Penny-Markt: Turbulente Diskussion

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Aschau – Die Planungen für den Bau des Penny-Marktes an der Rosenheimer Straße in Aschau werden konkreter.

Einstimmig beschloss der Aschauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine nochmalige Auslegung der Unterlagen über die Aufstellung eines Bebauungsplanes "An der Rosenheimer Straße". Doch dieser einstimmige Beschluss fiel erst nach einer langen Diskussion.

Der Gemeinderat begann seine Sitzung sogar eine Stunde früher als gewöhnlich und hatte sich auf eine lange Sitzung vorbereitet. Zahlreiche Bürger informierten sich aus erster Hand über die weitere Vorgehensweise der Gemeinde Aschau.

Die vorgeschriebene erste Auslegung der Planung stieß bei den Aschauern auf Interesse: 148 schriftliche Einwendungen gingen während der Auslegungszeit bei der Gemeindeverwaltung ein, teils von Bürgern in Eigeninitiative verfasst, teils angeregt durch die Interessengemeinschaft Ortsbild Aschau. Manche waren auch von Rechtsanwälten verfasst. Zusätzlich trug auch der Aschauer Gewerbeverein seine Bedenken gegen den neuen Standort des Penny-Marktes außerhalb des eigentlichen Ortskerns vor.

Bürgermeister Werner Weyerer erklärte die weitere Vorgehensweise: Alle Gemeinderäte seien über den aktuellen Stand der Planung informiert und wüssten über die Pläne von Penny Bescheid. Der bisherige Markt sei an seinem jetzigen Standort nicht mehr überlebensfähig, Penny suche deshalb seit Jahren einen neuen. Verbrauchermärkte entwickelten sich weiter, ein Laden mit einer Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern sei heute nicht mehr zeitgemäß und biete keinen Platz für eine optimale Darstellung des Angebotes, so die Verantwortlichen von Penny. Penny habe das Grundstück an der Rosenheimer Straße erworben und wolle dort bauen, in dieser Sitzung gehe es zunächst nur um die Kenntnisnahme und die Bearbeitung der eingegangenen Bedenken von Privatpersonen und öffentlichen Stellen, es gehe noch nicht um eine Genehmigung oder Ablehnung des Projektes, hieß es in der Sitzung.

In einer Fleißarbeit sondergleichen hatte die Bauabteilung im Aschauer Rathaus die eingegangenen Bedenken katalogisiert und insgesamt mit 39 Oberbegriffen zugeschlagen: Von den Bedenken über eine Störung des Ortsbildes über die zu erwartenden Belästigungen durch den Lieferverkehr, durch die Kunden, durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, durch Lärm- und Abgasemissionen bis hin zu den Auswirkungen auf den Tourismus, den Erhalt des Prädikates Luftkurort, die Verödung des Ortskernes und die Qualität des Discounters Penny, bis hin zum Vorwurf der Vetternwirtschaft waren viele Argumente vertreten.

Antwortkatalog entwickelt

Die Verwaltung entwickelte in den letzten Monaten mit anwaltschaftlicher Beratung einen fast 60-seitigen Antwortenkatalog, mit dem die Anfragen der Bürger penibel beantwortet werden sollen. All diese 39 Darstellungen berieten die Gemeinderäte in einer Mammutsitzung und stimmten quer durch alle Fraktionen höchst konträr mit allen denkbaren Abstimmungsergebnissen über die Vorlagen ab. 32-mal stimmten sie den Vorschlägen der Verwaltung zu, siebenmal wandten sie sich gegen die Vorschläge der Verwaltung und verweigerten mehrheitlich die Zustimmung. Vor allem der Befürchtung, der bisherige Ortskern könne nach einem Abzug von Penny in die Peripherie weiter veröden, schloss sich eine deutliche Mehrheit an. Dagegen waren sich die meisten Gemeinderäte darüber im Klaren, dass die befürchteten Emissionen aller Art durch geeignete Maßnahmen durchaus in den Griff zu bekommen seien. Empört wiesen alle Gemeinderäte den Vorwurf der Vetternwirtschaft von sich, dieser Beschluss erfolgte als einer von zweien zu diesem Katalog einstimmig.

Alle Bürger, die ihre Bedenken vorgebracht haben, werden in den nächsten Wochen einen Bescheid der Gemeinde erhalten, in dem ausführlich auf ihre Anregungen und Wünsche eingegangen wird, wurde in der Sitzung erklärt.

Nach den ersten drei Stunden intensiver, konzentrierter Arbeit und Beschlussfassung verlief die weitere Sitzung als ein Auslaufen: einstimmig beschlossen die Gemeinderäte die vereinfachte Änderung des Bebauungsplanes „Aschau Nord I“ im Bereich Wiesengrundstraße als Satzung.

Gegen die Stimme von Claus Reiter genehmigten die Räte den Kauf und die Errichtung eines Salzsilos für den Winterdienst für 75.000 Euro. Schließlich waren alle dafür, dass die Gemeinde Aschau dem Brückenneubau über den Lochbach am Amselweg durch das Wasserwirtschaftsamt zustimmen und die Kosten für den Überbau übernehmen solle.

reh/Oberbayerisches Volksplatz

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser