Pflege "muss von Herzen kommen"

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Stefan Mayer (rechts) und Alois Reif (links), die beiden Geschäftsführer, begrüßten mit Heimleiter Robert Althier (Zweiter von links) gestern elf ihrer Azubis zum Kennnenlern-Frühstück in der Verwaltungszentrale ihrer Pflegeheime, die im Gebäude im Hintergrund am Priener Rathausplatz untergebracht ist.

Prien - Altenpflege gilt weithin als "Knochenjob", der noch dazu nicht gut bezahlt wird. Umso überraschender, dass am Mittwoch gleich sieben Damen und Herren ihren ersten Arbeitstag als Auszubildende in diesem Beruf hatten.

Sie begannen am Mittwoch bei den "Mayer & Reif Pflegeheimen" zu arbeiten, die ihre Zentrale in Prien haben. Im Gespräch erklärten die Lehrlinge, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden haben.

Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erklärten die Lehrlinge, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden haben. Mit einem gemeinsamen Kennenlern-Frühstück in der Verwaltungszentrale des Unternehmens am Priener Rathausplatz 3 begann für die Azubis gestern der neue Lebensabschnitt - neben den angehenden Altenpflegern fingen je ein Lehrling in Verwaltung und hauseigener Küche sowie ein Umschüler bei dem Unternehmen neu an.

Die beiden Geschäftsführer, Stefan Mayer und Alois Reif, betreiben mittlerweile fünf Häuser mit rund 200 Mitarbeitern an vier Standorten: den Laurentiushof in Bernau mit zwei Häusern, den Finkenhof in Rimsting, den Stephanihof in Halfing und den Leonhardihof in Stephanskirchen.

Rund 220 Menschen werden dort gepflegt, 80 weitere im betreuten Wohnen versorgt. Mayer und Reif setzen seit ihrem Einstieg in diese Branche vor acht Jahren in Halfing auf ein Konzept mit kleinen Wohngruppen. Jeweils drei sind es pro Haus, aufgeteilt nach Etagen. Sie sehen sich als Dienstleistungsbetrieb, der sich an seinen Standorten offen darstellt und zum Beispiel mit kulturellen Veranstaltungen auch immer mehr den Kontakt zur Bevölkerung sucht. Ehrenamtliche Besuchsdienste oder Aktionen mit Kindergärten und Schulen tragen dazu bei. "Wir wollen in jeder Lage helfen können", umschreibt Reif die Philosophie.

Im Gespräch mit den neuen Altenpflege-Azubis wurde gestern schnell klar, dass sie allesamt aus innerer Überzeugung und die meisten nach individuellen Erfahrungen diesen Berufsweg eingeschlagen haben. Lukas Kerl aus Bad Endorf zum Beispiel lernte bei der Betreuung seiner krebskranken Großmutter zuhause, was Pflegen bedeutet, und fand Bestätigung bei einem Praktikum im Finkenhof.

Auch Melanie Flori aus Oberwössen hat bei zwei Praktika erfahren, dass ihr der Umgang mit älteren Menschen Freude bereitet. Und sie hat das Gefühl schätzen gelernt, "Menschen helfen zu können, damit sie sich wohlfühlen".

Dass nicht wenige im Freundeskreis Vorbehalte und falsche Vorstellungen haben, weiß auch Nadine Prassberger aus Bernau nur zu gut. Aber wenn man mal drin sei in dem Beruf, sei es längst nicht so schlimm, wie viele glauben würden. Auch Sonja Obermaier, ebenfalls aus Bernau, hat in einem Praktikum Freude an dieser Aufgabe gefunden. "Es ist alles dabei, was man selber jeden Tag macht", umschreibt sie die Vielseitigkeit der Aufgaben, weiß aber auch um die Verantwortung: "Es muss von Herzen kommen."

Immerhin 755 Euro verdient ein Altenpflege-Azubi in den Häusern von Mayer und Reif im ersten Lehrjahr. Zur Eingewöhnung werden die Neuzugänge zunächst einige Zeit in einzelnen Wohngruppen an den verschiedenen Standorten eingesetzt, erläutert Robert Althier, Heimleiter im Bernauer Laurentiushof.

Meist beginnt die Lehre in der Frühschicht, das heißt Dienstbeginn um 6 Uhr. Nachtschichten absolvieren müssen die Azubis erst im dritten und letzten Lehrjahr.

Solche Rahmenbedingungen schrecken die neuen Lehrlinge nicht. Für eine "spätberufene" Auszubildende, die schon zwei Kinder groß gezogen hat, wiegt der Umgang mit den alten Menschen manche mögliche Mühsal mehr als auf. "Da steckt unheimlich viel Lebenserfahrung dahinter. Ich finde es schön, daran teilzuhaben", sagt Gertraud Neudecker aus Halfing.

Und eine 44-Jährige, ebenfalls Späteinsteigerin, untermauert diese Aussage, als sie erzählt, dass sie in zehn Jahren in der Laienpflege immer mehr gespürt habe: "Das ist der Beruf für mich."

Den Menschen "ihren letzten Lebensabschnitt so schön wie möglich gestalten", ist die persönliche Motivation von Yvonne Weiß aus Rosenheim. Und sie weiß auch: "Die Leute sind sehr dankbar für das, was man macht, es kommt immer was zurück."

Chiemgau-Zeitung

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