diese Schönheit der Natur mit Funktionalität zu verbinden, ohne Jagdklischees oder volkstümlicher Folklore", sagt Deyerl über seine Werke.

ga/mt/Chiemgau-Zeitung

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