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Volle Kurse aber keine Trainer

Freiwillige gesucht: Dem TuS Prien gehen die Übungsleiter aus

So etwas wie Lisa Kluge gibt es wohl in Zukunft nicht mehr. Die 84-Jährige ist die älteste Übungsleiterin der Turnvereine in Bernau und Prien, und sie ist immer noch voller Leidenschaft bei der Sache. Wenn sie einmal aufhört, könnte es schwierig werden mit der Nachfolge - so wie beim Kinderturnen bereits geschehen.

Prien – „Leben ist Bewegung“, ist die Devise der Prienerin, und damit bringt sie auch ihre gleichaltrigen Kursteilnehmer in Schwung. Leider ist es um Nachwuchs momentan schlecht bestellt, weshalb der TuS nun sogar Kurse aussetzen muss – trotz hoher Nachfrage.

Übungsleiterschein erstmals vor 45 Jahren gemacht

Im Liegen die Zehen greifen für eine flexible Wirbelsäule und Dehnbarkeit, Rückengymnastik, Schultern und Arme mobilisieren, den Nacken beweglich halten, „so gut es eben geht“, ist das Mindeste für die sportliche Seniorin. Zweimal die Woche, am Montag in Bernau und am Donnerstag in Prien, hält sie „ihre“ Senioren – immerhin zwölf bis 15 Teilnehmer pro Kurs – fit. Dazu kommt einmal in der Woche zusätzlich eine Gymnastik-Einheit für die Bewohner in einem Eggstätter Seniorenheim.

„Da ist man ganz schön unterwegs“, gibt Kluge zu. Vor 45 Jahren hat sie ihren ersten Übungsleiterschein gemacht, seitdem erneuert sie ihn vorschriftsmäßig alle vier Jahre. „Bald ist es wieder soweit“, fällt ihr im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ein, und dass sie noch so lang wie möglich sportlich bleiben und ihre Kurse geben will.

Die Seniorin holte sich selbst aus dem Krankenbett

Nur vor knapp zwei Jahren, da machte ihr eine Operation einen Strich durch die Rechnung. „Ein halbes Jahr musste ich liegen, das war schlimm für mich“, erzählt sie. Ein Glück für sie, dass sie vor der Operation so fit war: Mit Übungen für den Rücken, Nacken, Kopf und Arme holte sie sich selbst aus dem Krankenbett. Sie ist sich sicher, auch ein wenig Vorbild für andere Senioren zu sein.

„Meine Kurse sind auch eine Art sozialer Treffpunkt“, sagt sie, „,manche kommen schon seit 20 Jahren zu mir. Da kennt man sich, und kann einschätzen, wie es der jeweiligen Person gerade geht.“ Ein kleines Schwätzchen, das gehöre zu jeder Turnstunde eben dazu.

Keine Jungen am Start

Doch leider, befürchtet Fritz Seipel, Abteilungsleiter der Turnerschaft beim TuS Prien, sieht er ähnlich engagierten Übungsleiter-Nachwuchs nicht am Horizont auftauchen. Selbst schon über 70 Jahre alt, leitet er seit vielen Jahren eine Männerturngruppe und ist nun wieder der Nachfolger seiner Nachfolgerin, die aus Altersgründen 2016 den Abteilungsleiterposten an Seipel zurückgab – Problem: Nachwuchsmangel.

Gerade erst musste Seipel bekannt geben, dass das montägliche Eltern-Kind-Turnen und das Kinderturnen für die Vier- bis Sechsjährigen bis auf Weiteres entfallen müssen. „Die Übungsleiterin musste sich zurückziehen, weil sie privat viele andere Verpflichtungen hat.“

So gehe es derzeit allen jungen Sportlern des TuS, unter denen Seipel sonst den Übungsleiternachwuchs gewinnen konnte: „Alle haben zu viel zu tun, wollen ins Ausland, haben wegen Beruf, Studium oder Ausbildung zu wenig Freizeit. Oder sie haben kleinere Kinder, wegen denen sie nachmittags und abends Kurse nicht mehr abhalten können.“

Sei es noch vor zehn Jahren relativ leicht gewesen, unter den Müttern der turnenden Kinder oder den älteren Turnern Nachwuchskräfte anzuwerben, sei das heute fast unmöglich, sagt Seipel. Umgekehrt sei die Nachfrage nach Sportangeboten beim Verein hoch, weswegen der TuS die Teilnehmer der nun entfallenden Montagskurse sogar bittet, nicht auf andere Kurse auszuweichen.

Zwar habe der Verein erfreulicherweise derzeit noch rund 30 Übungsleiter inklusive freiwilliger Helfer, „aber wenn von ihnen, die teils schon 20, 30 Jahre dabei sind, jemand aufhört, wird das ein Problem.“

Innenministerium hebt steuerfreie Pauschale an

Reich wird man als Übungsleiter freilich nicht – acht Euro Pauschale gibt es pro Kurs und Woche. Doch den Ausbildungsschein im Wert von 300 bis 400 Euro zahlt der Verein, bezuschusst vom Staat. „Eben erst hat das Innenministerium die steuerfreie Jahrespauschale für Übungsleiter auf 3000 Euro erhöht“, freut sich Seipel.

Wer den Schein habe, könne sich auch neben dem Engagement im Verein ein kleines, weiteres Standbein mit seinem Know-how aufbauen. „Wir sind auch ein rühriger Verein, machen gemeinsam Ausflüge, treffen uns, helfen uns gegenseitig“, betont Seipel den sozialen Aspekt.

Freiwillige gesucht

Mütter und Väter, ehemalige Turnerinnen sowie alle Sportbegeisterten können Übungsleiter werden. Turn-Abteilungsleiter Fritz Seipel hofft, dass sich Interessierte bei ihm melden. Telefon: 0 80 51/6 18 64 oder E-Mail: seipel-prien@t-online.de. Die Kosten für das Übungsleiterseminar übernimmt der TuS.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Karl-Josef Hildebrand (Symbolbild)

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