Pläne für Naturfriedhof

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Seeon-Seebruck - Die Gedenkwald Naturbestattungen GmbH in Prien will einen Naturfriedhof in der Gemeinde Seeon-Seebruck errichten.

In Betracht zieht sie ein Waldgrundstück in der Nähe von Wattenham. Während der Gemeinderat das Vorhaben mehrheitlich befürwortet, fürchten einige Anlieger, dass sie in ihrer Ruhe gestört werden. Sie sorgen sich, dass womöglich mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen im Ort zu rechnen ist.

Die Gedenkwald Naturbestattungen GmbH will seit Jahren einen Naturfriedhof errichten. In mehreren Gemeinden hat sie bereits nach einem Standort gesucht. Ihr Blick fällt nun nach Seeon-Seebruck: in einen Wald, der zwischen dem "Hotel Scheitzenberg" und Wattenham liegt.

Im Gemeinderat stößt die GmbH mit ihrem Vorhaben mehrheitlich auf Zustimmung. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium mit drei Gegenstimmen beschlossen, das notwenige Bauleitverfahren zu eröffnen.

Aus Wattenham sind kritische Stimmen zu hören. Manfred Simchen befürchtet, dass durch die notwendige Infrastruktur - die Zufahrt und die Parkplätze - vieles zerstört werde. Das Nutzwaldgrundstück zwischen dem Hotel "Scheitzenberg" und Wattenham grenze unmittelbar an das Naturschutzgebiet, das zum Biotopverbundsystem gehöre. "Ich habe grundsätzlich nichts gegen einen Naturfriedhof, nur der Platz ist der falsche", sagte er der Chiemgau-Zeitung am Rande der Gemeinderatssitzung.

Derselben Meinung wie Simchen ist auch Dritter Bürgermeister Rudolf Mayer (FW). Auch er sieht darin einen Eingriff in die Natur - und zwar "um Auswärtigen in einer schönen Landschaft eine letzte Ruhestätte zu gewährleisten", sagte Mayer, der neben Josef Freiwang (CSU) und Franz Parzinger (FW) gegen die Einleitung des Verfahrens stimmte.

Freiwang stellte in Frage, ob der Bereich aus Sicht der Jagdgenossenschaft dann noch bejagbar sei. Parzinger kritisierte den Informationsmangel. Er sei überrascht, dass das Vorhaben, von dem er seit anderthalb Jahr nichts gehört habe, so weit vorangeschritten sei. Deshalb stellte er einen Antrag, den Tagesordnungspunkt zurückzustellen, um detaillierte Auskünfte über Kosten und Nutzen für die Gemeinde klarzustellen. Der Antrag wurde aber abgelehnt.

Bürgermeister Konrad Glück hatte eingangs ausgeführt, dass sich der Gemeinderat bereits im März vergangenen Jahres mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen habe, diese neue Bestattungsform zu unterstützen. Zwischenzeitlich seien eine Reihe von Gesprächen geführt und Prüfungen vorgenommen worden. Unter anderem sei auch ein Gutachten wegen des im Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Gebiet ligenden, rund drei Hektar großen Grundstückes erstellt worden. Das Gutachten liege mittlerweile - im Entwurf - vor, sagte der Bürgermeister, ohne auf die Ergebnisse einzugehen. Sie müssten wie viele andere Belange, die in einer Versammlung letzte Woche bereits zur Sprache gekommen seien, in der weiteren Diskussion berücksichtigt werden.

Laut Glück ist der geplante Friedhof, in dem ausschließlich Urnen bestattet werden dürfen, für die Gemeinde keine Belastung. Vor allem für Menschen, die fernab ihrer Familie leben und sich aus Sorge um die Grabpflege ansonsten anonym bestatten lassen, würden Naturfriedhöfe eine weitere Alternative bieten. Ein kleines, am Baum angebrachtes Täfelchen weise auf den Verstorbenen hin. Die Angehörigen könnten die individuelle Grabstätte jederzeit besuchen.

Über die Größe und Laufzeit des Naturfriedhofes konnte Glück noch keine konkreten Aussagen machen, gleichwohl aber über die Erschließung. Der Verkehr dürfte nicht das größte Problem sein, sagte der Rathauschef.

Zufahrt über Scheitzenberg

Die - beschilderte - Zufahrt ist über einen neuen Weg über Scheitzenberg geplant. An seinem Ende ist eine Reihe von Stellflächen vorgesehen. Wattenham bleibt vom Verkehr, wie verlautete, unberührt.

Nach Aussagen von Martha Gruber (FW) hätten einige Wattenhamer Bürger dennoch Bedenken geäußert, dass nicht alle Friedhofsbesucher den ausgeschilderten Weg nehmen und der Ort zugeparkt werden könnte. Deshalb appellierte sie, die Zufahrt zum Friedhof ausreichend zu beschildern.

Die Mehrheit im Gremium vertrat die Ansicht, das Verfahren in die Wege zu leiten. "Ich finde es grundsätzlich eine gute Sache", sagte Andreas Dorn (FW). Sepp Daxenberger (CSU) sieht darin eine Entzerrung der heimischen Friedhöfe und wies darauf hin, dass im Zuge des Verfahrens ohnehin noch einiges abgeklärt werden müsse.

ga/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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