Pilotinnentreffen sorgte für Eklat

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„Einer der schönsten Flugplätze Deutschlands“, schwärmt die Webseite über den Flugplatz in Bad Endorf-Jolling. Die Landebahn ist 830 Meter lang und 30 Meter breit. Neben Privatmaschinen sind auch „Ultraleichte“ hier zu Hause. Doch nun durften 90 Pilotinnen nicht landen.

Bad Endorf-Jolling/Halfing – 90 Pilotinnen waren jüngst zum jährlichen Treffen auf den Flugplatz eingeladen. Doch dann wurde nichts daraus. Sie mussten nach Mühldorf ausweichen.

„Einer der schönsten Flugplätze in Deutschland. Die herrliche Lage im bayerischen Voralpenland macht den Anflug auf Endorf zu einem besonderen Erlebnis“, heißt es verheißungsvoll auf der Webseite des kleinen Flugplatzes in Bad Endorf-Jolling/Halfing. Und auch die 90 Pilotinnen, die von Ingrid Hopmann, der Präsidentin des deutschen Pilotinnenverbandes, jüngst nach Endorf zum jährlichen Treffen eingeladen waren, freuten sich schon. Doch dann wurde nichts daraus. Sie mussten auf den Flugplatz nach Mühldorf ausweichen.

„Das war sehr schade. So mussten die Pilotinnen, die teilweise von weit her kamen, mit einem Shuttle wieder hergebracht werden“, bedauerte Ingrid Hopman. Die 71-Jährige, die erst vor wenigen Wochen noch zusätzlich zu ihrer Privatpilotenlizenz auch den Segelflugschein erwarb, kann den „ganzen Zirkus“ eigentlich nicht so ganz verstehen.

Im Vorfeld des Pilotinnentreffens hatte Hopman Sepp Heinrichsberger, die „gute Seele“ des Flugplatzes und gleichzeitig neben seinem Sohn Rupert und Ludwig Stocker einer der drei Betreiber des Platzes, informiert. Damit, so dachte die resolute Frau, sei alles erledigt. „Schließlich hatte ich ja von ihm grünes Licht bekommen, wieder ein solches Treffen hier in Jolling zu veranstalten.“

Das bestätigt Heinrichsberger, doch sagt er auch: „Frau Hopman hätte halt auch mit den insgesamt vier Grundeigentümern sprechen sollen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Verpächtern. Bei größeren Veranstaltungen am Flugplatz ist es so üblich, diese vorab zu informieren.“

Doch dies geschah offenbar nicht. „Als ich am Mittwoch die Heimatzeitung aufschlug, erfuhr ich, dass fürs Wochenende wieder die Pilotinnen kommen. Bei uns hatte aber niemand nachgefragt. Das geht so nicht“, empört sich Sabine Maier aus Grafing, die zusammen mit ihrem Mann an die Flugplatzbetreiber Grund verpachtet. „Wir sind nicht gegen die Flieger, aber an solchen Tagen steht dann das unser Telefon nicht mehr still“, sagt sie. Teilweise werden sie und ihr Mann auch beschimpft, dass sie „das mit dem Fluglärm“ zulassen.

Auch erinnert sie sich ungern an einen Zwischenfall im letzten Jahr, als ein Flugzeug beim Start nicht hochstieg und schließlich in ihrem Obstgarten zum Stehen kam. „Mein Mann kam sofort mit dem Bulldog und wollte das Flugzeug aus der Wiese ziehen“, erinnert sich Maier. Doch er sei von der Pilotin nur angeschnauzt worden. „Das war dann der Dank.“

Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich die Verärgerung wieder legt und die Stimmung bessert. „Schließlich ist am 20. und 21. August wieder das traditionelle Fliegerfest. Sogar die Antonov, ein Doppeldecker, kommt wieder“, sagt Heinrichsberger. Und auch Sebastian Obermeier, Vorsitzender des Luftsportvereins, möchte, dass sich die Wogen wieder glätten. Schließlich werden jährlich die Pachtverträge neu unterschrieben.

Der Platz kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits seit 1968 wird in Jolling geflogen. Zunächst war er nur ein kleiner privater Landeplatz für zwei Privatmaschinen, doch 1983 wurde er für alle Piloten geöffnet. Nun konnte jeder den „schönsten Flugplatz Deutschlands“ anfliegen. Seit dem Jahr 2000, so Heinrichsberger, ist er mit Funk ausgerüstet. Der Luftsportverein Bad Endorf-Prien und private Haltergemeinschaften von Ultraleicht-Flugzeugen und Motorseglern haben hier ihre „Vögel“ stehen. Insgesamt hat der Verein rund 50 Mitglieder, von denen 34 aktiv fliegen. Zu diesen gehört Ingrid Hopman, übrigens die einzige Frau.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

 

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