Pfosten weg, sonst Bootshaus weg

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Die Stempen des Anstoßes stehen direkt neben der Bootshütte (rechts unten und etwas verdeckt in der Bildmitte).

Prien - Weil er nicht beweisen kann, dass zwei Stempen bei seinem Bootshaus schon vor 1975 im Chiemsee standen, droht einem Grundstückseigentümer in Harras der Abriss seines gesamten Bootshauses.

"Dänen lügen nicht" textete einst Otto Walkes einen Hit von Schlagersänger Michael Holm um. Im Gespräch mit Christian A. Petersen meint man, den Titel des friesischen Komikers bestätigt zu finden. Der Unternehmer aus dem dänischen Broager schwört Stein und Bein, dass seine Bootshütte in Harras schon mindestens seit den frühen 1960er Jahren genau so dasteht wie noch heute.

Aber Schwören wird ihm ebenso wenig nutzen wie gleichlautende Aussagen seines Priener Hausverwalters, der sich seit Jahrzehnten um das Anwesen der dänischen Familie kümmert. Und auch der Priener Zimmerermeister, der 1965 als Lehrling erstmals auf dem Anwesen war, als es galt, marode Holzteile an Steg und Bootshaus auszuwechseln, kennt die Anlage nicht anders, erzählt er der Chiemgau-Zeitung.

Besitzer Christian A. Petersen ist sich sicher, dass diese Wandmalerei eines Bekannten im Bootshaus schon viele Jahrzehnte alt ist. Als Beweismittel ist sie aber nicht zu gebrauchen.

Beim Landratsamt Traunstein hat Ziegelfabrikant Petersen deswegen keinen Stein im Brett. Kurz vor Weihnachten 2009 hatte die Behörde Petersen bei einem Ortstermin aufgefordert, die beiden Pfosten im seichten Wasser neben seiner Bootshütte zu entfernen. Das hat er bisher nicht getan. "Sollten Sie erneut unsere Forderung nicht erfüllen, sehen wir uns leider gezwungen, neben den beiden Haltepfosten auch die Beseitigung der Bootshütte mit Steganlage und Plattformen zu fordern", schreibt nun das Landratsamt und setzt eine letzte Frist.

Petersen versteht die Welt nicht mehr, denn er will nicht einsehen, wen die beiden Stempen stören, die als Liegeplatz für ein Boot genutzt wurden. Und außerdem stünden sie schon seit Jahrzehnten an dieser Stelle, mindestens seit Anfang der 1970er Jahre, als seine beiden Töchter dort ihr Ruderboot vertäuten. 1963 hatte Petersen seine erste Frau geheiratet und war erstmals auf das Anwesen am Chiemsee gekommen, das seinerzeit noch seinem damaligen Schwiegervater gehörte. Der starb Anfang der 1990er Jahre, wenig später auch seine erste Frau.

Seit dem Ortstermin mit dem Landratsamt haben er und seine Töchter, denen das Anwesen heute offiziell gehört, alle Schränke und Schubladen nach alten Dokumenten durchsucht - erfolglos. Ob und wenn ja welche Unterlagen es gab, weiß Petersen nicht. Das Landratsamt hatte signalisiert, alte Fotos im konkreten Fall möglicherweise als Beweis zu akzeptieren. Bisher ist der Ziegelfabrikant nicht fündig geworden.

Dass er ein "Umweltsünder" ist, wie er das Schreiben des Landratsamtes mit der Abrissdrohung interpretiert, weist der Däne weit von sich. "Ich weiß, wie man mit der Umwelt umgeht." Sein Unternehmen produziert spezielle Ziegel, die oft für die Sanierung denkmalgeschützter Häuser verwendet werden. Die Firma gilt als weltweit führend in diesem Spezialgebiet und wird von Petersen in der siebten Generation geleitet. Ihre Erfolgsgeschichte begann als königlich dänischer Ziegelfabrikant 1791. Davon zeugt eine Urkunde. Über die Stempen gibt es keine.

Das entscheidende Datum, das über Erhalt oder Abriss entscheidet, ist just das Jahr 1974, als Michael Holm "Tränen lügen nicht" textete und sich damit an die Spitze der Hitparaden sang. Damals erhielten alle privaten Bauten am Bayerischen Meer Bestandsschutz. So genannte Gestattungsverträge mit den Eigentümern wurden formuliert.

Nun schreibt das Landratsamt, dass sich "die Bootshütte mit der Steganlage und den Plattformen" seit damals "wesentlich verändert haben dürfte" und verweist zusätzlich auf eine Skizze, die 1989 angefertigt worden ist.

Nach Lage der Dinge werden Petersens Beteuerungen ihm ebenso wenig nutzen wie die Aussagen seines Hausverwalters und des besagten Zimmerermeisters. Auch die alten Wandmalereien eines Freundes seines Schwiegervaters im Anbau der Bootshütte, die er der Chiemgau-Zeitung zeigt, dürften wohl kaum als amtlicher Beweis dafür durchgehen, dass die beiden Pfosten spätestens Anfang der 1970er Jahre eingeschlagen wurden und seitdem nichts verändert wurde.

Dass es den Behörden ernst ist, belegt neben der Abrissdrohung des Landratsamtes auch ein Schreiben der Außenstelle Chiemsee der staatlichen Seenverwaltung. "Für einen Bootsliegeplatz an dieser Stelle liegt weder eine privatrechtliche Gestattung, noch eine öffentlich rechtliche Genehmigung vor", stellt sie in einem Schreiben fest, das Petersen kurz vor Weihnachten ins Haus flatterte.

Auch die Seenverwaltung forderte in dem jüngsten Brief die "umgehende Entfernung der Pfähle".

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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