Premiere im Schloss Ising

Isinger Faust-Inszenierung: Stehende Ovationen

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Antonio Prokscha als „Faust“ und Clara Rauschendorfer als „Gretchen“ scheinen füreinander bestimmt zu sein, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen.

Chieming - Grandiose Hauptdarsteller und ein Ensemble in Bestform - das Isinger Schultheater begeisterte mit seiner Faust-Inszenierung das Publikum.

Mit drei grandiosen „Faust“-Aufführungen vor großem Publikum belohnten sich das Schultheater und die Musikgruppen des Gymnasiums LSH Schloss Ising diese Woche für die monatelangen Proben, die zuletzt sogar auf die Wochenenden ausgedehnt worden waren. Die gut 300 Premieren-Besucher bedachten die eindrucksvollen darstellerischen und musikalischen Darbietungen der rund 80 beteiligten Schüler immer wieder mit lautem Applaus und am Ende zu Recht mit stehenden Ovationen und „Bravo“-Rufen. In die Herzen der Zuschauer spielten sich, räumlich und musikalisch umrahmt von Big Band und Schulchor, allen voran die fantastischen Hauptdarsteller Antonio Prokscha als „Faust“, Anna Freutsmiedl als „Mephisto“ und Clara Rauschendorfer als „Gretchen“.

Dr. Karin Biller als Regisseurin und Frank Schöftenhuber mit musikalischer Leitung

Da es sich bei Goethes Faust um die einzige Pflichtlektüre im bayerischen Lehrplan der 11. Klasse handle, habe sie sie sich mit ihren Deutschschülern aus der 11c – fast allesamt Teilnehmer ihres P-Seminars „Theater“ – dazu entschlossen, „das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden“ und den Faust auf die Bühne zu bringen, so Regisseurin Dr. Karin Biller, die beim Schultheater seit fast 20 Jahren erfolgreich Regie führt. Die Ehrfurcht und der Respekt vor diesem großen Werk seien anfänglich übergroß gewesen, doch die Schüler seien an der Herausforderung stetig gewachsen, so die Faust-Expertin, deren Handschrift in allen Szenen vom „Vorspiel auf dem Theater“ über das „Studierzimmer“, „Auerbachs Keller“, „Hexenküche“, „Ein Gartenhäuschen“, „Gretchens Stube“, „Am Brunnen“, „Walpurgisnacht“ bis zum „Kerker“ unverkennbar war. Hinsichtlich der Musik galt dies für ihren Kollegen Frank Schöftenhuber, der mit seinen Schülern einen instrumentellen und gesanglichen Höhepunkt nach dem anderen setzte. In besonderer Erinnerung blieben mehrere Geigen-Solos, ein Duett und der vielstimmige und vielsprachige Chorgesang.

Faust-Inszenierung im Schloss Ising

Überzeugende Isinger Faust-Inszenierung mit 80 Schülern

Die feinen Klänge bereicherten das Bühnengeschehen um den rastlosen Wissenschaftler und Gelehrten Dr. Heinrich Faust, dessen großer Liebe Gretchen und dem durchtriebenen Mephisto. Der Drang, das „Unbedingte“ in der „bedingten Welt“ zu erringen, trieb Faust, Sinnbild des „modernen Menschen“, über alle physischen und moralischen Grenzen hinweg in einen Vertrag mit dem Teufel Mephisto. Dieser wiederum führte Faust so lange am Gängelband niedriger Begierden, bis dieser, seiner eigenen Unersättlichkeit überdrüssig, um Stillstand bettelte – vergebens. Mephisto war es auch, der dem Faust Margarethe (Gretchen) zuführte, deswegen stand das junge Glück von Anfang an unter keinem guten Stern.

Schüler überzeugten auf und abseits der Bühne

In den weiteren Rollen glänzten Felix Urban als „amerikanischer Famulus“ Wagner, Vivien Saidler als Marthe Schwerdtlein, Fabio Rinser als Valentin, Lena Böttger als Hexe, Jenny Hinke als Erdgeist und Stimme des Herrn, Michi Schön als Alter Bauer, Soso Dollinger als Direktor, Romina Vincenzutto als Dichter, Vincent Steinbacher als lustige Person, Julia Niepmann ans Lieschen, Laura Läufer als Pudel und Nina Benekam als Bettlerin. Im feucht-fröhlichen Auerbachs Keller traten Fabio Rinser, Michi Schön, Nicole Jacenko und Lucie Hirsch als ausgelassen feiernde Studenten in Erscheinung, bis Mephisto unsanft dazwischenfunkte. Besonders einprägsam waren die Auftritte der lasziv-tanzenden Meerkatzen und der sympathisch-furchteinflößenden Hexen. Maßgeblich beteiligt waren die Schüler auch bei der Kostüm-Auswahl, Maske, Programmheft-Gestaltung, Technik und Bühnenbild. Theater-Experin Tarfa Bachan, die im Vorjahr kurz vorm Abitur an der Seite von Antonio Prokscha (Brandner Kaspar) unvergessliche Auftritte als „Boanlkramer“ gefeiert hatte, ließ es sich nicht nehmen, an ihre alte Schule zurückzukehren, um dem Ensemble mit Rat und Tat beizustehen.

Auch Schulleiter Wolfgang Brand war begeistert

„Tolles Schauspiel, ich bin begeistert“, kommentierte der sichtlich angetane stellvertretende Schulleiter, Wolfgang Brand, den kurzweiligen dreistündigen Premieren-Abend und gratulierte seinen Kollegen Dr. Biller, Musiklehrer Schöftenhuber und Kunstlehrer Johannes Kneisel sowie allen beteiligten Schülern zu deren Meisterleistung. Für ihn persönlich sei es „ein besonderes Erlebnis gewesen, die Schüler einmal von einer anderen Seite zu sehen, die sie in der Schule normalerweise nicht zeigen können“, meinte Brand. Alle Beteiligten genossen derweil den anhaltenden Applaus des begeisterten Publikums und ließen sich von diesem feiern.

mmü

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