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Fälle im Erzbistum München und Freising vertuscht?

Missbrauch in der katholischen Kirche: Gutachten belastet Papst Benedikt schwer

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Appell aus dem Chiemgau

Priener Ärzte verzweifeln an Impfverweigerern - „Aber die Politik macht es uns auch schwer“

Ein Arzt in einer Priener Praxis zieht eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff auf.
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Ein Arzt in einer Priener Praxis zieht eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff auf.

Impf-Skeptiker und Bürokratie machen es Priener Hausärzten momentan schwer. Manche Praxen stellen deshalb das Impfen derzeit ganz ein.

Prien – „Mein Gott, das ist ein Kreuz!“ Dr. Otto Steiner ist stocksauer. Mit viel Überzeugungskraft hatte der Priener Allgemein-Mediziner in den vergangenen Wochen einige Unentschlossene davon überzeugen können, sich doch noch gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Wahl des Impfstoffs sei bei den Gesprächen stets ein sensibles Thema gewesen, betont Steiner im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Aber die Politik macht es uns so schwer, unsere Zusagen auch einzuhalten, denn jetzt bekommen wir wieder einen anderen Impfstoff.“

Dr. Otto Steiner

Hin und Herist eine Bürde

Wie berichtet, hatte das Bundesgesundheitsministerium den Ländern verkündet, dass das Biontech-Vakzin rationiert werde und stattdessen vermehrt das Moderna-Präparat für Booster-Impfungen verwendet werden solle. „Dieses Hin und Her“ macht es aus Sicht des Hausarztes nicht einfacher, die noch Ungeimpften davon zu überzeugen, sich den zweimaligen Pieks abzuholen. Wie dramatisch sich die Situation im Gesundheitswesen mit explodierenden Corona-Fallzahlen in den vergangenen Wochen entwickelt hat, haben gestern rund 530 Hausärzte aus der Region in einem Appell an die Bevölkerung deutlich gemacht.

Unbelehrbare bringen ihn auf die Palme

Auch Dr. Otto Steiner hatte sich an dem dringendem Impfaufruf beteiligt. „Ich bin so traurig darüber, in einer Region zu leben, die mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenzzahlen so miserabel dasteht, vor Kurzem noch mit an der Spitze der schlechtesten Werte in Deutschland.“ (Stand 22. November laut Robert-Koch-Institut: Landkreis Rosenheim 979,3; Traunstein 1121,2; Berchtesgaden 1150,2; Anm. d. Red.).

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Er sei sich nicht sicher, ob nur die Politik Schuld an der Misere trage. „Eigentlich müsste der Gesetzgeber sagen, es muss jeder geimpft werden, so wie bei den Masern. Dann wären wir in einem Vierteljahr drüber hinweg. Die Israelis haben das vorgemacht. Unsere Politiker trauen sich das aber nicht. Es gibt keinen, der in gewisser Weise diesbezüglich eine Autorität zeigt.“

Auf Bergamo verwiesen

Was ihn noch mehr auf die Palme bringt, sind Argumentationen unbelehrbarer Impfgegner. Steiner: „Vor Kurzem hatte ich eine Person zur Untersuchung in der Praxis, bei der ich eine halbe Stunde versucht habe, sie davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Auch, weil sie in der Altenbetreuung arbeitet. Es war völlig sinnlos. Ich bekam zu hören, dass die Impfstoffe nicht richtig erprobt seien, zudem sei sie so gesund, dass ihr eine Corona-Infektion nichts ausmachen würde.“ In einem anderen Fall habe er auf Fernsehbilder aus dem italienischen Bergamo verwiesen, die im vergangenen Jahr 100 aufgebahrte Särge von Corona-Toten in einer Kirche gezeigt hatten.

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„Meinem Argument, diese Todesfälle seien doch nicht einer Grippe geschuldet, wurde die Frage entgegengesetzt, ob ich diesen Berichten glauben würde. Das seien doch nur alles Attrappen der Pharmaindustrie. Aufgestellt, um Geschäfte zu machen. Da weiß man nicht mehr, was man sagen soll, das ist irre, gegen solche Ideologie hat man keine Chance.“ Für Dr. Steiner steht fest: „Jeder Covid-19-Geimpfte sollte sich für die dritte Impfung anmelden. Da greift das gleiche Prinzip wie bei den Tetanus- oder Hepatitis-Impfungen mit drei Basisimpfungen.“

Personalmangel erschwert die Arbeit

Das sieht auch Dr. Manfred Zanir so, der in Prien mit dem Internisten Dr. Klaus Lange eine Praxisgemeinschaft führt. Er verweist zudem auf ein weiteres Problem. „Wir empfehlen zwar nach sechs Monaten die Booster-Impfung“, erklärt der Allgemeinmediziner unserer Zeitung. „Allerdings tun wir uns schwer damit, die Termine einzuhalten. Das liegt nicht an der Verfügbarkeit des Impfstoffes, sondern am Personalmangel.“ Kein Einzelfall, wie Zanir versichert. Das gehe vielen ihrer Hausarztkollegen so.

Auflagen kaumzu bewältigen

Eine Praxis im Nachbarort habe das Impfen eingestellt, weil der Aufwand nicht mehr zu bewältigen sei. Die bürokratischen Auflagen seien einfach zu hoch, so Zanir. „Wir empfehlen Impfwilligen, nach Rosenheim ins Impfzentrum zu fahren. Wenn Patienten schlecht zu Fuß sind, nehmen wir sie schon an, es kann aber durchaus sein, dass sie länger warten müssen. Wir haben mit etwa 60 Anmeldungen eine lange Warteliste, das entspricht einem Wartezeitraum von vier bis sechs Wochen.“ Das Fatale an der Situation: In dieser Zeit macht das Corona-Virus keine Pause.

Booster für Jüngere erst im neuen Jahr

Ärztin Eva Greipel

Eva Greipel, Traunstein, stellvertretende Bezirksvorsitzende Oberbayern des Bayerischen Hausärztevereins: „Booster- und Erstimpfungen sind essenziell, um die Inzidenzen und insbesondere die Sterblichkeit zu senken. Dabei konzentrieren wir Hausärzte uns aktuell vor allem auf durch ihr Alter oder Vorerkrankungen besonders gefährdete Personen. Da wir im Moment auch mit einer Infektwelle zu kämpfen haben und die Versorgung aller anderen Kranken gewährleistet sein muss, können wir jungen, gesunden Personen Boostertermine erst im neuen Jahr in Aussicht stellen. Wir fordern endlich einen Coronabonus für unsere medizinischen Fachangestellten, die seit Beginn der Pandemie in den Praxen an vorderster Front stehen und seit dem Start der Impfkampagne im April täglichem Telefonterror ausgesetzt sind. Es ist beschämend, dass die Politik diese Leistungen konsequent ignoriert.“

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