Weichen für Wettbewerb gestellt

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Die alten Dächer über den Bahnsteigen will die Bahn abreißen, die Gemeinde will sie erhalten. Den König-Ludwig-Pavillon (links an Bildrand) möchte der Markt Prien gern selbst nutzen. Fotos

Prien/München - Der Markt Prien und die Deutsche Bahn (DB) sind sich offenbar über die Eckpunkte zur Umgestaltung des Bahnhofs und seines Umfelds weitgehend einig.

Das ließ Geschäftsleiter Andreas Hell nach einem Koordinationsgespräch mit mehreren Bahnvertretern durchblicken. Im Rathaus wird jetzt ein Architektenwettbewerb vorbereitet, der im Sommer über die Bühne gehen soll.

In den nächsten zwei Monaten sollen noch weitere Abstimmungen mit den Grundeigentümern erfolgen, die Flächen rund um den Bahnhof besitzen, kündigte Eberhard von Angerer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung an. Der Architekt ist von der Marktgemeinde mit der Begleitung der Maßnahmen im Rahmen des Städtebauförderprogramms "Stadtumbau West" betraut. Wie wiederholt berichtet, hatte die Regierung dem Markt Prien im Dezember 1,4 Millionen Euro Zuschüsse aus diesem Topf zugesagt, verteilt auf drei Jahre.

Der König-Ludwig-Pavillon wird von der Bahn derzeit für technische Anlagen genutzt. Sie müssten verlegt werden, damit das Gebäude anderweitig genutzt werden kann.

Das muss aber nicht das Ende der finanziellen Fahnenstange sein, sagte von Angerer. Solche Förderprogramme hätten eine Laufzeit von acht bis zehn Jahren. Letztlich liegt es an der Kommune, immer zum Stichtag 1. Dezember Mittel zur Bewilligung von Fördergeldern anzumelden für Maßnahmen des jeweiligen Folgejahres. Eine grundlegende Voraussetzung ist es, dass der Markt Prien dann immer seinen Anteil im Haushalt darstellen kann und will. Der liege meist zwischen 40 und 50 Prozent der Gesamtkosten. Das Förderprogramm bietet kreativen Kommunen offenbar respektable Spielräume, "es ist Gott sei Dank ein flexibles Verfahren", so von Angerer. Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, dass Prien im Laufe der nächsten Jahre noch mehr Fördergelder abgreifen kann als bisher bewilligt.

Ende 2012 hatte von Angerer für Prien drei Maßnahmen angemeldet: die Umgestaltung des Umfelds des Heimatmuseums, die bis zur 100-Jahr-Feier der Einrichtung Mitte Juli abgeschlossen sein soll, einen Architektenwettbewerb zur Umgestaltung des Bahnhofsumfelds und eine Verkehrsuntersuchung.

Damit die Pläne für Bahnhofsvorplatz, einen neuen Busbahnhof und weitere Maßnahmen zwischen Hochriesstraße und Gleisanlagen realistisch bleiben, braucht der Markt Prien nicht nur private Grundeigentümer und zum Beispiel den Regionalverkehr Oberbayern (RVO) mit im Planungs-Boot, sondern vor allem die Bahn mit ihren diversen Untergesellschaften.

An manchen Säulen der Bahnsteigdächer hat sich Rost gebildet.

Im Rathaus wurden nun die "Interessen abgeglichen", wie es Hell formulierte, der die Sitzung leitete. Bürgermeister Jürgen Seifert war wegen der zeitgleichen Trauerfeier für den verstorbenen Ehrenbürger Paul Paulus kurzfristig verhindert. Hell sprach von einem "sehr positiven" Gespräch und deutete auf Nachfrage an, dass die Vorstellungen von Gemeinde und Bahn offenbar weitgehend auf einer Linie liegen. Einzelheiten wollte er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht nennen.

Schon vor Jahren hatte die Bahn angekündigt, das Bahnhofsgebäude selbst und die Bahnsteige umgestalten zu wollen. "Der Umbau des Bahnhofs beginnt voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2014. Zur Baumaßnahme gehört die Erneuerung der Bahnsteigdächer sowie die Errichtung einer Fahrgastinformationsanlage", teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage dieser Tage mit. "Zur Investitionssumme können wir uns aufgrund des derzeitigen Planungsstandes noch nicht äußern."

Über die Erneuerung der Bahnsteigdächer dürfte das letzte Wort aber noch nicht gesprochen sein. Seifert hatte in der Bürgerversammlung im November berichtet, dass die Bahn den Abriss der historischen Überdachung plane, die Gemeinde dies aber nicht hinnehmen wolle. Der kräftige Applaus der Zuhörer hatte deutlich gemacht, dass die Priener ihre Bahnsteigdächer behalten wollen.

Im Umfeld des Bahnhofs hatte sich die Marktgemeinde in den vergangenen drei Jahren sukzessive Grundstücke gesichert, die für die Gesamtplanung zentrale Bedeutung haben - darunter den Caritas-Kinderhort "Wirbelwind" und einen über 10000 Quadratmeter umfassenden Streifen parallel zu den Gleisen nach Süden.

Hell erläuterte, dass im Gespräch mit den Bahnvertretern vereinbart worden sei, in den vorbereiteten Untersuchungen zum Architektenwettbewerb Nutzungszahlen festzulegen. Mit solchen Kennziffern kann gesteuert werden, wie massiv oder eben nicht die Bebauung insgesamt und die einzelner Flächen werden darf.

"Wir werden mögliche Maßnahmen der Bahn so eintakten, dass wir in der zweiten Jahreshälfte parallel weiterfahren können", sagte Hell. Übersetzt: Bauvorhaben von Bahn und Gemeinde sollen zeitlich aufeinander abgestimmt werden.

Alles weitere hängt zunächst vom Architektenwettbewerb ab, indem sich auch die Ideen der "Bürgerwerkstatt Bahnhof" aus dem Jahr 2008 wiederfinden sollen. Zum Beginn aller Überlegungen hatten Bürgermeister, CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner als Vermittler und führende Bahnvertreter damals bei einem Fototermin am Bahnhof ein großes Transparent mit der Aufschrift "König Ludwig-Bahnhof" präsentiert. Ob dies nur der bevorstehenden Landesausstellung zum 125. Todestag des Märchenkönigs auf der Herreninsel geschuldet war oder Aufschluss über mögliche gestalterische Vorstellungen zulässt, wird spätestens nach dem Architektenwettbewerb klarer sein.

Zur Verhandlungsmasse gehört auch der König-Ludwig-Pavillon unmittelbar neben dem Bahnhofsgebäude. Der von außen eher unscheinbare Bau ist historisch sehr wertvoll. Ludwig II. hatte ihn seinerzeit in Rimsting genutzt, wo er ursprünglich stand, wenn er auf den Weitertransport zum Chiemsee und zu seiner Schlossbaustelle auf der Herreninsel wartete.

Der Pavillon ist vollgestopft mit technischen Einrichtungen der Bahn. Sie müssten verlegt werden, um das hellblaue Gebäude einer anderen Nutzung zuführen zu können, was sich die Marktgemeinde wünscht.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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