Priener Zukunftsvisionen

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"Bahngleise trennen nicht, sondern verbinden" - unter diesem Motto empfiehlt der Arbeitskreis Ortsentwicklung, die Areale westlich und östlich der Bahnlinie als funtionelle Einheit zusammenzuführen.

Prien - Wie soll sich Prien in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Der Arbeitskreis "Ortsentwicklung" hatte seit 2010 Ideen gesammelt und stellte nun seinen Schlussbericht vor.

Wie soll sich Prien in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Mit dieser Frage hatte sich seit Mitte 2010 der Arbeitskreis "Ortsentwicklung" unter Leitung von Professor Klaus-Wedig Pridik intensiv auseinander gesetzt.

Wesentliche Ziele aus dem Schlussbericht sowie Startprojekt-Vorschläge stellte Pridik am Mittwochabend in der Sitzung des Marktgemeinderats öffentlich vor. Einstimmig legte das Gremium als erste anzugehende Maßnahmen die Themenschwerpunkte "Umfeld Franziska-Hager-Schule" sowie "Neugestaltung und Optimierung des Bahnhofsumfeldes" fest.

Im Frühjahr 2010 hatte der Marktgemeinderat einen Arbeitskreis "Ortsentwicklung" ins Leben gerufen, um parteiübergreifende Vorschläge für die Zukunft der Marktgemeinde erarbeiten zu lassen. Seit Mitte 2010 wurde im Arbeitskreis mit Teilnehmern aller Ratsfraktionen, der Verwaltung und mit weiteren Fachleuten aus der Bürgerschaft an den Kompetenzfeldern "Siedlung - Freiraum - Verkehr" unter Leitung von Professor Klaus-Wedig Pridik gearbeitet. Der ehemalige Inhaber eines Lehrstuhls (Landschaftsarchitektur) an der Technischen Fachhochschule (THF) Berlin genießt seit 2009 seinen Ruhestand in Prien.

Anfang Juli 2011 legte der Arbeitskreis seine Ergebnisse aus zehn "Workshops" in einem umfangreichen Bericht der Marktgemeinde vor. Auszüge daraus mit neun wesentliche Leitzielen als Grundlage für die Entwicklung von Bebauung, Freiraum (Grün) und Verkehr präsentierte Professor Pridik jetzt öffentlich in der Ratssitzung.

Leitziele als Grundlage der Ortsentwicklung

So sollen als "baukulturrelles Erbe" die historischen Ensembles in der Marktmitte, im Gries, in Trautersdorf und Ernsdorf im Bestand geschützt werden. Darüber hinaus gelte es, erhaltenswerte Einzelobjekte in den übrigen

Wohnquartieren zu sichern, weil "diese die Geschichte Priens erzählen", so Pridik.

Bei der Siedlungsentwicklung "nach innen" sollten Baulücken geschlossen werden. Dabei habe eine behutsame Verdichtung der Bebauung Vorrang vor dem Zugriff auf unbesiedelte neue Freiräume, schlägt der Arbeitskreis in seinem zweiten Leitziel vor.

Als "Eingang" zur Marktmitte soll das Bahnhofs-Umfeld "ästhetisch aufgewertet" werden. Unter dem Motto "Bahngleise trennen nicht, sondern verbinden" wird empfohlen, die Areale westlich und östlich der Bahnlinie (Hochriesstraße bis Franziska-Hager-Straße) als funktionelle Einheit zusammenzuführen.

Neue Flächen der Bebauung langfristig auszuweisen bedeute weder, dass gebaut werden "muss", noch dass ein "Bauboom" für die Marktgemeinde förderlich wäre, heißt es im vierten Leitziel "Siedlungsentwicklung nach außen". Es gehe vielmehr darum, Streusiedlungen - wie etwa Westernach - langfristig zu integrieren, Lücken zwischen den Wohnquartieren zu schließen, den Hafen in Stock und die Ortsteile Harras und Osternach in ihrer Eigenständigkeit zu bewahren sowie neue Gewerbeflächen ortsbildverträglich auszuweisen.

"Öffentliches Grün als komplexes System entwickeln" ist Leitziel fünf. In Gestalt eines Verbundnetzes aus linearen (Alleen, Hecken und "Grünen Fugen") und flächigen Strukturen (von "Westentaschenparks" bis "Themenparks") soll die

Marktmitte weiter entwickelt werden hinsichtlich ihrer Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie ökologischen und ästhetischen Qualität. "Der ortstypisch hohe Anteil privaten Grüns stärkt nachhaltig den Anspruch Priens, eine Marktgemeinde 'im Grünen zu sein", so Professor Pridik.

Gemäß Leitziel sechs lässt sich der Verbund zwischen Marktmitte und Hafen beleben und stärken durch Themenparks am Rande einer "Verbundkette Grün" und Aufwerten der Seestraße als "Promenade".

Wegen seiner überregionalen Bedeutung sollten im Hafen höchste Qualitätsansprüche gelten in Bezug auf Verkehr und Freiraum, empfiehlt der Arbeitskreis unter Punkt sieben. Dazu sei es notwendig, das Hafen-Umfeld in Stock systematisch zu ordnen und funktional aufzuwerten. Eine Erlebnismeile "Ufer-Welten" könnte Bewohnern wie Gästen die einmalige Situationsvielfalt am Priener Seeufer näher bringen und den Aufenthalt

bereichern. Die gesamte Uferpromenade sollte einen rad- und fußgängergerechten Ausbaustandard ohne störenden Pkw-Verkehr erhalten.

"Der Arbeitskreis 'Ortsentwicklung wie auch die Bürgerwerkstatt 'Verkehr ist überzeugt von der Notwendigkeit, das bestehende System aus 'fließendem und 'ruhendem Verkehr in der Marktmitte grundsätzlich neu zu ordnen", machte Pridik zum Punkt acht des Berichtes deutlich. Vorgeschlagen werden zwei Lösungsmodelle, "deren Machbarkeit professionell geprüft werden sollte", so der Referent. Variante 1: Umfahrung West mit einem Tunnel in Höhe Trautersdorf und einer Nordtangente zwischen Rimstinger Straße und Osternacher Straße. Variante 2: "kleine" Umfahrung lediglich der historischen Ortsmitte und einer teilweisen Entlastung der Seestraße vom Fahrverkehr im Zuge der Aufwertung als "Promenade". Bis zu einer endgültigen Entscheidung für das "Jahrhundertprojekt Verkehr" sollten die möglichen Straßentrassen von einer Bebauung beziehungsweise einer anderweitigen Flächenbeanspruchung vorerst frei gehalten werden.

"Meilenstein interfraktioneller Zusammenarbeit"

Abschließend betonte Professor Pridik, dass es viel Mut, Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen aller Akteure für den Aufbruch in eine neue Zukunft bedarf. "Ortsentwicklung ist ein Prozess auf Jahrzehnte" angesichts vieler Empfehlungen, die zumindest nicht "kurzfristig" umsetzbar sind.

Unisono würdigten der Gemeinderat und Bürgermeister Jürgen Seifert das Ergebnis des Arbeitskreises als einen "Meilenstein interfraktioneller Zusammenarbeit".

Einstimmig beauftragte das Gremium den Arbeitskreis Ortsentwicklung, seinen Schlussbericht den Betroffenen und danach der Öffentlichkeit vorzustellen und die beiden Starterprojekte mit der Bürgerwerkstatt Verkehr und dem Marktgemeinderat abzustimmen. Als Starterprojekte wurden folgende Themenschwerpunkte festgelegt: Umfeld Franziska-Hager-Schule (Schulwegsicherung, diverse Einzelmaßnahmen) sowie die Neugestaltung und funktionale Optimierung des Bahnhofsumfeldes. (Über die Diskussion berichten wir gesondert.)

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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