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Reaktionen der Kirchgänger

Kein Zutritt zur Kirche wegen 3G? Prien testet neue Möglichkeiten

  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Prien – Müssen Kirchenbesucher draußen bleiben, weil sie weder geimpft, genesen noch getestet sind? Diese Frage bringt die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde vor Ort derzeit in Prien in einen Zwiespalt. Zur Debatte stand die Entscheidung, dann auf Abstand in den Kirchenbänken verzichten zu können und so wieder mehr Menschen unterzubringen. In Prien wagt die Kirche am Kirchweihsonntag ein „Experiment“, um herauszufinden, wie die Kirchgänger darauf reagieren.

Darüber unterhielten sich die OVB Heimatzeitungen mit dem Priener Gemeindereferenten Werner Hofmann.

Wie ist das jetzt mit Ihrem Experiment, wie Sie es nennen?

Werner Hofmann: Es ist im Grunde die selbe Fragestellung: Als Kirche sind wir dafür, dass jeder zum Gottesdienst kommen darf, der will. Wir haben mit den geänderten Vorgaben nun neuerdings zwei Möglichkeiten: Entweder wir belassen es bei der Regelung mit eineinhalb Metern Abstand, dann ist der Platz weiterhin begrenzt. Oder wir stellen auf die 3-G-Regelung um, kriegen viel mehr Leute rein, allerdings müsste dann am Platz eine Maske getragen werden. Jetzt wird es bei dieser Frage als Kirche spannend: Wenn ich eine 3-G-Regelung mache, schließe ich alle anderen aus, zum Beispiel auch Impfgegner, Impfverweigerer oder jene, die sich den Test nicht leisten können.

Die Diözese macht Ihnen keine Vorgaben?

Werner Hofmann: Nein, wir dürfen vor Ort entscheiden und treffen die Entscheidung mit dem Pfarrgemeinderat.

Welchen Weg gehen Sie in Prien?

Werner Hofmann: Prien geht den Weg eines Experiments, um das Meinungsbild der Leute herauszufinden am Kirchweihsonntag, 17. Oktober, gibt es einen einzigen 3-G-Tag, um 10 Uhr ist Kirchweihgottesdienst und um 19 Uhr Abendlob. Wir können wirklich schwer einschätzen, wie die Kirchgänger damit umgehen. Wir haben das im Pfarrgemeinderat kontrovers pro und contra diskutiert. Wir sind gespannt, ob mehr Leute zum Gottesdienst kommen, oder ob welche wegbleiben, weil sie nicht so nah beieinander sitzen wollen. Oder finden es Menschen nicht gut wenn die Kirche Menschen durch die 3-G-Regelung ausschließt? Oder sind ganz viele begeistert und die Kirche ist gesteckt voll?

Reicht ein Tag, um das herauszufinden?

Werner Hofmann: Wir haben am Ende der Gottesdienste schon darüber informiert und um Rückmeldungen gebeten.

Wie war bisher die Resonanz auf diese Nachricht?

Werner Hofmann: Die ersten Rückmeldungen im Pfarrbüro und im Gespräche an der Kirchentüre waren durchwegs gegen die Einführung der 3-G-Regel. Ich bin gespannt, ob sich auch noch andere Stimmen melden.

Was wäre Ihnen persönlich am Liebsten?

Werner Hofmann: Ich könnte mir einen Kompromiss vorstellen. An einem Sonn- und Feiertagen könnte 3G gelten, Samstagabend bleibt offen mit Abstand und jeder kann in die Kirche kommen. Eine Regelung nur 3G kann ich mir schlecht vorstellen. Unter der Woche haben wir nicht Problem, da ist es in der Kirche nicht so voll. In Urschalling ist die Kirche so klein, da werden wir erstmal 3G einführen, damit sich die Leute wieder hineinsitzen können, jetzt wo es kalt wird. Es war auch sehr mühsam für den Mesner, draußen immer den Altar aufzubauen.

Lassen Sie uns zurückblicken: Wie hat die Corona-Pandemie das Kirchenleben in Prien verändert?

Werner Hofmann : Wir sind davon abhängig, welche Regelungen vom Ordinariat kommen. Die Kirche ist natürlich im Blickfeld der Öffentlichkeit. Das galt gerade in der Zeit, wo wir Gottesdienste feiern durften, und andere Treffen für die Menschen nicht mehr möglich waren. Da wurde natürlich auch genau geschaut, ob wir verantwortlich damit umgehen. .

Wie verliefen die vergangenen eindreiviertel Jahre?

Werner Hofmann: Wir waren sehr froh, dass die Politik sehr schnell das Bedürfnis der Menschen erkannt hat, ihre Religion auszuüben. Nach dem anfänglichen ersten Lockdown war immer der Kirchgang möglich. Wir haben vor Ort festgestellt, dass es für manche Menschen ein riesiger Verlust war, dass sie eine Zeit lang keinen Gottesdienst besuchen konnten. Diese paar Monate haben uns gezeigt, dass ein echtes Bedürfnis dahintersteckt. Ich fand das auch für uns als Kirche schön, dass das sichtbar geworden ist. Dann durften wir ja wieder Gottesdienste feiern. Heuer zu Ostern, als noch die Gefahr bestand, dass dies nicht möglich sein könnte, habe ich einen Mann gesprochen, der sagte, dass der Ostergottesdienst seine Kraftquelle fürs ganze Jahr ist. Wir waren sehr glücklich, die Gottesdienste dann stattfinden konnten.

Ohne ehrenamtliche Helfer aus der Kirchengemeinde wäre dies vermutlich nicht möglich, oder?

Werner Hofmann: Neben Hygiene- und Platzbestimmungen war es das A und O, dass wir ehrenamtliche Leute finden, die sich bei jedem Gottesdienst hinten hinstellen, die Besucher begrüßen und zu ihrem Platz begleiten. Ohne sie, dürften wir keinen Gottesdienst abhalten. In Prien sind seit Beginn der Pandemie etwa 25 bis 30 Ehrenamtliche in diesem Platzbegleitdienst tätig.

Wie wirkte sich die Pandemie auf Taufen, Erstkommunion und so weiter aus?

Werner Hofmann : Wir mussten einiges verändern. Wir haben eigentlich nicht das Personal, aber wir haben Einzeltaufen ermöglicht. Das gleiche galt für die Erstkommunionen. Normalerweise feiern wir diese in Prien mit 30 bis 40 Kinder in einem Gottesdienst. Das konnten wir nicht mehr machen, weil sonst keine Angehörigen hätten mitkommen können. Stattdessen haben wir vier Einzelgottesdienst abgehalten. Uns war extrem wichtig, dass Angehörige mit zur Kirche kommen können. Bei den Firmungen wurden Pfarrer statt der Bischof beauftragt, so dass wir auch hier Feierlichkeiten in mehreren Gruppen anbieten konnten.

Wie haben Sie die Menschen bei den Einschränkungen der Trauerfeiern erlebt?

Werner Hofmann: Da waren wir leider nicht sehr flexibel, die Kirche hatte keinen Spielraum. Es war dann auch so, dass von einer Woche zur anderen neue Regelungen galten. Durften die eine Woche noch mit 15 oder 25 Gäste an der Beerdigung teilnehmen, waren es die nächste schon 50. Die Leute haben es aber gut aufgenommen und erkannt, dass wir nichts dafür können. Wir haben angeboten, auch später Requiem oder Trauerfeier nachzuholen, das haben manche auch angenommen.

Relativ bald war im Gespräch, Gottesdienste zu übertragen, wie wurde das gelöst?

Werner Hofmann: Wir haben nach dem Lockdown sukzessive alle Kirchen mit Außenlautsprechern bestückt, um jenen Menschen entgegenzukommen, die in der Kirche keinen Platz haben oder nicht in die Kirche hineingehen wollten. An Weihnachten haben wir uns für mehr Angebot entschieden, auch draußen. Uns ist immer Anliegen, jedem die Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen, der das Bedürfnis danach hat.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz / dpa

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