Plädoyer für soziale Marktwirtschaft

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Günther Beckstein plädierte im kleinen Kursaal für klare Regeln und Kontrollen der Finanzmärkte.

Prien - Die Kontrolle der Finanzmärkte, die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft sowie die Notwendigkeit der Förderung von Bildung und Forschung waren Kernaussagen der Rede des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein im kleinen Kursaal.

Rund 100 Zuhörer, darunter auch Landrat JosefNeiderhell, wollten hören, welche Wege "Raus aus der Krise" Beckstein aufzeigte. Das war das Motto der Wahlkampfveranstaltung des CSU -Ortsverbands. Sie stand eingangs unter dem Eindruck des Todes von Lorenz Kollmannsberger. Ortsvorsitzender Andreas Becker würdigte den Priener Altbürgermeister unter anderem als sozial engagierten Menschen, der sich wie kaum einer "mit Überzeugung und Herz" um andere gekümmert habe. Die Förderung des Ehrenamtes, des "Kümmerns", sei mehr denn je notwendig, um besonders jungen Menschen Angebote zur Orientierung bieten zu können.

CSU -Kreisvorsitzender Klaus Stöttner bezeichnete es in seinem Grußwort als eine der dringlichsten Aufgaben für die Politik, die Vereinbarkeit von Arbeitsplätzen und Familie zu ermöglichen. Außerdem wünschte er sich ein "ruhigeres Fahrwasser" für die Politik, in der Sachthemen wieder im Vordergrund stehen müssten. Auch Beckstein würdigte Kollmannsberger als einen Politiker, der sich "in unglaublicher Weise für seine Heimat eingesetzt hat". Beispielhaft nannte er das Bemühen des Verstorbenen um Aufnahme von Schloss Herrenchiemsee ins Weltkulturerbe, das Beckstein als Ministerpräsident unterstützt hatte. Mit Blick auf die Krise gab er sich vorsichtig optimistisch: "Es scheint vieles darauf hinzudeuten, dass wir das Gröbste hinter uns haben." Gleichwohl werde die Krise "längerfristig Einschnitte bedeuten". Der ehemalige Ministerpräsident lobte das Krisenmanagement insbesondere der Bundeskanzlerin und hob hervor, dass es notwendig gewesen sei, dass der Staat mit Milliarden schweren Rettungspakten eingegriffen habe.

Er unterstütze Angela Merkels erklärtes Ziel, Wachstum zu schaffen, weil dies die Basis sei, drohender Arbeitslosigkeit entgegenzusteuern. "Wir müssen alles daran setzen, den Sozialstaat vielleicht sogar noch ein Stück auszubauen", sprach er sich eindringlich für Strukturen aus, die es möglich machen, den Schwachen zu helfen. Beckstein forderte klare Spielregeln ein, nicht nur für die Finanzwirtschaft. "Es war eine Verwirrrung, wenn über Jahre gesagt wurde: ,Der Markt regelt alles."" Investitionen in Bildung, Forschung und Kinderbetreuung nannte der CSU -Politiker beispielhaft als vordringliche Aufgaben. "Wir brauchen eine schwarz-gelbe Regierung mit einer starken Union, um die soziale Marktwirtschaft zu stärken." Für die SPD , die "in einer tiefen Krise" stecke, sei es notwendig, "dass sie in die Opposition kommt, damit sie zu sich selbst findet". Gleichwohl wünsche er sich mittelfristig ein Wiedererstarken des politischen Konkurrenten. "Für unser Land wären zwei starke Volksparteien besser."

db/Chiemgau-Zeitung 

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