Bauliche "Todsünde" vertagt

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Prien - "Todsünde", "Wahnsinn", "Unmöglich" - So und ähnlich wurde der Vorschlag einer über acht Meter hohen und 20 Meter langen Maschinenhalle kommentiert.

"Todsünde", "Wahnsinn", "Unmöglich" - So und ähnlich kommentierten Bürgermeister und Bauausschuss den Vorschlag der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, auf dem völlig unbebauten Herrnberg eine über acht Meter hohe und 20 Meter lange Maschinenhalle für einen landwirtschaftlichen Betrieb bauen zu lassen. Die Entscheidung wurde vertagt, um in Verhandlungen einen möglichen Alternativstandort zu suchen.

Der Landwirt braucht eine Halle, um seine Gerätschaften unterbringen zu können. Aber alle seine Grundstücke liegen im Landschaftsschutzgebiet, also im Geltungsbereich der Chiemsee-Schutzverordnung. Deshalb hatte er im Vorfeld wohlweislich schon Kontakt mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt und dem Landwirtschaftsamt Rosenheim aufgenommen. Von beiden braucht er grünes Licht, von der Landwirtschaftsbehörde die Bestätigung der sogenannten Privilegierung und Notwendigkeit. Die hat das Amt dokumentiert.

Kopfschütteln und einige geharnischte Kommentare löste in der jüngsten Bauausschusssitzung aber die Haltung der Naturschutzbehörde aus. Sie schlägt als Standort ein Grundstück auf dem Herrnberg, hunderte Meter enfernt vom nächsten Gebäude fast am höchsten Punkt des Priener Aussichtsbergs vor. Aufgrund der Vorgabe der Behörde hatte der Landwirt nun seinen Bauantrag eingereicht.

Das Amt gibt diesem Platz den Vorzug gegenüber alternativen Grundstücken des Landwirts im Harrasser Moos, dem ebenfalls beliebten Wandergebiet zwischen Ernsdorf und Harras.

Dort gibt es zwar einige landwirtschaftliche Hütten, sie stammen aber aus einer Zeit lange vor dem Erlass der Chiemseeschutzverordnung und genießen deshalb Bestandsschutz.

Zudem greifen in diesem Gebiet noch zwei weitere Schutzverordnungen, unter anderem sei es als Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Gebiet klassifiziert, gab Bürgermeister Jürgen Seifert Informationen des Landwirts weiter, mit dem er am Tag der Sitzung noch telefoniert hatte und der sich wiederum auf Auskünfte der Naturschutzbehörde bezog.

Georg Fischer (CSU-Fraktion/parteilos) gab zudem zu bedenken, dass die Wege ins Moos zwar nicht viel weiter vom Hof des Landwirts entfernt liegen, aber mit großen Maschinen beziehungsweise Fahrzeugen ihre Belastungsgrenzen hätten.

Das waren aber nur untergeordnete Argumente in der Diskussion, der Tenor im Gremium war eindeutig: Auf dem Herrnberg wollen die Kommunalpolitker eine solche Maschinenhalle, die auf zwölf mal 20 Meter im Grundriss und mit einer Firsthöhe von über acht Metern geplant ist, unter allen Umständen verhindern.

CSU-Sprecher Michael Anner sprach von einer "Todsünde", für ihn sei die Empfehlung der Naturschutzbehörde "nicht nachvollziehbar". So wie ihm ging es den anderen Ausschussmitgliedern auch. "Auf dem schönsten Fleck von Prien, das geht mir nicht ein. Wir verbauen uns etwas für viele Generationen", warnte Zweite Bürgermeisterin Renate Hof (CSU). Und Werner Waap (BfP) wollte wissen, ob wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien bei der Standortsuche, eventuell auch ein Grundstückstausch in Betracht gezogen worden sei.

"Ich will wissen, wie das Amt dazu kommt", wollte sich auch Bürgermeister Jürgen Seifert nicht mit einem kurzen, nur zwei Absätze umfassenden Schreiben der Unteren Naturschutzbehörde zufrieden geben, das die Verwaltung vorlegte. Er ließ sich vom Ausschuss einstimmig legitimieren, nachzuhaken und "alles zu versuchen", den Bau am Herrnberg zu vermeiden. Dazu sollen Gespräche mit dem Bauwerber selbst und den Fachbehörden gesucht werden. Zudem will Seifert ausloten, ob ein Tauschgeschäft mit einem Grundstück in gemeindlicher Hand oder der des Landkreises - er soll laut Seifert in diesem Areal auch Grund besitzen - denkbar wäre, damit die Halle an anderer Stelle einen Platz findet.

Weil jetzt im Winter keine dringende Eile geboten sei, wie Michael Schlosser (ÜWG) treffend argumentierte, weil landwirtschaftliche Fahrzeugbewegungen derzeit kaum stattfinden, wurde der Bauantrag einstimmig mit der Maßgabe zurückgestellt, dass der Bürgermeister verhandeln soll.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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