Tourismusverband im Doppelpack

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Prien - 2012 wollen sich die beiden Tourismusverbände in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammenschließen. Hüben wie drüben laufen die Vorbereitungen. Da und dort knistert es jedoch im Gebälk. Chiemsee oder Chiemgau?

Lesen Sie hier den Bericht aus der Chiemgau-Zeitung:

Plädoyer für einen Zusammenschluss

2012 wollen sich die beiden Tourismusverbände in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammenschließen. Hüben wie drüben laufen die Vorbereitungen. Da und dort knistert es jedoch im Gebälk. Chiemsee oder Chiemgau?

Vor allem der Name, den das Kind einmal tragen soll, ist noch offen. Ein lauter Zwischenruf kommt jetzt von herausragenden privaten Leistungsträgern in beiden Landkreisen, die in der Erlebniswelt Chiemgau zusammengeschlossen sind: In einer Pressekonferenz im Hotel "Luitpold" in Prien haben sie mit Nachdruck die Fusion gefordert.

Die Erlebniswelt Chiemgau besteht aus zehn Ausflugszielen und sieben Top-Hotels vom Inntal bis Berchtesgaden. Der Verein sei ein "privater Zusammenschluss der wichtigsten touristischen Dienstleister", sagte Vorsitzender Peter Wulf vom Hotel "Luitpold am See" in Prien. Nicht ein Mitglied sei gegen den Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände. Im Verein bestehe vielmehr großes Interesse an der Fusion. Die Erlebniswelt Chiemgau arbeite - wie vielleicht da oder dort fälschlicherweise angenommen werde - keineswegs gegen die Verbände.

Der Chiemsee markiert die Grenze zwischen den beiden Landkreisen. Auch und gerade die Leistungsträger, die ihre Dienste an dieser Nahtstelle anbieten, machen kein Hehl daraus, dass es für sie keine Alternative zum Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände und zum gemeinsamen Auftritt gibt. "Die Vermarktung darf an der Landkreisgrenze nicht Halt machen", betonte Michael Feßler von der Chiemseeschifffahrt. "Wir wollen keine Unterscheidung der Marken 'Chiemsee' und 'Chiemgau'." Zu entwickeln sei vielmehr ein Verband mit einer gemeinsamen Marke.

Gesucht: eine gemeinsame Marke

Die Leistungsträger der Erlebniswelt Chiemgau streben laut Eric Zbil von der Kampenwandbahn nach einem "Image der Region". "Wir brauchen ein gemeinsames Marketing", betonte er. Insbesondere an den Chiemsee Alpenland Tourismusverband im Landkreis Rosenheim appellierte er, die einzustellenden "Themenmanager" zu beauftragen, "dass sie die Aktivitäten beider Verbände", also auch des Chiemgau Tourismusverbandes im Landkreis Traunstein, "im Auge behalten".

"Wir müssen zusammenwachsen, weil der Gast nicht unterscheidet zwischen dem Chiemgau und dem Chiemsee", forderte auch Ludwig Aigner vom Freizeitpark Ruhpolding den Zusammenschluss zu einem Verband in der Region. Um dieses Ziel zu erreichen, schlage die Erlebniswelt Chiemgau vor, so Aigner weiter, "ein Gremium aus den beiden Marketingausschüssen zu bilden, die jetzt schon eng zusammenarbeiten". Und in den Landratsämtern sollen seinen Angaben zufolge Beauftragte ernannt werden, die dieses Ziel der Fusion "mit Leidenschaft" verfolgen.

Chiemsee, Chiemgau, Alpenland? Vor allem die Namensgebung und die damit verbundene Entwicklung einer gemeinsamen, dann zu bewerbenden Marke, ist eine große Hürde auf dem Weg zum Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände. Auch die Leistungsträger der Erlebniswelt Chiemgau haben kein Patentrezept parat, diesen gordischen Knoten zu zerschlagen. Die Vertreter der Verbände seien aufgefordert, so der Tenor in dem Verein, sich zu verständigen. Gleichwohl machen die Dienstleister jedoch kein Hehl daraus, dass sie im Marketing auf das Bayerische Meer auf keinen Fall verzichten wollen. Vorsitzender Wulf geht sogar noch einen Schritt weiter: ",Chiemsee' muss im Vordergrund stehen". Denn "Chiemgau" sei ein "abstrakter Begriff", "mit 'Chiemsee' kann hingegen jeder etwas anfangen".

Diese Einschätzung bestätigte auch Gerhard Braun vom Sporthotel "Achental" in Grassau: Der Chiemsee habe eine größere Anziehungskraft als der Chiemgau. Und Theresa Albrecht vom Hotel "Zur Post" in Rohrdorf sagte: ",Nivea' ist eine Marke, 'Chiemsee' ist eine Marke - deswegen kommen die Urlauber zu uns."

Hans Klauser vom "Steinzeitdorf Siegsdorf", einer touristischen Einrichtung in Eisenärzt, sagte, dass beide Tourismusverbände "schon viel Kirchturmpolitik hinter sich gelassen haben". Ob am Ende "eine Fusion oder eine Verflechtung" zustande komme, so Steiner, der auch im Tourismusverband Chiemgau mitwirkt, "entscheiden die Gremien". Von zentraler Bedeutung sei, dass die Leistungsträger und die Hotellerie "dahinter stehen" und sich eine Zusammenarbeit wünschen. "Der Druck muss aus den Orten kommen."

pü/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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