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Leitung der Polizeiinspektion Prien im Interview

„Das Fünf- bis Sechsfache an Demos“: Wie sich die Arbeit der Polizei durch die Corona-Jahre verändert hat

Waren auch in Pandemie-Zeiten gut beschäftigt: die Leiterin der Polizeiinspektion Prien, Karin Walter, und ihr Stellvertreter Peter Hans.
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Waren auch in Pandemie-Zeiten gut beschäftigt: die Leiterin der Polizeiinspektion Prien, Karin Walter, und ihr Stellvertreter Peter Hans.

Auch wenn die Zahl an Delikten während der Corona-Jahre zurückging, waren die Beamten der Polizeiinspektion Prien gut beschäftigt. Vornehmlich mit der Begleitung von Corona-Demonstrationen. Aber auch in anderer Hinsicht hat sich die Arbeit der Polizei verändert.

Prien – Zwei Jahre im Zeichen der Coronapandemie liegen auch hinter der Polizeiinspektion Prien. Mit deren Leiterin, Karin Walter, und ihrem Stellvertreter Peter Hans, sprachen die OVB-Heimatzeitungen über neue Formen der Kriminalität und den Umgang zwischen Bürgern und Polizeibeamten.

Auch wenn die Kriminalitätsrate im Bereich der Polizeiinspektion Prien im Vergleich zu anderen Regionen geringer ausfällt, verzeichneten Sie einen Anstieg von 153 Fällen im Vergleich von 2020 auf 2021. Umfasste das Gros der Fälle einen Verstoß gegen die Corona-Vorschriften?

Karin Walter: Nein. Aber im Jahr 2020 hatten wir den ersten Komplett-Lockdown. Es war niemand unterwegs, es hat deshalb gegenüber 2021 mehr Straftaten gegeben, weil einige Dinge einfach schon wieder erlaubt waren. Damit stieg auch die Zahl der Delikte von 2020 auf 2021.

Hat Sie das entlastet oder waren Sie mit der Kontrolle der Coronabeschränkungen dennoch gut beschäftigt?

Walter: Es war nicht weniger Arbeit da, aber wir haben eine Verlagerung gemerkt. Während der Zeit des kompletten Lockdowns war nachts weniger los. Was auch klar ist, wenn keiner nach 22 oder 23 Uhr auf die Straße darf. Dafür war tagsüber durch die Corona-Kontrollen und die Unterstützung für das Gesundheitsamt eine erhöhte Arbeitsbelastung gegeben.

Hat die Coronapandemie die Arbeitsbelastung der Polizei noch verstärkt?

Peter Hans: Verstärkt insofern, als wir durch Corona einen starken Anstieg an Demonstrationsmeldungen hatten, sodass stellenweise wöchentlich Demonstrationen stattfanden, die polizeilich betreut werden mussten. Das bindet natürlich Personal und andere Ressourcen. Früher hatten wir vielleicht zehn oder zwölf Demonstrationen pro Jahr, in der Coronazeit war es das Fünf- bis Sechsfache dieser Zahl. Und die Demonstranten gehörten auch zu einer anderen Klientel, als wir das gewohnt waren.

Der ein oder andere wohl auch zu den sogenannten Reichsbürgern. Wie gestaltete sich der Umgang dieser Demonstranten mit Ihnen und Ihren Kollegen?

Hans: Es waren aus polizeilicher Sicht für uns normale Einsätze. Unsere Gegenüber äußern sich natürlich, das ist ja auch ihr gutes Recht. Manchmal waren die Demonstranten vermutlich erstaunt, dass wir doch mit einem relativ großen Aufgebot an Polizeikräften kamen. Aber wenn viele Demonstranten angemeldet sind, muss ich eine entsprechende Zahl an Kollegen vorhalten.

Wie aufwendig haben sich die Planungen durch die Zunahme an Demonstrationen für Sie gestaltet?

Hans: Man bekommt auch hier eine gewisse Routine. Sicher braucht man für die Organisation eine gewisse Zeit. Man muss Stellungnahmen für das Landratsamt abgeben, aber auch das bekommt man geschafft. Und es betrifft auch nur die Kollegin Walter und mich, welche die Planungen vornehmen und dadurch etwas mehr belastet sind.

Gemeinhin hat ja das Aggressionspotenzial gegenüber der Polizei, aber auch gegenüber Rettungskräften zugenommen. Haben Sie den gleichen Eindruck?

Walter: Wenn ich die vergangenen Jahre ein wenig Revue passieren lasse, ist der Umgang mit der Polizei schon ein anderer geworden. Nun leben wir Gott sei Dank in einer Gegend, wo uns das noch nicht in diesem Ausmaß betrifft. Hier spürt man schon noch einen gewissen Respekt der Polizei gegenüber. Aber dieser nimmt auch ab. Es ist nicht mehr so wie vor einigen Jahren, dass man sagen kann: Wir werden durchgehend respektiert. Dies ist allen Kollegen bewusst, die auf der Straße unterwegs sind. Dadurch geht man in seiner Grundeinstellung anders an die Sachen ran.

Haben Sie eine Erklärung, warum sich dieses Verhältnis zwischen Bürgern und Polizei derart gewandelt hat?

Walter: Ich glaube, das ist einfach ein Phänomen der heutigen Zeit.

Gab es im vergangenen Jahr Kriminalfälle, welche Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Walter: Es bleiben immer jene Einsätze ein wenig hängen, welche über das normale Maß hinausgehen. Ich kann mich an einen Fall erinnern, bei dem es zu einem Konflikt zwischen Sohn und Vater gekommen war. Diesen hat die Staatsanwaltschaft als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft. Dies auch, weil der Vater schwer verletzt wurde und noch heute mit den Folgen zu kämpfen hat. Der Sohn wiederum war in einem psychischen Ausnahmezustand. Das sind Fälle, die einfach länger haften bleiben und über die gewöhnliche Routine hinausgehen.

Wie hat sich das Einsatzaufkommen in den vergangenen beiden Jahren und die Kriminalität für die Polizeiinspektion Prien entwickelt?

Walter: Wir stellen fest, dass viel mehr digital passiert. Auch bei den Straftaten sind die Tatmittel inzwischen der PC oder das Handy. Gerade der Callcenter-Betrug ist ein Phänomen, das die vergangenen zwei bis drei Jahren vermehrt aufgetaucht ist. Die Kriminalität hat sich wohl auch ins Digitale verlagert, weil der technische Fortschritt diese Möglichkeiten bietet. Bei Banküberfällen wiederum gehen die Zahlen fast gegen null, weil die Geldhäuser besser gesichert sind und längst nicht mehr so viel Bargeld vorhalten. Dafür müssen wir nun vermehrt Internetbetrügereien bearbeiten.

Wie geht die Polizei mit dieser Entwicklung um?

Walter: Die ganz umfangreichen Fälle mit großem Ermittlungsaufwand geben wir zur Kriminalpolizei nach Rosenheim. Den Rest bearbeiten wir selbst. Jeder Kollege muss sich in dieses Thema einarbeiten. Wir haben auf unserer Dienststelle einen Fachmann, der nichts anderes macht, als diese Fälle zu bearbeiten. Aber die Grundlagen in diesem Bereich muss jeder Kollege beherrschen.

Bereiten Sie sich darauf vor, dass Sie bei einem möglichen Lockdown im Herbst wieder zahlreiche Corona-Demonstrationen begleiten müssen?

Walter: Wir bereiten uns nicht explizit vor. Wir haben das jetzt schon zwei Jahre erlebt.

Wie schaut es bei den Einsätzen der Wasserschutzpolizei auf dem Chiemsee aus? Gab es dort besondere Entwicklungen?

Hans: Das Einsatzgeschehen blieb weitestgehend unverändert. Darunter viele Rettungseinsätze, bei denen wir die Wasserwacht und die DLRG unterstützten. Aber wie schon im vergangenen Jahr haben wir heuer eine Handgranate gefunden, welche im See gesprengt werden musste. Hierfür musste die Umgebung gesperrt werden. Zudem haben wir die Herren- und die Fraueninsel, die sich auch Politiker gerne anschauen. Auch hier müssen wir in Sachen Personenschutz unterstützen. Das Aufgabenspektrum der Wasserschutzpolizei ist recht groß.

Jenseits dessen: Gibt es auch eine Art Standardfall für die Wasserschutzpolizei?

Hans: Das sind meist Verstöße gegen die Ruhezonen, welche nicht befahren werden dürfen. Weder von Motor- oder Segelbooten noch von Kajaks oder Stand-up-Paddlern. Verstöße hier sind gewissermaßen der Standardfall und kommen leider relativ oft vor.

Ihre Wünsche für das laufende und kommende Jahr?

Walter: Dass wir wieder einen Alltag bekommen. Dass wir wieder Gewissheit haben, wie es weitergeht. Gerade für unsere Jugend, unsere Kinder, aber auch für unsere ältere Bevölkerung. Und was mir ganz wichtig ist: dass wir mit der Vielzahl der Bevölkerung in Prien und den umliegenden Gemeinden ein gutes und respektvolles Verhältnis haben. Und: dass meine Kolleginnen und Kollegen immer gesund nach Hause kommen.

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