Alexandra während Coronakrise fernab der Heimat gestrandet

Breitbrunnerin (24) sitzt in Peru fest: "Das Schlimmste ist die Ungewissheit"

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Breitbrunn/Lima - Für die Hochzeit ihres Bruders reiste Alexandra aus Breitbrunn (Landkreis Rosenheim) nach Peru. Nun sitzt sie wegen der Grenzschließungen in der Coronakrise dort fest. Wie die Studentin die Quarantäne in einem fremden Land erlebt, berichtet sie im Gespräch mit rosenheim24.de.

Auf der ganzen Welt gibt es mehr und mehr Ausgangsbeschränkungen und Quarantäneregeln, um den Kampf gegen die Corona-Pandemie aufzunehmen. Auch in Bayern dürfen die Menschen nur noch unter klar geregelten Umständen das Haus verlassen. Zum Arbeiten, Arzt oder Supermarkt dürfen wir gehen, auch Spazierengehen ist erlaubt. Doch Veranstaltungen, Gruppen von mehr als zwei Personen und ähnliches sind untersagt. Doch wie sieht die Lage andernorts aus? Immer wieder erreichen uns Berichte von Lesern, die im "Urlaub" festsitzen. So auch die 24-jährige Alexandra aus Breitbrunn. 


Breitbrunnerin sitzt mit Bruder in Peru fest

Sie reiste für die Hochzeit ihres Bruders nach Peru, da dessen Braut Peruanerin ist und man die Feierlichkeiten dort geplant hatte. Nun darf sie, wegen der Grenzschließungen in Peru, nicht mehr ausreisen und sitzt seit dem 16. März in Südamerika fest. Jeder, der bereits am Flughafen war und vor der Grenzschließung heim wollte, wurde fortgeschickt, berichtet die Studentin. Deutschland versuche zwar, Deutsche auszufliegen und Rückholflüge zu organisieren. Doch in Peru gibt es derzeit nicht die entsprechende Landeerlaubnis.

Im Gespräch mit rosenheim24.de berichtet Alexandra, wie die Lage auf der anderen Seite der Welt ist. Ihr Bruder hatte eigentlich geplant, am 25. März wieder in Deutschland zu sein. Nun sitzt er mit seiner Frau und Schwester in einer Airbnb-Wohnung fest. Alexandra berichtet, dass man dennoch versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Das falle aber manchmal schwer, denn "irgendwann gehen die Gesprächsthemen aus und Beschäftigungsmöglichkeiten sind auch sehr begrenzt." 


Angst vor Ungewissheit groß

Sie selbst nutze Online-Bibliotheken und ihren Laptop, um sich die Zeit zu vertreiben. Außerdem schreibe sie Bücher. Auch versuche sie in der Wohnung kleine Workouts einzubauen, damit sie in Bewegung bleibe. "Manchmal sinkt die Laune jedoch gewaltig und ich kann mich zu nichts motivieren und starre nur ewig die Wand an", gesteht sie. 

Besonders belastend sei die Ungewissheit, dass man nie wisse, wann neue Beschränkungen kommen und wann man gerettet werde. Das könne in einem Tag sein oder auch erst in zwei Monaten, im Moment könne das keiner sagen. Auch das Einkaufen sei schrecklich, denn man dürfe in Peru nur noch alleine auf die Straße. Alexandra selbst kann aber kein Spanisch und ist abhängig davon, dass ihr Bruder für sie übersetzt. Der müsse nun alleine einkaufen gehen, weil seine Schwester sich nicht verständigen kann. Das sei besonders schlimm, wenn sie von der Polizei kontrolliert werden würde. Denn bei Quarantäneverstößen müsse sie fürchten eingesperrt zu werden - viel zu riskant, wenn man sich nicht verständigen kann. Ohne Gesichtsmasken dürfe man nicht mehr in Geschäfte gehen, was dadurch erschwert werde, dass diese überall vergriffen sind. Nur über den Vermieter habe Alexandras Bruder noch Masken organisieren können, um weiter in den Supermarkt gehen zu können. 

Gegen das Heimweh helfe vor allem Skype. Regelmäßig bleibt sie so mit ihrer Familie in Kontakt. Doch auch diese könne sie nur moralisch und finanziell unterstützen. "Sonst sind sie selber auch machtlos, das Einzige was ihnen bleibt, ist mich mit Geld zu unterstützen, damit ich überhaupt den Regierungsflug bezahlen kann, falls dieser irgendwann stattfinden wird", berichtet Alxandra. 

Hoffnung auf Heimkehr

Wann sie wieder heim darf, weiß sie nicht: "KLM hat mich nun schon drei Mal umgebucht, nur um zwei Tage darauf den Flug wieder zu stornieren. Einmal hieß es, ein deutscher Rückholflug würde kommen, dann wurde der wieder abgesagt, weil Peru plötzlich beschlossen hatte, auch alle Regierungsflüge zu verbieten. Vor kurzem durfte eine Maschine doch abheben, doch die Lage kann sich jederzeit wieder ändern. Man fühlt sich vollkommen machtlos und ausgeliefert und weiß nie, was den peruanischen Politikern als Nächstes einfällt."

Ihren geplanten Umzug nach München musste Alexandra schon absagen. Ob sie das nächste Studiensemester antreten kann, ist ungewiss. Die deutsche Botschaft in Peru postet jeden Morgen Neuigkeiten über eventuelle Flüge auf ihrer Seite. "Man musste sich in vier Listen eintragen, um per E-Mail informiert zu werden, wenn ein Flug unterwegs ist." Nun schaut Alexandra jeden Morgen als erstes aufs Handy, in der Hoffnung, endlich heim zu dürfen.

jv

Quelle: rosenheim24.de

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